Sun - eine Ära geht zu Ende

Mittwoch, 26. April 2006 00:00

(IT-Times) Der Rücktritt des Sun-Mitgründers Scott McNealy wurde an der Wall Street zuletzt positiv aufgenommen. Nachdem nunmehr der langjährige Sun-Manager Jonathan Schwartz das Ruder beim Unix- und Servicespezialisten Sun Microsystems (Nasdaq: SUNW<SUNW.NAS>, WKN: 871111<SSY.FSE>) übernimmt, hoffen Investoren und Analysten auf bessere Zeiten.

Was ist vom neuen Sun-Chef zu erwarten?

Insbesondere könnte durch Schwartz der in den vergangenen Jahren eingeschlagene Restrukturierungskurs schärfere Konturen annehmen und sich beschleunigen. Im Detail heißt dass: Fokussierung auf das Kerngeschäft mit Servern und eine weitere Straffung der Kostenstruktur. Bereits im Vorfeld deutete der designierte Sun-Firmenlenker Schwartz tiefer gehende Einschnitte an: „Das Internet ist ein besserer Mechanismus, um neue Kunden zu finden, als Vertriebsrepräsentanten“, so Schwartz. So gab zwar Sun jüngst den Abbau von 200 Stellen in seiner Scalable Systems Group bekannt, diese Maßnahme wird jedoch lediglich zu Einsparungen von 20 bis 30 Mio. Dollar führen.

Lehman Brothers Analyst Harry Blaunt geht daher davon aus, dass Sun wohl weit einschneidendere Maßnahmen ergreifen muss, um die Kostenstruktur wieder ins Lot zu bringen. Auch Keith Bachmann aus dem Hause Banc of America rechnet mit daher mit weiteren Kostenkürzungen. Entsprechende Maßnahmen könnten im Juli oder August bekannt gegeben werden, glaubt der Analyst. Benchmark sei dabei die operative Gewinnmarge von Hewlett-Packard, die sich bei etwa acht Prozent bewege, so der Analyst weiter.

Eine weitere Konzentration auf das Kerngeschäft mit Servern könnte ebenfalls folgen. Sun-Mitgründer McNealy gestand im Rahmen eines Interviews nach seinen Rücktritt entsprechende Fehler ein: „Wir haben uns nicht richtig im Markt positioniert. Wir haben den Fokus vom Kunden von der Qualitäts- und der Serviceperspektive verloren“, gesteht der Sun-Chairman unumwunden ein. Jonathan Schwartz soll es nun richten. Zwei separate Datenzentren wurden Mitte April bereits zu einem Datencenter zusammengefasst. Im Februar rief Sun eine neue Geschäftseinheit ins Leben, welche sich insbesondere um die Belange von OEM-Hersteller kümmern soll. Ob man sich im Rahmen der Konzentration aufs Kerngeschäft auch von Randbereichen, wie dem Thin-Client Sun Ray oder dem Open Source-Softwarepaket StarOffice trennt, bleibt aber abzuwarten…

Kurzportrait

Die in Palo Alto/Kalifornien ansässige Sun Microsystems wurde im Jahre 1982 gegründet und brachte im gleichen Jahr die erste Workstation mit TCP/IP auf den Markt. Das Internet-Protokoll TCP/IP gilt als weltweiter Standard, wenn es um die Übertragung von Daten über das Internet geht. In den folgenden Jahren dehnte das Unternehmen seine Entwicklungen auf Netzwerktechnologien aus. Unter anderem gab das Unternehmen seine NFS-Technologie lizenzfrei aus. Gleichzeitig expandierte Sun auch im Ausland mit Niederlassungen in Europa und in Kanada.

Im Jahre 1986 folgte dann der Börsengang von Sun Microsystems, welcher außerordentlich erfolgreich verlief. Im gleichen Jahr eröffnete das Unternehmen weitere Niederlassungen in Asien und in Australien. Ein Jahr später avancierte Sun zum dominierenden Marktführer bei Workstations. Gleichzeitig legte das Unternehmen gemeinsam mit AT&T den Grundstein für das spätere Unix-System. Schon im Jahre 1987 befasste sich Sun Microsystems mit dem bis dato unbekannten Datennetz Internet. Mit der Computerarchitektur RISC und der eigenen Chip-Plattform SPARC feierte Sun in den folgenden Jahren weitere Erfolge. Bereits im Jahre 1991 stellte Sun sein Unix-Betriebssystem Solaris vor, das in der Fachwelt großen Anklang fand. Zuletzt stellte das Unternehmen mit Solaris 10, die neueste Version lizenzfrei zur Verfügung, welche das Hardware- und Servicegeschäft ankurbeln soll.

Im Jahre 1995 entwickelte das Unternehmen eine universelle Java-Plattform. Diese Technologie sollte auch die Entwicklung des weltweiten Datennetzes Internet noch maßgeblich beeinflussen, wobei heute mehr als zehn Mio. Programmierer weltweit Java-Applikationen entwickeln. Gleichzeitig verstärkte Sun in der Mitte der 90er Jahre seine Aktivitäten im Internet mit technischen Online-Support und weiteren Download-Angeboten.

Im Jahre 1996 stellte das Unternehmen mit der Workstation-Familie Sun Ultra eine neue Generation seiner erfolgreichen Workstation-Reihe vor, welche mit einem Multimedia-Prozessor UltraSparc bestückt ist. Ende der 90er Jahre versuchte Sun mit dem Netzwerk-Client Sun Ray weitere Maßstäbe zu setzen.

Im Jahr 2000 folgte die Übernahme von Cobalt Networks. Der Zukauf sollte den Bereich Server-Appliances in der Sun-Produktpalette weiter ergänzen. Im Jahr 2003 kaufte Sun den Java-Spezialisten Poxio und den US-Entwickler von System-Management-Lösungen CenterRun hinzu. In 2004 übernahm Sun den in Kalifornien ansässigen Spezialisten für Server-Technologien Kealia. Anfang 2005 kaufte Sun den US-Servicespezialisten SevenSpace. Nur wenige Monate später übernahm man den US-Softwarespezialisten SeeBeyond Technology für rund 387 Mio. Dollar. Im Speicherbereich verstärkte sich Sun mit der Übernahme von StorageTek für rund 4,1 Mrd. Dollar. Mitte 2005 schloss Sun dann schließlich die Übernahme des Open Source-Spezialisten Tarantella ab. Ende Februar 2006 folgte dann die Übernahme des Softwarespezialisten Aduva.

Zahlen

Für das vergangene dritte Fiskalquartal 2006 meldet Sun einen Umsatzanstieg auf 3,18 Mrd. US-Dollar, ein Zuwachs von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch kletterte auch der Nettoverlust auf 217 Mio. Dollar oder sechs US-Cent je Aktie, nach einem Minus von 28 Mio. Dollar oder einen US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Der Umsatzanstieg erklärt sich zum Teil durch die zuletzt getätigten Firmenzukäufe. Dennoch blieb Sun leicht hinter den Umsatzschätzungen des Marktes zurück. Analysten hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 3,21 Mrd. Dollar und mit einem Nettoverlust von sechs US-Cent je Aktie kalkuliert. Die Bruttomargen zogen im jüngsten Quartal allerdings auf 43 Prozent vom Umsatz an.

Insgesamt konnte Sun im jüngsten Quartal einen positiven Cashflow aus dem operativen Geschäft von 197 Mio. Dollar generieren, womit sich die liquiden Mittel zum Quartalsende auf 4,429 Mrd. Dollar summierten.

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