SAP bleibt seiner Strategie treu

Donnerstag, 5. Juli 2007 12:46
SAP Unternehmenslogo

(IT-Times) Das Image des deutschen Softwareherstellers SAP AG (NYSE: SAP, WKN: 716460) hat zuletzt leichter Kratzer erhalten. Die im Jahr 2005 übernommene Support-Firma TomorrowNow hat unerlaubter Weise Daten von der Oracle-Webseite geladen und für eigene Zwecke genutzt. Oracle sieht hier eine Verletzung von geistigen Eigentum und will den Zwischenfall möglichst breit in die Öffentlichkeit tragen, um den Walldorfer Softwarekonzern so durch die Hintertür Kunden abspenstig zu machen.

Zwar hat sich SAP für den Zwischenfall entschuldigt, gleichzeitig bekräftigten die Walldorfer, dass die Kampagne „Safe Passage“ weitergehen wird. Damit will SAP dem Rivalen Oracle aktiv Kunden abjagen, der in den letzten Jahren rund 25 Mrd. Dollar für Firmenzukäufe ausgegeben hat. Der Kampf um Marktanteile dürfte ohnehin nicht Übernacht im Gerichtssaal entschieden werden, sondern sich noch einige weitere Jahre fortsetzen. Und dies wohl eher zum Vorteil der Kunden, denn beide Firmen sind so gezwungen, ständig ihre Produkte zu verbessern und bestehende Kundschaft mit neuen Innovationen zu überzeugen.

Während Oracle nach wie vor auf seine bewährte Strategie großer Firmenzukäufe setzt und diese Strategie nach Aussagen von Oracle-Chef Larry Ellison auch in naher Zukunft nicht aufgeben wird, bevorzugt SAP eher kleine und gezielte Zukäufe. In Reaktion auf den 3,3 Mrd. Dollar schweren Zukauf von Oracle im Business Intelligence-Bereich, übernahm SAP Anfang Mai den Analysespezialisten OutlookSoft. Finanzielle Details wurden zwar nicht bekannt, jedoch geht Forrester Research Analyst Paul Hammerman davon aus, dass sich SAP die Verstärkung rund 200 Mio. Dollar kosten ließ. OutlookSoft betreut mit etwa 250 Mitarbeitern rund 700 Kunden weltweit.

In das gleiche Schema passt die Übernahme der beiden skandinavischen Firmen Wicom Communications und MaXware. Die Identity-Management-Software MaXwares soll in SAPs NetWeaver-Plattform integriert werden. Die IP-Telefonie-Software von Wicom soll hingegen das SAP-Kundenangebot allgemein weiter ergänzen.

Mit den jüngsten Zukäufen beweist SAP, dass sich die Walldorfer auch durch die offensiven Vorstöße der Amerikaner nicht aus dem Konzept bringen lassen, auch wenn Oracle damit zunächst Marktanteile zu gewinnen scheint. Viel wichtiger ist allerdings der Umstand, welches Strategiekonzept langfristig aufgeht - dies wird sich aber erst in den kommenden Quartalen bzw. Jahren zeigen.

Kurzportrait

Das im Jahre 1972 ins Leben gerufene und in Walldorf ansässige Softwarehaus SAP AG stieg insbesondere in den 80er und 90er Jahren zum weltweit führenden Anbieter im Bereich ERP-Software (Enterprise Resource Planning) auf.

Diese Unternehmenssoftware erlaubt es Firmenkunden wichtige Daten im Bezug auf Geschäftsprozesse, wie der Produktion, Buchhaltung, Personalverwaltung und Vertrieb innerhalb eines Unternehmens im Auge zu behalten und Geschäftsabläufe zu optimieren. Heute setzen bereits mehr als 21.000 Unternehmen in mehr als 120 Ländern weltweit auf Software aus dem Hause SAP.

Mit dem Einzug des Internet ergänzte auch SAP sein Produktangebot entsprechend und bietet neben seinem Internet-Portal mySAP.com mit der komplexen Softwarereihe mySAP Business Suite sowohl Lösungen rund um elektronische Beschaffungssysteme (Supply Chain Management) als auch Kundenmanagement (Customer Relationship Management) an.

Um die einzelnen Märkte, wie IT-Services und elektronische Beschaffungssysteme effektiv bearbeiten zu können, gründete SAP 1997 die Tochterfirma SAP SI. SAP SI wuchs in der Vergangenheit wiederum durch die Übernahme von Prescient Consulting. Später wurde SAP SI wieder in den Konzern rückintegriert. Anfang 2005 übernahm SAP den Softwaredienstleister TomorrowNow. Zudem kaufte SAP mit der kanadischen Triversity und der amerikanischen Khimetrics zwei weitere Softwarespezialisten. Im Frühjahr 2006 übernahm SAP zudem den Softwareanbieter Virsa Systems sowie den Softwarespezialisten Frictionless Commerce. Mitte 2006 wurde der Softwarespezialist Praxis Software übernommen. Im Frühjahr 2007 kaufte SAP den norwegischen Softwarehersteller MaXware sowie die finnische Wicom Communications. Im Bereich Business Intelligence verstärkte sich SAP durch die Übernahme von OutlookSoft.

Im Bereich elektronische Beschaffungssysteme gründete SAP gemeinsam mit Siemens, Bosch, INA, Continental AG und ZF Friedrichshafen das Joint-Venture SupplyOn AG. Während SAP acht Prozent an dem Unternehmen beteiligt ist, hält der Autozulieferer Bosch mit 30 Prozent den Löwenanteil an diesem Projekt.

Mit seiner neuesten Version von NetWeaver will sich SAP weitere Geschäftsmöglichkeiten im Integrationsmarkt und im Markt für Application-Server erschließen.

Zahlen

Für das vergangene erste Quartal 2007 meldete SAP einen Umsatzanstieg auf 2,2 Mrd. Euro, ein Zuwachs von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die für Softwarefirmen so wichtigen Lizenzerlöse zogen um zehn Prozent auf 563 Mio. Euro an, nach 514 Mio. Euro im Jahr vorher. Die Produkt-Erlöse kletterten um 9,4 Prozent auf 1,52 Mrd. Euro.

Der Gewinn zog im jüngsten Quartal um zehn Prozent 310 Mio. Euro an, nach einem Profit von 282 Mio. Euro im Jahr vorher. Analysten hatten im Vorfeld im Schnitt mit einem Plus von 309 Mio. Euro kalkuliert.

Meldung gespeichert unter: SAP

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