Palm will international Fuß fassen

Dienstag, 26. September 2006 00:00

(IT-Times) Die jüngsten Geschäftszahlen des Handheld-Spezialisten Palm (Nasdaq: PALM<PALM.NAS>, WKN: A0ETPB<PLV1.FSE>) lagen zwar über den Erwartungen der Analysten, allerdings warnte Palm bereits im Vorfeld vor schwächeren Erlösen im Zusammenhang mit einem schleppenden Absatz seines Flagschiffproduktes Treo. So viel die Reaktion auf die vorgelegten Geschäftszahlen eher verhalten aus.

Hoffen auf Microsoft und Vodafone

Durch eine Kooperation mit Microsoft und dem britischen Mobilfunker Vodafone soll sich die Absatzlage des Palm-Smartphones deutlich bessern. Der Treo 750v soll nunmehr internationale Märkte erobern, nachdem Palm in den USA bereits über eine starke Marktposition verfügt. Der Treo 750v setzt dabei nicht zuletzt auf Microsofts Windows Mobile 5.0 Betriebssystem, welches in Europa als die favorisierte Plattform gilt. Microsoft wird den neuen Treo speziell an seine Exchange Server 2003 Kunden vermarkten. Zusammen wollen Microsoft, Vodafone und Palm 30 Mio. Dollar in die Vermarktung des Treo 750v in Europa investieren, wie aus der Pressekonferenz des Unternehmens hervorgeht.

Palm-Europachef Roy Bedlow will den Marktanteil von Palm in Europa in den nächsten 12 Monaten verdoppeln. So soll Palms Marktanteil von fünf auf zehn Prozent steigen. Die Eröffnung eines neuen Engineering-Centers in Dublin soll diese Entwicklung unterstützen. Zudem kündigt Palm weitere Kooperationen an. Nachdem man im Jahr 2005 lediglich einen ODM-Partner (Original Design Manufactoring) hatte, waren es in 2006 schon zwei ODM-Partner. Im Jahr 2007 soll diese Zahl auf drei steigen.

Um die Komponenten- und Herstellungskosten weiter zu reduzieren, setzt Palm auch auf den Standort China. So will Palm demnächst ein neues Forschungs- und Entwicklungscenter in Schanghai in Betrieb nehmen, um ODM bzw. Design-Partner näher an sich binden zu können. Neben der Einführung des Treo 700WX und dem Treo 750v kündigt Palm ein viertes Smartphone an, das demnächst auf den Markt kommen soll. Palm geht davon aus, dass dieses Produkt dann bis Jahresende von mehr als 20 Carrier-Partnern weltweit angeboten wird.

Kurzportrait

Der PDA-Hersteller Palm, gegründet im Jahre 1992 und ansässig in Milpitas/Kalifornien, sieht sich als Pionier im Markt für Handheld-Computer. Bereits im Jahre 1995 wurde das viel versprechende Unternehmen vom Modem-Hersteller U.S. Robotics übernommen, welches seinerseits zwei Jahre später vom US-Netzwerkkonzern 3Com aufgekauft wurde. Mit der Übernahme von Smartcode Technologie im Februar 1999 wurde Palms gleichnamiges Betriebssystem entsprechend um drahtlose Kommunikationsfunktionen erweitert. Bereits im Jahre 1996 stellte das Unternehmen mit dem Pilot 1000 und Pilot 5000 die ersten Personal Digital Assistants (PDAs) vor, welche heute als Meilenstein in der Geschichte des Handheld-Computing gelten. Insgesamt lieferte das Unternehmen seit seiner Gründung mehr als 30 Mio. PDA-Computer aus.

Im Jahre 2000 gliederte 3Com die Einheit Palm als eigenständiges Unternehmen aus und führte den PDA-Hersteller an die Nasdaq. Mit der Übernahme von Actual Software im Juni 2000 erweiterte Palm seine Handhelds um Email-Funktionen, welche dem Handheld-Computer insgesamt zum Kommunikationsinstrument Nummer eins neben dem Mobilfunktelefon etablieren soll. Ein Jahr später erfolgte die Übernahme von peanutpress.com, aus welcher anschließend die Einheit Palm Digital Media und der Palm Reader hervorging. Im Jahr 2003 wurde das Unternehmen in zwei wesentliche Geschäftsbereiche umstrukturiert. Die Einheit PalmSource soll zusätzliche, separate Lösungen rund um das Palm-Betriebssystem entwickeln, während sich die Einheit Palm um die Weiterentwicklung und die Vermarktung der Hardware konzentrieren soll. Mit der Übernahme von HandSpring folgte gleichzeitig eine Ausgliederung der Softwareeinheit. Dies wurde im Jahr 2003 vollzogen. Die Hardwareeinheit Palm konzentriert sich nunmehr primär um die Weiterentwicklung der Hardware, während die Softwareeinheit PalmSource, das PDA-Betriebssystem Palm OS weiterentwickelt.

Zusätzliche Funktionen und Datenbanken können über das Internet-Portal MyPalm geladen werden. Über sein Internet-Portal bietet das Unternehmen auch einen Support für seine Geräte an. Hierfür entwickelt die Palm Economy, eine Community bestehend aus mehr als 200.000 registrierten Palm-Lizenznehmern, entsprechende Anwendungen und Funktionen für die Palm-Plattform.

Zahlen

Für das vergangene erste Fiskalquartal 2007 meldet Palm einen Umsatzanstieg auf 355,8 Mio. Dollar, ein Zuwachs von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. 76 Prozent der Einnahmen wurden über den Verkauf von Smartphones erzielt, während Handheld-Produkte 24 Prozent der Einnahmen beisteuerten. Der Smartphone-Umsatz summierte sich im jüngsten Quartal auf 268,8 Mio. Dollar, ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wobei Palm insgesamt 550.000 Smartphones zur Auslieferung brachte. Der Handheld-Umsatz schwand hingegen um 24 Prozent auf 87 Mio. Dollar, wobei insgesamt 434.000 Handhelds ausgeliefert wurden.

Der Gewinn schwand dabei zunächst auf 16,5 Mio. Dollar oder 16 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 18,2 Mio. Dollar oder 18 US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen in Form von Aktienkompensationskosten ergibt sich für das zurückliegende Quartal ein operativer Gewinn von 21,5 Mio. Dollar oder 21 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 13,7 Mio. Dollar oder 13 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

An der Wall Street hatte man im Vorfeld mit Einnahmen von 354,4 Mio. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 18 US-Cent je Aktie kalkuliert. Gleichzeitig gab der Palm-Aufsichtsrat grünes Licht für ein 250 Mio. Dollar umfassendes Aktienrückkaufprogramm.

Markt und Wettbewerb

Palm steht nach der Übernahme des Rivalen Handspring zwar weiter mit an der Spitze des Smartphone-Marktes, doch sieht sich das Unternehmen zunehmender Konkurrenz von Hewlett-Packard, Microsoft, Nokia und vor allem Research In Motion (RIM) gegenüber.

Doch nicht zuletzt Microsoft konnte vor allem mit seinem PDA-Betriebssystem Pocket PC Marktanteile zu Lasten von PalmSource gewinnen. Nachdem PalmSource in der Vergangenheit noch etwa 90 Prozent des Softwaremarktes mit seinem Palm OS kontrollierte, wurden im zweiten Quartal 2005 erstmals mehr PDAs mit dem Microsoft-Betriebssystem ausgeliefert, als mit dem Palm OS.

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