Palm: Wettbewerb wird härter

Dienstag, 3. Juli 2007 00:00

(IT-Times) Obwohl der amerikanische Handheld-Spezialist Palm (Nasdaq: PALM, WKN: A0ETPB) im jüngsten Quartal um 43 Prozent mehr Treo-Smartphones verkaufen konnte, brach der Gewinn ebenfalls um 43 Prozent ein.

Das Unternehmen leidet nach wie vor an dem schwächelnden PDA-Geschäft und dem zunehmenden Wettbewerb. Zwar steuerte das wachsende Smartphone-Geschäft inzwischen 80 Prozent der Einnahmen bei, doch im PDA-Geschäft ist Palm nach wie vor Marktführer. Was sich zunächst gut anhört, ist im Prinzip auch das Problem des Unternehmens. Im boomenden US-Smartphone-Markt wird Palm nur ein Marktanteil von 18 Prozent zugeschrieben, während der Wettbewerber Research In Motion diesen Markt mit seiner BlackBerry-Reihe mit 45 Prozent kontrolliert.

Und der Wettbewerb dürfte sich noch weiter verschärfen, nachdem Apple mit seinem iPhone das Handtuch in den Ring geworfen hat. Während sich bereits Motorola mit seiner Moto Q Smartphone-Reihe bereits einen Marktanteil von 12 Prozent (Quelle: IDC) sichern konnte, hofft Palm, mit neuen Ideen und Produkten im Wettbewerb zu bestehen.

Palm holt sich Verstärkung an Board

Hierfür hat sich Palm mit Elevation Partners einen Investor an Board geholt, der mit 325 Mio. Dollar beim Smartphone-Spezialisten eingestiegen ist. Doch Elevation Partners soll nicht nur für finanzielle Unterstützung sorgen, sondern mit neuen Ideen und den beiden ehemaligen Apple-Managern Fred Anderson und Jon Rubinstein Palm auf die Sprünge helfen. Rubinstein war zuvor für die iPod-Division bei Apple verantwortlich und soll nunmehr seine Fähigkeiten bei Palm als Executive Chairman einbringen.

Anderson, der nunmehr im Palm-Verwaltungsrat sitzt, sieht den Smartphone-Spezialisten in einer besseren Verfassung als Apple vor einem Jahrzehnt war. Apple schrieb damals rote Zahlen und der PC-Markt stagnierte, während Palm finanziell gesund sei und der Smartphone-Markt enorme Wachstumsmöglichkeiten biete, meint der ehemalige Apple-Manager.

Doch Apple hat die Latte mit seinem iPhone sehr hoch gelegt. Zwar versucht Palm derzeit mit seinem Mini-Laptop Foleo dagegen zu halten, doch das Gerät bekam in der Fachpresse recht unterschiedliche Noten, wobei der Medienrummel im Gegensatz zum iPhone fast völlig ausblieb. Dennoch spricht Palm von einem sehr starken Interesse von Seiten der Kunden. Ob Palm mit der Innovationsfähigkeit und mit dem vorgelegten Tempo von Apple & Co mithalten kann, wird sich im Weihnachtsgeschäft zeigen. Spätestens dann muss Palm und das neue Management seine Innovationskraft mit neuen Produkten beweisen, um im Schatten des iPhones & Co nicht in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

Kurzportrait

Der PDA-Hersteller Palm, gegründet im Jahre 1992 und ansässig in Milpitas/Kalifornien, sieht sich als Pionier im Markt für Handheld-Computer. Bereits im Jahre 1995 wurde das Unternehmen vom Modem-Hersteller U.S. Robotics übernommen, welches seinerseits zwei Jahre später vom US-Netzwerkkonzern 3Com aufgekauft wurde. Mit der Übernahme von Smartcode Technologie im Februar 1999 wurde Palms gleichnamiges Betriebssystem entsprechend um drahtlose Kommunikationsfunktionen erweitert. Bereits im Jahre 1996 stellte das Unternehmen mit dem Pilot 1000 und Pilot 5000 die ersten Personal Digital Assistants (PDAs) vor, welche heute als Meilenstein in der Geschichte des Handheld-Computing gelten. Insgesamt lieferte das Unternehmen seit seiner Gründung mehr als 40 Mio. PDA-Computer aus.

Im Jahre 2000 gliederte 3Com die Einheit Palm als eigenständiges Unternehmen aus und führte den PDA-Hersteller an die Nasdaq. Mit der Übernahme von Actual Software im Juni 2000 erweiterte Palm seine Handhelds um Email-Funktionen. Ein Jahr später erfolgte die Übernahme von peanutpress.com, aus welcher anschließend die Einheit Palm Digital Media und der Palm Reader hervorging. Im Jahr 2003 wurde das Unternehmen in zwei wesentliche Geschäftsbereiche umstrukturiert. Die Einheit PalmSource soll zusätzliche, separate Lösungen rund um das Palm-Betriebssystem entwickeln, während sich die Einheit Palm um die Weiterentwicklung und die Vermarktung der Hardware konzentrieren soll. Mit der Übernahme von HandSpring folgte gleichzeitig eine Ausgliederung der Softwareeinheit. Dies wurde im Jahr 2003 vollzogen. Die Hardwareeinheit Palm konzentriert sich seither primär um die Weiterentwicklung der Hardware, während die Softwareeinheit PalmSource, das PDA-Betriebssystem Palm OS weiterentwickelt. Seit geraumer Zeit hat Palm einen Strategiewechsel vollzogen und setzt vermehrt auf Smartphones wie seine Treo-Produktlinie. Das Smartphone-Geschäft trug zuletzt den Großteil der Palm-Umsätze. Im Frühjahr 2007 holte sich Palm mit der Private Equity Gesellschaft Elevation Partners einen Investor an Board. Elevation Partners erwarb für 325 Mio. Dollar eine 25%ige Beteiligung an Palm.

Zusätzliche Funktionen und Datenbanken können über das Internet-Portal MyPalm geladen werden. Über sein Internet-Portal bietet das Unternehmen auch einen Support für seine Geräte an. Hierfür entwickelt die Palm Economy, eine Community bestehend aus mehr als 250.000 registrierten Palm-Lizenznehmern, entsprechende Anwendungen und Funktionen für die Palm-Plattform.

Zahlen

Für das vergangene Maiquartal meldet Palm einen Umsatzrückgang auf 401,3 Mio. Dollar, nach Einnahmen von 403,1 Mio. Dollar im Jahr vorher. Der Gewinn brach dagegen um 43 Prozent auf 15,4 Mio. Dollar oder 15 US-Cent je Aktie ein, nach einem Plus von 27,2 Mio. Dollar oder 25 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen in Form von Aktienoptionskosten ergibt sich für das jüngste Quartal ein Nettogewinn von 17,8 Mio. Dollar oder 17 US-Cent je Aktie, nach einem operativen Plus von 30,6 Mio. Dollar oder 29 US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Analysten hatten diesbezüglich mit Einnahmen von 406,5 Mio. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 14,43 Mio. Dollar oder 15 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Palm verkaufte eigenen Angaben zufolge 750.000 Treos im jüngsten Quartal, was einem Plus von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Smartphone-Geschäft konnte Palm damit einen Umsatz von 344,2 Mio. Dollar generieren, ein Zuwachs von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Jedoch stiegen auch die Kosten entsprechend deutlich an. Während die Verwaltungs- und allgemeinen Kosten von 0,2 Mio. Dollar auf 1,53 Mio. Dollar kletterten, gab das Unternehmen 2,1 Mio. Dollar für Forschung und Entwicklung aus.

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