Microsoft stagniert

Dienstag, 23. September 2008 12:57
Microsoft Unternehmenslogo

(IT-Times) Der weltweit größte Softwarekonzern Microsoft (Nasdaq: MSFT, WKN: 870747) will sein üppiges Bankkonto nachdem gescheiterten Übernahmeversuch von Yahoo weiter für Aktienrückkäufe nutzen. Rund 40 Mrd. Dollar will das Redmonder Softwarehaus bis Ende September 2013 in den Rückkauf eigener Aktien investieren.

Angesichts der aktuellen Börsenschwäche erscheint diese Maßnahme zunächst sinnvoll - vor allem für die Aktionäre. Doch zeigt die Aktion auch die Ideenlosigkeit des Managements und den Mangel an interessanten Alternativen für das angehäufte Kapital. Zwar verstärkte sich Microsoft zuletzt durch die Übernahme des Verbraucherportals Ciao.com für 486 Mio. Dollar, doch der ganz große Wurf blieb nach dem Yahoo-Debakel aus. Vielmehr verliert Microsoft weiterhin Marktanteile im Suchmaschinenmarkt gegen Google, ohne Aussicht auf Besserung.

Kampf um mobiles Web bereits verloren?
Ganz im Gegenteil. Auch im Browser-Markt muss man sich jetzt gegen Google und dessen Web-Browser Chrome erwehren, auch wenn man hier noch über dominante Marktstellung verfügt. An anderer Stelle hingegen scheint sich die Vormachtstellung von Microsoft dem Ende zu neigen: Im Markt für mobile Betriebssysteme beherrschten Windows Mobile und vor allem Symbian den Markt. Im vergangenen zweiten Quartal 2008 ist die kanadische RIM im Smartphone-Markt mit seinem BlackBerry OS Betriebssystem an Microsoft vorbeigezogen. Die Marktforscher des Hauses Gartner schreiben dem BlackBerry OS inzwischen einen Marktanteil von 17,4 Prozent zu, während Windows Mobile hier nur auf einen Marktanteil von 12 Prozent kommt.

Und schon droht im Mobilfunkbereich der nächste Rückschlag. Nicht nur, dass Apple mit seinem iPhone weiter aufholt, auch Google bringt im Herbst sein offenes Betriebssystem Android an den Start, womit Windows Mobile weiter unter Druck gerät. Microsoft droht damit nicht nur im traditionellen Web, sondern auch im mobilen Internet die Stagnation.

Strategie der aggressiven Preise
Auch im Konsolengeschäft ging es zuletzt nicht so recht voran. Daher entschied man sich bei Microsoft für einen radikalen Schnitt, um die Nachfrage anzukurbeln. Nicht nur in Japan und den USA senkte man die Preise für die Xbox 360 deutlich, sondern zuletzt auch in Europa. Damit ist die Microsoft-Konsole derzeit die günstigste Konsole am Markt, wobei man gleichzeitig mit der Xbox 360 Arcade nunmehr an der ominösen 200 Dollar Preismarke kratzt, die zum Einstieg zum Massenmarkt gesehen wird. Doch der Preisvorteil könnte nur von kurzfristiger Dauer sein. Schon machen erste Gerüchte die Runde, wonach Nintendo nachziehen wird und den Preis für seine Nintendo Wii ebenfalls senken wird.

Aber nicht nur im Konsolenmarkt setzt Microsoft auf die Strategie der aggressiven Preise. Auch im Markt für Virtualisierungssoftware setzt das Unternehmen Wettbewerber wie VMware mit seiner kostenlosen Virtualisierungssoftware Hyper-V unter Druck. Auch bei Bürosoftware schlägt Microsoft eine andere Gangart ein und will durch aggressive Preissenkungen nicht nur die Konkurrenz, sondern auch die Raubkopierer ausbremsen. Dies gilt vor allem in China, einem Land, in dem Raubkopien an der Tagesordnung sind. So kündigte Microsoft heute an, dass die Preise für Office 2007 Home und die Studenten-Version in China von zuvor 699 Yuan (102 Dollar) auf 199 Yuan (29 Dollar) sinken werden…

Kurzportrait

In den 80er und 90er Jahren gelang dem Softwarespezialisten Microsoft der Aufstieg zum weltweit größten Softwarehersteller. Mit seinem Windows Betriebssystem eroberte das Unternehmen schnell die Schreibtischbüros in den Firmen als auch bei den Privatanwendern. Mit Vista schickte Microsoft in 2007 seine neueste Betriebssystemgeneration ins Rennen. Das Kerngeschäft bildet heute der Bereich Desktop- und Client-Systeme, worunter populäre Anwendungen wie Microsoft Office fallen, sowie der Geschäftsbereich rund um die bekannte Windows-Plattform. Aber auch andere Geschäftsbereiche, wie das wachstumsstarke Server-Geschäft tragen inzwischen zum Unternehmensgewinn bei. Auch die Entertainment und Devices-Einheit, in der unter anderem das Xbox-Geschäft zusammengefasst ist, erreichte zuletzt die Gewinnzone.

Daneben betreibt das Unternehmen noch den Internetzugangs- und Nachrichtendienst MSN, der inzwischen schwarze Zahlen schreibt. Durch das gemeinsam mit Accenture gegründete Joint Venture Avanade versucht Microsoft im Bereich IT-Services Fuß zu fassen. Mit der Übernahme von Great Plains Software will Microsoft daneben kleinere und mittlere Unternehmen ansprechen. Gleichzeitig stieg Microsoft mit der Marke Zune und dem gleichnamigen Musikdienst in den Markt für MP3-Player ein.

Nach der Übernahme der dänischen Navision, kaufte Microsoft das Startup XDegrees. Zudem wurde der Webkonferenzanbieter PlaceWare übernommen. Im Jahr 2005 folgte die Übernahme von Groove Networks und MessageCast. Mitte 2005 schloss Microsoft die Übernahme des Sicherheitsspezialisten Sybari Software ab. Zum Ende des Jahres 2005 verstärkte sich Microsoft mit der Übernahme des Management-Spezialisten UMC. Auch im Jahr 2006 blieb Microsoft weiter auf Einkaufstour und schluckte den britischen Foto-Katalogsoftwareanbieter iView Multimedia sowie den Windows-Spezialisten Winternals Software. Ebenfalls übernommen wurde der Ingame-Werbespezialist Massive. Mitte 2007 schloss Microsoft die Übernahme des Web- und Marketing-Spezialisten aQuantive ab. Gleichzeitig wurden mit der Werbebörse AdECN, dem Softwareanbieter Engyro und dem Shopping-Dienst Jellyfish.com weitere Firmen hinzugekauft. Anfang 2008 schluckte Microsoft den norwegischen Suchmaschinenspezialisten Fast Search & Transfer. Später wurde der Datenspeicherspezialist DATAllegro übernommen. Im Herbst 2008 folgte die Übernahme des Verbraucherportals Ciao.com.

Gemeinsam mit dem TV-Sender NBC betreibt Microsoft den Nachrichtenkanal MSNBC.

Seit mehreren Jahren engagiert sich Microsoft auch im Konsolengeschäft (Xbox). Mit seiner neuen Konsolen-Generation Xbox 360 will Microsoft dem Platzhirschen Sony vom Thron stoßen. Unternehmensmitgründer Bill Gates zog sich zwar als Unternehmenschef zurück, hält aber nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an Microsoft.

Zahlen

Für das vergangene Juniquartal meldet Microsoft einen Umsatzanstieg auf 15,8 Mrd. US-Dollar, ein Zuwachs von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn kletterte dabei um 42 Prozent auf 4,3 Mrd. Dollar oder 46 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 3,0 Mrd. Dollar oder 31 US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Analysten hatten im Vorfeld allerdings mit einem Plus von 47 US-Cent je Aktie gerechnet.

Insgesamt profitierte Microsoft auch durch den schwachen US-Dollar. Ohne Währungseinflüsse hätte sich lediglich ein Umsatzplus von 14 Prozent ergeben, heißt es bei Microsoft. Die Division, welche für das Windows-Geschäft verantwortlich zeichnet, konnte einen Gewinnzuwachs von 16 Prozent auf 3,22 Mrd. Dollar melden. Allein im jüngsten Quartal verkaufte Microsoft eigenen Angaben zufolge 40 Mio. Vista-Lizenzen. Inzwischen wurden damit seit Markteinführung im Januar 2007 mehr als 180 Mio. Vista-Kopien abgesetzt.

Der Geschäftsbereich rund um die Bürosoftware Office konnte ebenfalls steigende Gewinne melden. In diesem Geschäftsbereich zogen die Gewinne um 12 Prozent auf 3,34 Mrd. Dollar an. Die Spieledivision rund um die Konsole Xbox 360 verlor zwar im jüngsten Quartal erneut Geld, konnte das gesamte Fiskaljahr jedoch in den schwarzen Zahlen beenden. Die Online-Division blieb ebenfalls in den roten Zahlen und musste einen Verlust von 488 Mio. Dollar ausweisen - mehr als doppelt soviel wie im Jahr vorher.

Markt und Wettbewerb

Meldung gespeichert unter: Microsoft

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