Lenovo greift nach der Krone im PC-Markt - Expansion in Lateinamerika

Donnerstag, 6. September 2012 14:03
Lenovo Unternehmenslogo

(IT-Times) - Der chinesische Computerbauer Lenovo Group geht in die Offensive. Am Vortag haben die Chinesen die Übernahme des brasilianischen PC- und Elektronikherstellers CCE bekannt gegeben. CCE gilt mit seinen Marken Digibras, Digiboard und Dual Mix als der führende PC-Herstellers in Brasilien.

Die Verstärkung lässt sich Lenovo (WKN: 894983) 300 Mio. Reais bzw. 148 Mio. US-Dollar in bar und in Aktien kosten. In den nächsten Jahren bis Dezember 2016 sollen noch weitere Meilensteinzahlungen von zusätzlich 400 Mio. Reais fließen, wenn die übernommene Gesellschaft in den nächsten vier Jahren bestimmte Geschäftsziele erreicht, heißt es.

Akquisition verdoppelt Lenovos Marktanteil in Brasilien
Mit der Akquisition kann Lenovo seinen Marktanteil im schnell wachsenden brasilianischen PC-Markt verdoppeln. Damit rücken die Chinesen von Platz sieben auf Platz drei im brasilianischen PC-Markt vor. Gleichzeitig kann Lenovo durch die Übernahme auch seine Herstellungskapazitäten in Lateinamerika deutlich erweitern, da die CCE-Gruppe insgesamt sieben Fabriken in ganz Brasilien betreibt.

CCE baut aber nicht nur PCs, sondern auch Mobiltelefone und Fernsehgeräte, wodurch Lenovo mit diesem Schachzug gleichzeitig auch sein Produktportfolio erweitert. Um in Lateinamerika langfristig erfolgreich zu sein, ist eine lokale Produktion erforderlich, so Lenovo Finanzchef Waiming Wong im Interview mit Reuters. Lenovo geht davon aus, dass die Übernahme im ersten Quartal 2013 abgeschlossen werden kann.

Insgesamt will Lenovo in den nächsten fünf Jahren 100 Mio. US-Dollar in Forschung und Entwicklung in Brasilien investieren. Auch ein Bau einer neuen Fabrik (Kosten: 30 Mio. Dollar) ist in Brasilien geplant. Zwar erzielt Lenovo nach wie vor 42 Prozent seines Umsatzes in China, doch der brasilianische Markt ist äußerst vielversprechend.

Milliardenmarkt Brasilien: Geschäft mit Smartphones und Tablets boomt
Bei Lenovo schätzt man den brasilianischen Markt für PCs, Smartphones, Tablets und SmartTVs auf 142 Mrd. US-Dollar. Eine große Chance für die Chinesen, zumal Lenovo bereits heute schon dick im Geschäft ist. Das Geschäft in der entsprechenden Division, die auch das Brasilien-Geschäft um fasst, war im jüngsten Quartal um 72 Prozent auf 1,72 Mrd. Dollar gewachsen.

Man sei in Schwellenmärkten bereits die Nummer eins, bei Lenovo ist man aher zuversichtlich, den Erfolg auch in Brasilien wiederholen zu können. Das CCE-Management soll weiter an Bord bleiben und dafür sorgen, dass der Wachstumskurs fortgesetzt wird. CCE hat seinen Umsatz in 2011 auf 1,6 Mrd. Reais (788 Mio. Dollar) steigern können und dabei 774.000 PCs produziert. In 2012 sollen 887.000 PCs vom Band laufen, so die Pläne.

HP vor Ablösung als weltgrößter PC-Hersteller
Mit dem neuen Vorstoß dürften wohl die Tage von Hewlett-Packard (HP) als weltgrößter PC-Hersteller gezählt sein. HP kam im zweiten Quartal 2012 auf einen Marktanteil von 14,9 Prozent im weltweiten PC-Markt, dicht gefolgt von Lenovo mit einem Weltmarktanteil von 14,7 Prozent.

Es dürfte damit nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Chinesen die Amerikaner vom Spitzenplatz verdrängt haben, zumal Lenovo auch im Tablet-PC-Markt (IdeaPad) deutlich besser dasteht, als der Rivale aus den USA.

Kurzportrait

Die in Beijing ansässige Lenovo Group wurde ursprünglich von elf Ingenieuren im Jahre 1984 gegründet. Zuvor firmierte das Unternehmen unter dem Namen Legend Group bzw. New Technology Developer Incorporated.

Heute ist Lenovo der größte PC-Hersteller Chinas und bietet nicht nur Desktop- und Laptop-Produkte, sondern auch Server- und Handheld-Rechner an. Zum Produktangebot zählen unter anderem die Lenovo ThinCentre Desktop-Rechner, als auch die ThinkPad Laptop-Reihe und Tablet-PCs (LePad). Ergänzt werden diese durch die Laptop- bzw. Netbook-Marke IdeaPad und die Lenovo 3000 C, N und V Serien. Daneben bietet Lenovo aber auch Workstations (Lenovo ThinkStation) an. Auch LCD- und CRT-Monitore gehören zum Produktangebot von Lenovo, wobei das Unternehmen aber auch ThinkVision-Projektoren vermarktet. Nachdem Lenovo kurzzeitig aus dem Mobilfunkmarkt ausgestiegen war, hat sich das Unternehmen inzwischen wieder mit eigenen Smartphone-Modellen am Markt vorgewagt.

Bereits im Jahr 2005 verstärkte sich das Unternehmen durch die Übernahme der PC-Sparte von IBM. Insgesamt bezahlte Lenovo 1,27 Mrd. Dollar für die IBM-Einheit, wodurch das Unternehmen zu einem internationalen Player aufstieg. Gleichzeitig bietet Lenovo auch IT-Services an. Ende 2009 gab Lenovo bekannt, seine Mobilfunksparte Lenovo Mobile für 200 Mio. US-Dollar zurückkaufen zu wollen. Im März 2008 hatte sich Lenovo von dieser Sparte getrennt. In 2011 schluckte Lenovo den deutschen Aldi-Zulieferer Medion für 629 Mio. Euro. Um das PC-Geschäft in Japan zu erschließen gründete das Unternehmen in 2011 ein Joint Venture mit der japanischen Lenovo, an dem die Chinesen 51 Prozent der Anteile halten. Im Herbst 2012 übernahm Lenovo den brasilianischen PC-Hersteller CCE (Digibras) für knapp 150 Mio. Dollar.

Während Lenovo in China mit der Digital China Holdings in Sachen Vertrieb zusammenarbeitet, bauen die Chinesen ihr internationales Geschäft weiter aus. Mit weiteren Niederlassungen in USA, Indien und Deutschland ist Lenovo bereits in weiteren Märkten präsent. Darüber hinaus will Lenovo verstärkt in Schwellenmärkten wie in Indien aber auch im Mittleren Osten und Brasilien Fuß fassen.

Zuletzt war die chinesische Regierung mit einer Minderheitsbeteiligung der größte Einzelaktionär der Gesellschaft, nachdem der US-Technologiekonzern IBM in den vergangenen Jahren Zug um Zug Lenovo-Anteile verkauft hat.

Zahlen

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