IT-Servicemarkt vor Konsolidierungswelle - Accenture unter Zugzwang?

Mittwoch, 7. Oktober 2009 12:54
Accenture

(IT-Times) - Nach einer Übernahmewelle im IT-Servicesektor stehen die entsprechenden Unternehmen, die in diesem Marktbereich agieren, wieder im Mittelpunkt. Nachdem IBM vor Jahren bereits PriceWaterhouseCoopers gekauft hatte, zog Hewlett-Packard (HP) nach und schluckte den bis dato zweitgrößten IT-Servicespezialisten EDS. In diesem Jahr sorgten der HP-Rivale Dell durch den Milliardenzukauf von Perot Systems sowie Xerox durch die Übernahme von ACS für Schlagzeilen.

Marktbeobachter wie Kaufman Bros Analyst Karl Keirstead sehen den IT-Servicemarkt bereits inmitten einer weiteren Konsolidierungswelle. Allerdings glaubt Keirstead nicht, dass der IT-Outsourcer und -Berater Accenture (NYSE: ACN, WKN: 795335) Opfer dieser Konsolidierungsphase wird. Accenture gilt mit einer Marktkapitalisierung von 28 Mrd. US-Dollar schlichtweg als zu groß bzw. zu teuer. Allerdings sei nicht ausgeschlossen, dass Technologiegiganten wie IBM und Cisco Systems einen Versuch starten, um das Unternehmen dennoch zu übernehmen.

Accenture bei IT-Beratung bereits die Nummer eins
Hintergrund ist die herausragende Stellung von Accenture in bestimmten IT-Servicebereichen. Im Bereich IT-Beratung ist Accenture bereits heute die Nummer eins, weiß Kaufman-Analyst Keirstead. Zudem ist das Unternehmen ein Top-Player wenn es um die Betreuung von Back-Office-Aufgaben und Business Process Outsourcing geht, so Keirstead weiter.

Keirstead hält Accenture stark genug, um selbst als Aufkäufer auf dem Markt aufzutreten. Die Kriegskasse ist mit Barreserven von 4,5 Mrd. US-Dollar prall gefüllt. Zudem erwirtschaftete Accenture im jüngsten Quartal einen positiven Cashflow in Höhe von über einer Mrd. US-Dollar, was sich auch in den nächsten Quartalen fortsetzen dürfte, sollte die Konjunkturlage stabil bleiben.

Wagt Accenture den nächsten Schritt?
Damit sollte Accenture genügend Spielraum für kleinere bzw. mittelgroße Zukäufe zur Verfügung stehen. So werden bereits IT-Spezialisten und Softwarefirmen wie Informatica und Tibco Software sowie Fortify Software als mögliche Übernahmekandidaten für Accenture gehandelt. Während Informatica zuletzt selbst als Aufkäufer auftrat und den Spezialisten AddressDoctor übernahm, gehört Fortify Software zu den Krisengewinnern. Das Unternehmen ist nicht nur Marktführer im Bereich Software Security Assurance, Fortify konnte auch seinen Umsatz im vergangenen zweiten Quartal 2009 trotz Krise um satte 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern.

Da das Thema IT-Sicherheit neben Kostensenkungen auch für Unternehmen eine immer wichtigere Rolle spielt, könnte sich Accenture mit einem geschickten Schachzug in diesem Marktbereich schnell einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Dies scheint auch auf den ersten Blick zwar nicht unbedingt notwendig, doch insbesondere die Konkurrenz aus Indien (Infosys, Wipro) wächst derzeit nicht nur schneller, sondern erwirtschaftet auch höhere Gewinnmargen und ist damit deutlich profitabler…

Kurzportrait

Die im Jahre 1989 gegründete und auf den Bermudas und in New York ansässige Accenture Ltd. beschäftigte sich ursprünglich als Technologieberater und Systemintegrator. Heute bietet das Unternehmen eine vollständige Produktpalette von Management-Beratung über komplexe Outsourcing-Services an.

Insgesamt operiert Accenture aus fünf Geschäftsbereichen heraus: Communications und High-Tech, Financial Services, Produkte und Services, sowie Resources und Government. Während die Einheit Communications und Hightech vor allem Netzwerk-, E-Commerce-, CRM- und Beschaffungslösungen anbietet, befasst sich der Bereich Financial Services mit Outsourcing-Strategien und CRM-Initiativen. Das Segment Produkte und Services umfasst die Bereiche Automatisierungslösungen, sowie Industrie-, Pharma- und Medizintechniklösungen. Aber auch die Geschäfte mit der Logistik- und Touristikindustrie werden über diese Geschäftseinheit abgewickelt, die daneben auch Produkt-Design, Integrations- und Outsourcing-Aufgaben übernimmt und realisiert. Der Resources-Bereich deckt hingegen das Geschäft mit der Energie- und Metallindustrie sowie der Forstwirtschaft ab. Der Geschäftsbereich Government betreut im Wesentlichen Kunden aus dem öffentlichen Dienst (Städte, Justizbehörden etc.) in Sachen Outsourcing. Mitte 2009 rief Accenture mit Health & Public Service eine neue Einheit ins Leben, um Kunden aus dem öffentlichen Dienst und dem Gesundheitssektor besser betreuen zu können.

Mitte 2005 verstärkte sich Accenture durch die Übernahme von Capgeminis North American Health-Geschäft. Mitte Dezember übernahm Accenture den Marketing-Spezialisten Media Audits. Im Frühjahr schloss Accenture die Übernahme des IT-Spezialisten Pecaso ab. Mitte 2006 folgte die Akquisition des Finanztechnikanbieters Random Walk Computing. Anschließend wurden mit Digiplug SAS, George Group, Corliant, MAXIM Systems, Gestalt und Maxamine weitere Firmen übernommen. In 2008 kaufte Accenture die Spezialisten SOPIA Corporation, Origin Digital, sowie ATAN als auch Vermögenswerte der AddVal Technology.

Die Kunden der Gesellschaft kommen aus mehr als 18 Industriegruppen. So arbeitet das Unternehmen mit 84 der Fortune Global 100 Unternehmen zusammen, wobei Accenture unter anderem die British Airways, Microsoft und T-Mobile zu seinem Kundenkreis zählt.

Insgesamt ist das Unternehmen mit mehr als 110.000 Mitarbeitern und mit 100 Büros in mehr als 50 Ländern weltweit präsent. Allein 30.000 Mitarbeiter beschäftigt Accenture in Indien. Accenture-Partnerfirmen halten inzwischen beträchtliche Anteile an dem Unternehmen und kontrollieren rund 35 Prozent der Accenture-Stimmrechte.

Zahlen

Für das vergangene Augustquartal meldete Accenture einen Umsatzrückgang um 14 Prozent auf 5,15 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 6,0 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Der Gewinn brach dabei zunächst um 41 Prozent auf 254,7 Mio. Dollar oder 39 US-Cent je Aktie ein, nachdem Accenture im Jahr vorher noch einen Profit von 434,8 Mio. Dollar oder 67 US-Cent je Anteil verbuchen konnte.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen in Höhe von 253 Mio. Dollar oder 24 US-Cent je Aktie konnte Accenture einen Nettogewinn von 63 US-Cent je Aktie erwirtschaften und damit die Analystenerwartungen punktgenau erfüllen. Diese hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 5,44 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 63 US-Cent je Anteil gerechnet.

Im Consulting-Geschäftsbereich schrumpften die Erlöse bei Accenture um 19 Prozent auf 2,91 Mrd. Dollar, während die Outsourcing-Erlöse im jüngsten Quartal um sieben Prozent auf 2,23 Mrd. Dollar zurückgingen.

Meldung gespeichert unter: Accenture

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