Infineon wieder im Aufwind

Freitag, 22. Juni 2007 00:00

(IT-Times) Trotz sinkender DRAM-Preise sehen die Marktforscher aus dem Hause iSuppli weiteres Wachstum für die weltweite Chip-Branche. Während sich der Branchenverband SIA zuletzt eher zurückhaltend äußerte, erwartet iSuppli in diesem Jahr einen Zuwachs von 6,0 Prozent auf 276,6 Mrd. US-Dollar. Im nachfolgenden Jahr 2008 soll das Marktvolumen dann um 8,8 Prozent wachsen. Auch für die nachfolgenden Jahre erwarten iSuppli keinen Rückgang, sondern rechnet mit Wachstumsraten von 8,8 Prozent für das nächste Jahr, sowie mit einem Plus von 2,7 Prozent in 2009 und 8,5 Prozent in 2010.

Diese Prognosen dürften insbesondere dem deutschen Halbleiterspezialisten Infineon Technologies (NYSE: IFX, WKN: 623100) neuen Auftrieb geben, der zuletzt unter sinkenden DRAM-Preisen litt. So sind die Investmentbanker aus dem Hause UBS optimistisch gestimmt, dass sich Infineon-Anteile weiterhin gut entwickeln werden. Zuvor konnte sich Infineon bereits Aufträge von Nokia, LG und Ningbo Bird über die Lieferung von Baseband-Chips für Einstiegsmodelle sichern. Die UBS-Experten gehen davon aus, dass dies nur der Anfang sein wird und erwarten weitere Aufträge in den kommenden Monaten. Infineon könnte so im laufenden Jahr einen Marktanteil von 30 Prozent bei Chips für Niedrig-Preis-Handys erreichen, meinen die UBS-Banker.

Neuer Power-Chip soll für neuen Schwung sorgen

Große Hoffnungen hegen Marktbeobachter auch im Zusammenhang mit dem neuen Power-Chip, welcher derzeit von Infineon entwickelt wird. Infineon arbeitet an einem neuen Chip-Design, das zu einem deutlich geringeren Stromverbrauch führen soll. Der neue dreidimensionale Chip könnte zur Halbierung des Stromverbrauchs bei 65 Nanometer-Halbleitern führen, glauben die Analysten bei AC Research. Jedoch dürfte der neue Chip nicht vor 2014 in Serie gehen, mutmaßen die Analysten.

Bevor es jedoch soweit ist, muss sich Infineon weiter mit dem harten Wettbewerb und sinkenden DRAM-Preisen auseinandersetzen. Um sich diesen Wettbewerb zu stellen, setzt Infineon weiter auf die Straffung seiner Kostenstruktur und Effizienzsteigerungen. Wie zu Wochenbeginn bekannt wurde, will das Unternehmen unter anderem eine Forschungs- und Entwicklungseinheit im schwedischen Kista schließen und diese Aufgaben nach Asien verlagern, wie die Newsseite Evertiq berichtet.

Kurzportrait

Die in München ansässige Halbleiterhersteller Infineon Technologies wurde im Jahre 1999 aus der Siemens-Unternehmensfamilie ausgegliedert. Der größte Geschäftsbereich der Gesellschaft ist der Bereich rund um Dynamic Random Access Memorys (DRAMs). Hier gilt das Unternehmen hinter Samsung als einer der weltweit größten Hersteller. Die Speichereinheit der Gesellschaft soll im Rahmen eines Börsengangs Mitte 2006 ausgegliedert werden.

Daneben entwickelt Infineon aber auch Flash-Speicher, Sensoren, Microcontroller und Integrated Circuits (ICs) für den Unterhaltungselektronikbereich. Kommunikationschips, optische Netzwerkkomponenten und Power Semiconductor runden das Infineon-Produktportfolio ab.

Mit seiner Produktpalette visiert das Unternehmen sowohl die Automobil- als auch die Elektronikindustrie an. Infineon agiert dabei nicht nur in Europa, sondern auch international in Nordamerika, Asien und Japan. In Taiwan betreibt das Unternehmen das Joint Venture Inotera Memories, welches gemeinsam mit der taiwanschen Nanya Technologies im Jahre 2002 gegründet wurde. Das Joint Venture Inotera Memories wurde im März 2006 in Taiwan an die Börse gebracht. Im Jahr 2002 übernahm Infineon für rund 400 Mio. Euro das Kerngeschäft von Ericsson Microelectronics. Mitte 2006 gliederte Infineon seine Speichersparte aus Qimonda aus, an welchem das Unternehmen unmittelbar nach dem Börsengang noch 86 Prozent hielt. Langfristig will Infineon seine Beteiligung an Qimonda auf einen Minderheitenanteil zurückfahren.

Die ehemalige Konzernmutter Siemens ist nach wie einer der größten Kunden Infineons. Siemens trennte sich im Jahr 2006 allerdings von seiner 18%igen Infineon-Beteiligung. Weitere Großkunden sind Nokia, Bosch, Schlumberger, Scientific-Atlanta und Sony. Auch der Redmonder Softwarekonzern Microsoft gehört zum Kundenkreis des Unternehmens. In der neuen Spielkonsole Xbox 360 finden sich gleich drei Chipsätze der Münchner. Infineon beschäftigte zuletzt mehr als 36.000 Mitarbeiter weltweit, wovon allein 7.400 Spezialisten in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Unternehmens tätig sind.

Zahlen

Für das vergangene zweite Fiskalquartal 2007 meldet Infineon einen Umsatzrückgang auf 1,96 Mrd. Euro bzw. 2,66 Mrd. US-Dollar. Der Verlust summierte sich dabei auf 11 Mio. Euro oder 15 Mio. US-Dollar, nachdem im Jahr vorher noch ein Minus von 26 Mio. Euro zu Buche stand.

Mit den vorgelegten Zahlen blieb Infineon zunächst hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Diese hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 2,01 Mrd. Euro sowie mit einem Gewinn von 17 Mio. Euro bzw. 23,1 Mio. Dollar kalkuliert.

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