Infineon auf dem Weg zum Turnaround

Mittwoch, 31. Mai 2006 00:00

(IT-Times) Der Münchner Chipspezialist Infineon Technologies (NYSE: IFX<IFX.NYS>, WKN: 623100<IFX.FSE>) konnte im vergangenen Märzquartal dank guter Ergebnisse im Automotive- und Industriesegment in die Gewinnzone zurückkehren und seine Ausgangslage für den bevorstehenden Qimonda-Börsengang im zweiten Halbjahr an der New Yorker Börse deutlich verbessern.

Konzentration auf das Logic-Geschäft

Mit dem Qimonda-Börsengang trennt sich Infineon von dem stark zyklischen und vor allem kapitalintensiven Geschäft mit DRAM-Speichern. Zwar gilt die Division mit einem Umsatz von 2,8 Mrd. Dollar im Jahr 2005 als die Nummer zwei der Branche, doch gegen den Branchenprimus Samsung Electronics und gegen die preisaggressive Hynix Semiconductor aus Südkorea tat sich Infineon schwer. Die Asiaten gelten vor allem hinsichtlich ihrer Kostenstruktur besser positioniert als die Münchner.

Die Mittel aus dem Qimonda-Börsengang, die sich auf eine Mrd. Euro summieren sollen, will Infineon anschließend für Zukäufe verwenden, wie die Wirtschaftswoche berichtete. Gespräche mit Agere Systems und dem Breitband-Spezialisten Broadcom soll es bereits gegeben haben, heißt es. Eine Übernahme von Broadcom scheint aber eher unwahrscheinlich, da die Amerikaner eine doppelt so hohe Marktkapitalisierung aufweisen als Infineon. Die kleinere und auf Kommunikationschips spezialisierte Agere Systems scheint da schon eher der Kragenweite der abgespeckten Infineon zu entsprechen. Als weitere Player in diesem Bereich gelten unter anderem die US-Chipspezialisten LSI Logic, Cirrus Logic, als auch Adaptec, Trident Microsystems, Genesis Microchip, Zoran Corporation und die schnell wachsende Marvell Technology Group.

Ehrgezige Ziele

Für welchen Zukauf sich Infineon auch entscheiden wird, die Abspaltung der DRAM-Division wird von Analysten insgesamt positiv bewertet. Im Hause Lehman Brothers stufte man Infineon-Anteile nach den jüngsten Zahlen auf „übergewichten“ nach oben, wobei die Analysten die ehrgeizigen Ziele Infineons loben. Bis Ende 2006 will Infineon zehn Prozent des drahtlosen Baseband-Marktes erobern und gleichzeitig die Verluste im Smartcard-Geschäft abstellen.

Kurzportrait

Die in München ansässige Halbleiterhersteller Infineon Technologies wurde im Jahre 1999 aus der Siemens-Unternehmensfamilie ausgegliedert. Der größte Geschäftsbereich der Gesellschaft ist der Bereich rund um Dynamic Random Access Memorys (DRAMs). Hier gilt das Unternehmen hinter Samsung als einer der weltweit größten Hersteller. Die Speichereinheit der Gesellschaft soll im Rahmen eines Börsengangs Mitte 2006 ausgegliedert werden.

Daneben entwickelt Infineon aber auch Flash-Speicher, Sensoren, Microcontroller und Integrated Circuits (ICs) für den Unterhaltungselektronikbereich. Kommunikationschips, optische Netzwerkkomponenten und Power Semiconductor runden das Infineon-Produktportfolio ab.

Mit seiner Produktpalette visiert das Unternehmen sowohl die Automobil- als auch die Elektronikindustrie an. Infineon agiert dabei nicht nur in Europa, sondern auch international in Nordamerika, Asien und Japan. In Taiwan betreibt das Unternehmen das Joint Venture Inotera Memories, welches gemeinsam mit der taiwanschen Nanya Technologies im Jahre 2002 gegründet wurde. Das Joint Venture Inotera Memories wurde im März 2006 in Taiwan an die Börse gebracht.

Die ehemalige Konzernmutter Siemens ist nach wie einer der größten Kunden Infineons, wobei Siemens noch mit 18 Prozent an dem deutschen Halbleiterspezialisten beteiligt ist. Weitere Großkunden sind Nokia, Robert Bosch, Schlumberger, Scientific-Atlanta und Sony. Auch der Redmonder Softwarekonzern Microsoft gehört zum Kundenkreis des Unternehmens. In der neuen Spielkonsole Xbox 360 finden sich gleich drei Chipsätze der Münchner. Infineon beschäftigte zuletzt rund 36.400 Mitarbeiter weltweit, wovon allein 7.400 Spezialisten in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Unternehmens tätig sind.

Zahlen

Für das vergangene zweite Fiskalquartal 2006 meldet Infineon einen Umsatzanstieg auf 1,99 Mrd. Euro (2,46 Mrd. US-Dollar), was einem Zuwachs von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dabei entstand zunächst ein Verlust von 26 Mio. Euro, nach einem Minus von 114 Mio. Euro im Jahr vorher. Analysten hatten im Vorfeld nur mit Einnahmen von 1,81 Mrd. Euro sowie mit einem Verlust von 75 Mio. Euro kalkuliert.

Insgesamt konnte Infineon ein EBIT von 28 Mio. Euro erwirtschaften, nachdem im Jahr vorher noch ein negatives EBIT von 117 Mio. Euro zu verzeichnen war. Beigetragen hat hierzu die positive Entwicklung der Speichersparte, dessen EBIT von 17 auf 30 Mio. Euro kletterte. Auch der Automotive- und Industriebereich verdoppelte sein EBIT auf 74 Mio. Euro, nach einem Plus von 36 Mio. Euro im Jahr vorher.

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