Google nimmt lokalen Werbemarkt ins Visier - Google Offers soll Konkurrenz das Fürchten lehren

Montag, 24. Januar 2011 13:08
Googleplex

(IT-Times) - Mit einem Wechsel an der Firmenspitze sorgte der US-Suchmaschinenspezialist Google (Nasdaq: GOOG, WKN: A0B7FY) in der Vorwoche für einen Paukenschlag. Google-Mitgründer Larry Page soll Google in die nächste Dekade führen, die für den Suchmaschinengiganten zahlreiche Chancen bietet.

Zwar hat Google seine dominante Position im Suchmaschinenmarkt trotz der verstärkten Bemühungen von Microsoft (Bing) verteidigen können, allerdings erwuchsen dem Unternehmen auch neue Konkurrenten. Das Videoportal YouTube muss sich der Konkurrenz von Hulu und Netflix erwehren, während das Social-Networking-Portal Facebook immer mehr Besucher auf seine Seiten zieht.

Nicht das Google den Social-Networking-Trend verschlafen hätte, die bisherigen Vorstöße (Orkut, Google Buzz) waren einfach nicht erfolgreich genug, um Facebook, Twitter & Co die Stirn zu bieten. Für viele Analysten, wie aus dem Hause Jefferies, kommt daher der Wechsel an der Führungsspitze gerade zur rechten Zeit.

Google Offers soll neuen Milliardenmarkt erschließen
Während Facebook im November 2010 mit Deals in den Markt für Sonderangebote und Gutscheinprogramme expandierte, versuchte Google vergeblich die Deal-Seite Groupon zu übernehmen.

Sechs Mrd. US-Dollar wollte sich Google den Markteintritt in diesem Boom-Markt kosten lassen, doch Groupon winkte ab und entschied sich für die Selbständigkeit. Nunmehr ist Google auf sich selbst gestellt und versucht mit Google Offers sein Glück im Alleingang.

Google hat bereits erste kleine Geschäfte und Mittelständler zum Test für Google Offers eingeladen, meldet der San Francisco Chronicle. Bei Google Offers handelt es sich um ein Gutschein-Programm, welches Händlern neue Möglichkeiten eröffnen soll, schnell und einfach neue Kundenkreise zu erschließen.

Analysten sehen gute Chancen für Google Offers
Marktbeobachter räumen Google mit seinem Vorstoß große Vorteile gegenüber Wettbewerbern wie Groupon und LivingSocial ein. Zum einen verfügt Google nicht nur über eine enorme Reichweite durch seine Suchmaschine, sondern auch über die notwendige Infrastruktur. So betreibt Google mit Google Checkout bereits einen eigenen Online-Bezahldienst, der auch in Google Offers mit eingebunden werden könnte. Zudem verfügt Google mit AdSense bereits über das richtige Werbeprogramm für den lokalen Markt.

Dieser lokale Werbemarkt (Gutscheine, Sonderangebote etc.) ist derzeit in den USA etwa 100 Mrd. US-Dollar schwer, rechnen die Investmentbanker aus dem Hause Caris & Co vor. Weltweit ist dieser Markt etwa doppelt so groß, wissen die Analysten.

Neben seiner hohen Reichweite auf dem Desktop, hat Google noch einen weiteren großen Vorteil. Nachdem Android schon in diesem Jahr zum dominierenden Smartphone-Betriebssystem avancieren dürfte, könnte Google mit Hilfe von Apps auf den Standort des Nutzers bezogene Sonder- und Werbeangebote direkt auf Android-Handys schicken?

Kurzportrait
Die Internet-Suchmaschine Google, gegründet im Jahre 1998 und ansässig im kalifornischen Mountain View, gilt als die weltweit meistgenutzte Suchmaschine, wobei das Unternehmen täglich mehrere Milliarden Suchanfragen im Monat abwickelt.

Google setzt dabei auf einen Algorithmus, der Web-Seiten aufgrund ihrer Popularität an prominenter Stelle listet. Je häufiger andere Web-Seiten auf die entsprechende Seite verlinken, desto höher der Rang in der Ergebnisliste (Pagerank). Google hat seine Suchtechnologie inzwischen an mehrere hundert Unternehmen lizenziert. Haupteinnahmequelle ist jedoch das Werbeprogramm Google AdWords und das Werbenetzwerk Google AdSense. Über Google AdWords können Firmen Schlüsselwörter buchen, die bei der Suchausgabe den Werbetreibenden an prominenter Stelle als Textlink platzieren. Das Google AdSense-Programm steht Homepage-Betreibern offen, die auf ihren Seiten zielgerichtete Werbung platzieren wollen.

Neben der Suche nach Web-Seiten, lassen sich über Google News auch aktuellste Nachrichten aus über 10.000 Quellen abfragen. Mit Google Image Search können Nutzer auch nach Grafiken, Bildern und Fotos im Web suchen. Mit Google Print will das Unternehmen künftig auch das Durchsuchen ganzer Bücher ermöglichen. Auch über das Handy soll künftig das Suchen per SMS möglich sein. Mit Google Product Search bietet das Unternehmen einen Preisvergleichsservice und eine Produkt-Suche an. Mit Google Desktop Search will die Suchmaschine auch den Heim-PC der Nutzer erobern, wobei sich dadurch Dateien auf der Festplatte oder Email-Postfächer durchsuchen lassen.

Mit Gmail ist das Unternehmen mit einem kostenfreien Email-Webservice am Start, der sich über Werbung finanziert. Mit Google Base stieg das Unternehmen im Herbst 2005 in den Markt für Kleinanzeigen ein. Daneben ist das Unternehmen mit Google Finance im Online-Finanzbereich aktiv. Mit Google CheckOut brachte das Unternehmen Mitte 2006 einen eigenen Online-Zahlungsdienst auf den Markt.

Mit der Übernahme des Blogging-Spezialisten Blogger.com stieg Google in den Blogging-Markt ein. Mit iGoogle ist das Unternehmen im Markt für personalisierbare Homepages vertreten. Im Herbst 2006 übernahm man schließlich die führende Online-Videoseite YouTube.com für rund 1,6 Mrd. Dollar. 3,1 Mrd. Dollar ließ sich Google im Jahr 2007 die Übernahme des Online-Werbespezialisten DoubleClick kosten. Gleichzeitig kaufte Google eine ganze Reihe weiterer Firmen auf. So wurden mit Panoramio, PeakStream, Zenter, Feedburner, GrandCentral, Postini, ImageAmerica, Zingku, Jaiku, der russischen Begun, der südkoreanischen Tatter and Company und ReCAPTCHA weitere kleine Zukäufe getätigt. Neben der Social-Suchmaschine Aardvark, wurden mit DocVerse, Picnik.com, On2 Technologies, reMail, AdMob, Invite Media, Ruba, Metaweb, Slide und Angstro weitere Firmen hinzugekauft.

Daneben brachte Google mit Android ein offenes Betriebssystem für Handys auf den Markt. Mit dem Web-Browser Chrome ist Google inzwischen auch am Browser-Markt engagiert. Mit dem Nexus One stellte Google Anfang 2010 sein erstes eigen entwickeltes Smartphone vor. Die beiden Unternehmensgründer Sergey Brin und Larry Page halten beide eine Minderheitsbeteiligung an Google. Google-Mitgründer Larry Page kehrte Anfang 2011 wieder als CEO an die Firmenspitze zurück.

Zahlen
Für das vergangene Dezemberquartal meldet Google einen Bruttoumsatz von 8,44 Mrd. US-Dollar, ein Zuwachs von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Nettoerlöse ausgenommen etwaiger Partnerumsätze zogen auf 6,37 Mrd. US-Dollar an, nach Nettoerlösen von 4,95 Mrd. Dollar im Jahr vorher.

Meldung gespeichert unter: Alphabet

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