Google hofft auf den „Wal-Mart Effekt“

Montag, 20. Oktober 2008 13:11
Alphabet - Google AdSense Logo

(IT-Times) - Mit einem soliden Quartal konnte zuletzt der US-Suchmaschinenmarktführer Google (Nasdaq: GOOG, WKN: A0B7FY) überzeugen. Trotz des widrigen Marktumfelds gelang es dem Unternehmen die Gewinnerwartungen der Analysten spürbar zu übertreffen. Google-Aktien erholten sich daraufhin nach dem jüngsten Kurssturz kräftig, wenngleich die Papiere deutlich unter ihrem Jahreshöchststand von rund 747 Dollar notieren.

Doch auch bei Google macht sich die Konjunktur- und Bankenkrise langsam bemerkbar. Die Zahl der eingeblendeten Google-Anzeigen ging im Jahresverlauf zurück. Hintergrund scheint die vor wenigen Monaten eingeführte Qualitätsoffensive zu sein, die nunmehr aber auch erste Früchte trägt. Die Zahl der bezahlten Klicks stieg im jüngsten Quartal um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gegenüber dem Vorquartal ergibt sich immerhin noch ein Plus von vier Prozent. Noch zu Jahresbeginn hatte ein sequentieller Rückgang bei den sogenannten Paid Clicks für einen Kurseinbruch bei Google-Aktien gesorgt.

Google AdSense everywhere
Daneben hat Google weitere Anzeigenflächen für sich entdeckt. Google AdSense für Flash-basierte Spiele soll für zusätzliche Einnahmen sorgen. Neue AdSense-Links in Google-Maps könnten sich ebenfalls positiv auf die Werbeeinnahmen auswirken. Daneben testet Google gerade eine neue AdSense Suchbox sowie eine AdSense Werbung, die zu weiterer AdSense-Werbung führt. Bei seinem Videoportal YouTube setzt Google neben Werbung auf E-Commerce. Über Buttons zu Amazon und iTunes sollen Nutzer künftig direkt Musik bzw. Filme kaufen können.

Aber nicht nur auf der Einnahmenseite, sondern auch auf der Kostenseite legt Google Hand an. Im jüngsten Quartal wurden nur 500 Neueinstellungen getätigt. Gleichzeitig wurden die Investitionsausgaben von 697 Mio. Dollar im Juniquartal, auf 452 Mio. Dollar im dritten Quartal gestutzt.

“Wal-Mart Effekt“ könnte Konjunkturkrise abmildern
Der Suchmaschinenmarktführer scheint damit alle Register ziehen zu wollen, um sich gegen den drohenden Konjunkturabschwung zu wehren. Wenngleich Google nicht immun gegen eine mögliche Rezession sein dürfte, so scheint der Marktführer dennoch für den drohenden Abschwung gut gerüstet. Vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten würden Nutzer im Internet nach Preisschnäppchen suchen und Preise öfter vergleichen, glaubt Google-Chef Eric Schmidt. Bei Google spricht man bereits von einem „Wal-Mart Effekt“, der in den nächsten Quartalen die Auswirkungen eines Abschwung abmildern könnte…

Kurzportrait
Die Internet-Suchmaschine Google, gegründet im Jahre 1998 und ansässig im kalifornischen Mountain View, gilt als die weltweit meistgenutzte Suchmaschine, wobei das Unternehmen täglich mehr als 200 Mio. Suchanfragen abwickelt.

Google setzt dabei auf einen Algorithmus, der Web-Seiten aufgrund ihrer Popularität an prominenter Stelle listet. Je häufiger andere Web-Seiten auf die entsprechende Seite verlinken, desto höher der Rang in der Ergebnisliste. Google hat seine Suchtechnologie inzwischen an über 100 andere Unternehmen lizenziert. Haupteinnahmequelle ist das Werbeprogramm Google AdWords und das Werbenetzwerk Google AdSense. Über Google AdWords können Firmen Schlüsselwörter buchen, die bei der Suchausgabe den Werbetreibenden an prominenter Stelle als Textlink platzieren. Das Google AdSense-Programm steht Homepage-Betreibern offen, die auf ihren Seiten zielgerichtete Werbung durch Googles AdWords platzieren wollen. Für besonders populäre Web-Seiten, die mehr als 20 Mio. Seitenaufrufe verzeichnen, bietet Google weitergehende Services an.

Neben der Suche nach Web-Seiten, lassen sich über Google News auch aktuellste Nachrichten aus über 10.000 Quellen abfragen. Mit Google Image Search können Nutzer auch nach Grafiken, Bildern und Fotos im Web suchen. Mit Google Print will das Unternehmen künftig auch das Durchsuchen ganzer Bücher ermöglichen. Auch über das Handy soll künftig das Suchen per SMS möglich sein.

Mit Google Product Search bietet das Unternehmen einen Preisvergleichsservice und eine Produkt-Suche an. Mit Google Desktop Search will die Suchmaschine auch den Heim-PC der Nutzer erobern, wobei sich dadurch Dateien auf der Festplatte oder Email-Postfächer durchsuchen lassen. Mit Gmail ist das Unternehmen mit einem kostenfreien Email-Webservice am Start, der sich über Werbung finanziert. Mit Google Base stieg das Unternehmen im Herbst 2005 in den Markt für Kleinanzeigen ein. Gleichzeitig kaufte Google den Blogging-Spezialisten Blogger.com. Anfang 2006 schloss Google die Übernahme des Radio-Marketingspezialisten dMarc Broadcasting ab. Ferner beteiligte sich Google mit einer Mrd. Dollar mit fünf Prozent an AOL. Gleichzeitig kaufte Google sein Hauptquartier (Googleplex) im Silicon Valley für 319 Mio. Dollar und stieg mit Google Finance in den Finanzbereich ein. Mit Google CheckOut brachte das Unternehmen Mitte 2006 einen eigenen Online-Zahlungsdienst auf den Markt. Mit iGoogle ist das Unternehmen im Markt für personalisierbare Homepages vertreten. Im Herbst 2006 übernahm man schließlich die führende Online-Videoseite YouTube.com. 3,1 Mrd. Dollar ließ sich Google im Jahr 2007 die Übernahme des Online-Werbespezialisten DoubleClick kosten. Gleichzeitig kaufte Google eine Reihe weiterer Firmen auf. So wurden mit Panoramio, PeakStream, Zenter, Feedburner, GrandCentral, Postini, ImageAmerica, Zingku, Jaiku und der russischen Begun weitere kleine Zukäufe getätigt.

Die beiden Unternehmensgründer Sergey Brin und Larry Page hielten zuletzt beide eine Minderheitsbeteiligung an Google.

Zahlen
Für das vergangene Septemberquartal meldete Google einen Umsatzanstieg um 31 Prozent auf 5,54 Mrd. US-Dollar. Abzüglich Werbekommissionen, die an Partner abgeführt wurden, erzielte Google einen Nettoumsatz von 4,04 Mrd. US-Dollar und blieb damit zunächst um 20 Mio. Dollar hinter den Marktschätzungen der Analysten zurück.

Der Gewinn kletterte zunächst um 26 Prozent auf 1,35 Mrd. Dollar oder 4,24 Dollar je Aktie, nach einem Plus von 1,07 Mrd. Dollar oder 3,38 Dollar je Anteil im Vorjahr. Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen ergibt sich für das jüngste Quartal ein Nettogewinn von 4,92 Dollar je Aktie, womit Google die Markterwartungen der Analysten spürbar übertreffen konnte. Analysten hatten im Vorfeld nur mit einem Nettogewinn von 4,75 Dollar je Aktie gerechnet.

Meldung gespeichert unter: Suchmaschinen

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