Electronic Arts setzt auf Produktoffensive

Dienstag, 7. August 2007 00:00

(IT-Times) Trotz der mehr als zwei Mio. verkauften Kopien des Spiels „Harry Potter and the Order of the Phonenix“ musste der weltgrößte PC- und Videospielentwickler Electronic Arts (Nasdaq: ERTS, WKN: 878372) im jüngsten Quartal einen Umsatzrückgang und Verluste ausweisen.

Der neue CEO John Riccitiello klagt derweil über die Einfallslosigkeit der Videospieleindustrie, die immer wieder altbackene Konzepte neu auflegt. Neue Ideen müssen her, so der oberste EA-Lenker, der in den nächsten drei Quartalen nicht weniger als zehn neue Spiele auf den Markt bringen will. Auch für das Handy soll es neue Inhalte geben. Insgesamt will EA Mobile sechs neue Spiele für das Mobiltelefon auf den Markt bringen.

Hoffnungsträger Spore und Warhammer

Als großer Hoffnungsträger für die Industrie und für EA im speziellen gilt das von Sims-Entwickler Will Wright entwickelte Game „Spore“, welches im Frühjahr 2008 auf den Markt kommen soll. Der Spieler soll sich innerhalb einer interaktiven Welt vom Einzeller zu einem intelligenten Lebewesen entwickeln und zahlreiche Abenteuer bestehen.

Nicht weniger Hoffnungen liegen auf den MMORPG-Titel „Warhammer Online: Age of Reckoning“. Der von EA Mythic entwickelte Online-Titel soll die Nachfolge des bis dato überragenden „World of Warcraft“ antreten, die dem Medienkonzern Vivendi Quartal für Quartal Millionengewinne bescheren. Die ersten Ergebnisse von „Warhammer“ sind viel versprechend. So meldeten sich zur ersten Beta bereits mehr als 300.000 Spieler an, die das Online-Spiel gerne testen wollen. Das Spiel soll ebenfalls im Frühjahr 2008 offiziell an den Start gehen.

Insgesamt will sich EA durch den jüngsten Umbau eine straffere Struktur verpassen, in deren Rahmen Entscheidungen schneller getroffen und neue Produkte schneller zur Marktreife entwickelt werden können. In einem zweiten Schritt will man neue Plattformen und neue Nutzerschichten erreichen und hier nicht zuletzt neue Konzepte für die Nintendo Wii und NDS entwickeln. Ferner sollen neue Umsatzquellen durch Ingame-Werbung und Micro-Payment-Transaktionen erschlossen werden. Wie auch in der Vergangenheit, will man auch weiter durch kleinere Zukäufe wachsen, ließ EA im Rahmen der jüngsten Quartalspressekonferenz verlauten.

Kurzportrait

Electronic Arts (EA), ansässig im kalifornischen Redmond, entwickelt seit 1982 Computerspiele. Dabei spezialisiert sich das Unternehmen nicht nur auf eine Plattform, sondern bietet sowohl für den PC, als auch für die Plattformen von Sony, Nintendo Microsoft entsprechende Spiele an. Vor allem durch legendäre Titel wie Madden NFL, SimCity, und Ultima Online machte sich das Unternehmen einen Namen. Das Haus publiziert seine populären Titel unter den Marken EA Sports, EA Games, sowie unter den übernommen Marken Origin, DreamWorks Interactiv, Black Box Games und Maxis. Später beteiligte sich das Unternehmen an dem schwedischen Entwicklerstudio Digital Illusions, welches Ende 2004 vollständig übernommen wurde. Gleichzeitig schloss EA im Oktober die Übernahme von Criterion Software ab. Anfang 2005 beteiligte sich EA mit 19,9 Prozent an dem französischen Spielentwickler Ubisoft. Ende 2005 übernahm man den führenden Entwickler von Mobilfunkspielen Jamdat Mobile. Jamdat wurde inzwischen in die Einheit EA Mobile integriert. Mitte 2006 kaufte EA den Online-Rollenspielspezialisten Mythic Entertainment, aus der die Einheit EA Mythic hervorging. Ende 2006 schluckte EA das auf die Wii-Konsole spezialisierte Entwicklerstudio Headgate Studios. Im Frühjahr 2007 beteiligte sich EA mit 15 Prozent an dem chinesischen Online-Spielespezialisten The9, nachdem man sich bereits 19 Prozent der Anteile an dem südkoreanischen Online-Spielespezialisten Neowiz sicherte. Mitte 2007 eröffnete EA ein eigenes Büro in Moskau, um den russischen Markt besser bedienen zu können.

Ferner vertreibt das Unternehmen über 4.000 Spieletitel von Drittanbietern. Dieses Geschäft trug in der Vergangenheit etwa ein Fünftel des gesamten Umsatzvolumens von EA. Über das Internet-Portal EA.com bietet das Unternehmen nicht nur einen kostenlosen Online-Spieledienst an, sondern auch gebührenpflichtige Services.

Daneben betreibt das Unternehmen die Tochter und Spieleplattform pogo.com im Internet. Pogo.com versteht sich als eine Online-Spielgemeinschaft. Die Plattform verzeichnet inzwischen mehr als 1,5 Mio. registrierte Nutzer. Gleichzeitig betreibt EA aber auch den Game Channel im Rahmen des Online-Angebots von America Online.

Zahlen

Für das vergangene zweite Quartal 2007 meldet EA einen Umsatzrückgang auf 395 Mio. US-Dollar, nach Einnahmen von 413 Mio. Dollar im Jahr vorher. Dabei entstand zunächst ein Verlust von 132 Mio. Dollar oder 42 US-Cent je Aktie, nach einem Minus von 81 Mio. Dollar oder 26 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen ergibt sich für das jüngste Quartal ein Nettoverlust von 69 Mio. Dollar oder 22 US-Cent je Aktie, nach einem operativen Minus von 38 Mio. Dollar oder 12 US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Dennoch konnte EA mit den vorgelegten Zahlen die Markterwartungen übertreffen. An der Wall Street hatte man zunächst mit Einnahmen von 389,4 Mio. Dollar sowie mit einem Nettoverlust von 35 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Besonders gut verkaufte sich das Spiel „Harry Potter and the Order of the Phonenix“. Insgesamt konnte EA von diesem Titel mehr als zwei Mio. Spielekopien absetzen. Für die nächsten drei Quartale plant EA zehn neue Spiele auf den Markt zubringen, darunter einen weiteren „Sims“ Titel.

EA befindet sich derzeit im Umbruch. Das Unternehmen will stärker im lukrativen asiatischen Markt Fuß fassen, der derzeit vor allem von Nintendo dominiert wird. EA setzte zuletzt nur 28 Mio. Dollar in Asien um, während man in Nordamerika Einnahmen von 163 Mio. Dollar erzielte und in Europa Umsätze von 204 Mio. Dollar verbuchen konnte.

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