Die Zukunft des Journalismus: Das Internet-Manifest

Freitag, 11. September 2009 15:31

BERLIN (IT-Times) - Es scheint beinahe so, als drehen sich Verlage und Contentanbieter schon seit Jahren im Kreis. Herkömmliche Umsatzmodelle der Verlage greifen schon lange nicht mehr. Und was die Zukunft bringt, weiß so recht auch niemand. Schon vor zehn Jahren gab es den Abgesang auf die Tageszeitung. Den gibt nach wie vor immer mal wieder. Was nicht mehr sein wird, scheint klar. Was kommt, noch lange nicht. Das zeigte auch der Kommunikationskongress 2009, der in dieser Woche stattfand.

Klar ist nur, was zum Erlös beitragen soll: Werbung (nichts Neues) und bezahlter Content (im Internet noch immer so etwas wie ein rotes Tuch für die allermeisten Nutzer). In einem scheint man sich einig: Internetuser sind aktiver in ihrer Nutzerrolle als Zeitungsleser. Daraus wird abgeleitet, dass der Online-Nutzer auch ein viel wertvollerer Adressat von Werbung sei als es Zeitungsleser sind. Also: Budgets raus aus der klassischen Zeitungsanzeige und dafür rein in die Onlinewerbung! Das scheint aktuell tatsächlich der Trend zu sein - immerhin brummt es in der Online-Werbung. Krise hin oder her.

Auch ein schöner Gedanke: Werbung selbst soll zur Information werden. Medien sollen davon profitieren können, ohne ihre Glaubwürdigkeit einzubüßen. Das wünscht sich Jakob Augstein von der Wochenzeitung "Freitag", der auf dem oben genannten Kongress referieren durfte. Aha. Eine fixe Idee. Interessant wäre es, die Antwort von „echten Journalisten" hierauf zu hören.

Echte Antworten und eine wirklich substantiell tiefgehende Betrachtung des Online-Journalismus bietet indes das

Internet-Manifest, das zu Beginn dieser Woche veröffentlicht wurde. Hierbei handelt es sich um 17 Behauptungen, wie Journalismus heute funktioniert. Unterzeichnet wurde es von solchen Online-Größen wie Stefan Niggemeier oder aber Johnny Haeusler und Sascha Lobo. Dieses Manifest dürfte für das Selbstverständnis vieler Online-Journalisten, Autoren und Blogger so bedeutsam sein, dass es an dieser Stelle vollständig wieder gegeben werden soll. Mit Themen wie neue Erlösquellen für Verlage, Micropayment und welche Rolle Google (einmal mehr) dabei spielt, beschäftigen wir uns dann im Special am Freitag in der nächsten Woche.

Nun aber, in seiner vollen Wucht: Das Internet-Manifest:

1. Das Internet ist anders.

Es schafft andere Öffentlichkeiten, andere Austauschverhältnisse und andere Kulturtechniken. Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln - das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit ein.

2. Das Internet ist ein Medienimperium in der Jackentasche.

Das Web ordnet das bestehende Mediensystem neu: Es überwindet dessen bisherige Begrenzungen und Oligopole. Veröffentlichung und Verbreitung medialer Inhalte sind nicht mehr mit hohen Investitionen verbunden. Das Selbstverständnis des Journalismus wird seiner Schlüssellochfunktion beraubt - zum Glück. Es bleibt nur die journalistische Qualität, die Journalismus von bloßer Veröffentlichung unterscheidet.

3. Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet.

Für die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt gehören Angebote wie Social Networks, Wikipedia oder Youtube zum Alltag. Sie sind so selbstverständlich wie Telefon oder Fernsehen. Wenn Medienhäuser weiter existieren wollen, müssen sie die Lebenswelt der Nutzer verstehen und sich ihrer Kommunikationsformen annehmen. Dazu gehören die sozialen Grundfunktionen der Kommunikation: Zuhören und Reagieren, auch bekannt als Dialog.

4. Die Freiheit des Internet ist unantastbar.

Die offene Architektur des Internet bildet das informationstechnische Grundgesetz einer digital kommunizierenden Gesellschaft und damit des Journalismus. Sie darf nicht zum Schutz der wirtschaftlichen oder politischen Einzelinteressen verändert werden, die sich oft hinter vermeintlichen Allgemeininteressen verbergen. Internet-Zugangssperren gleich welcher Form gefährden den freien Austausch von Informationen und beschädigen das grundlegende Recht auf selbstbestimmte Informiertheit.

5. Das Internet ist der Sieg der Information.

Bisher ordneten, erzwungen durch die unzulängliche Technologie, Institutionen wie Medienhäuser, Forschungsstellen oder öffentliche Einrichtungen die Informationen der Welt. Nun richtet sich jeder Bürger seine individuellen Nachrichtenfilter ein, während Suchmaschinen Informationsmengen in nie gekanntem Umfang erschließen. Der einzelne Mensch kann sich so gut informieren wie nie zuvor.

6. Das Internet verändert verbessert den Journalismus.

Durch das Internet kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen. Dazu gehört die Darstellung der Information als sich ständig verändernder fortlaufender Prozess; der Verlust der Unveränderlichkeit des Gedruckten ist ein Gewinn. Wer in dieser neuen Informationswelt bestehen will, braucht neuen Idealismus, neue journalistische Ideen und Freude am Ausschöpfen der neuen Möglichkeiten.

7. Das Netz verlangt Vernetzung.

Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schließt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus. Das gilt auch für die Online-Auftritte klassischer Medienhäuser.

8. Links lohnen, Zitate zieren.

Meldung gespeichert unter: Internet-Manifest

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