Cognizant schockt die IT-Branche

Mittwoch, 7. November 2007 13:05
Cognizant Technology Solutions

(IT-Times) War die IT-Service- und Outsourcing-Branche bislang ein Selbstläufer, hat sich dies nach der Vorlage der Quartalszahlen des IT-Riesen Cognizant Technology Solutions (Nasdaq: CTSH, WKN: 915272) schlagartig geändert. Obwohl Cognizant die Gewinnerwartungen im jüngsten Quartal übertreffen konnte, brachen die Anteile um knapp 20 Prozent ein und zogen andere IT-Werte wie Infosys gleich mit in die Tiefe.

Hintergrund des jüngsten Kursrutsches sind Befürchtungen, dass sich der Outsourcing-Zyklus und der langjährige Boom in der IT-Branche langsam seinem Ende nähern und sich die Wachstumsraten in diesem Segment spürbar verlangsamen werden. Diesen Rückschluss ziehen Markteilnehmer aus den Umsatzprognosen und den Aussagen des Cognizant-Managements, wonach für das laufende vierte Quartal nur mit Erlösen von 590 bis 595 Mio. Dollar zu rechnen sei - Analysten hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 597 Mio. Dollar gerechnet.

Dabei hatte Cognizant im August noch seine Jahresprognosen erhöht und sich Mitte September im Übernahmegerangel gegen die Konkurrenz aus Indien durchgesetzt und den IT-Spezialisten marketRx für 135 Mio. Dollar übernommen. Die Umsatzwarnung für das vierte Quartal überrascht insofern, da Firmen im Abschlussquartal ihr vorhandenes IT-Budget in der Regel ausgeben, um im nächsten Jahr ähnliche Summen zu erhalten (Budget-Flush). Dieser traditionelle Schub blieb bislang aus, wie auch Cognizant-Finanzchef Gordon Coburn einräumte.

Subprime-Krise trifft Cognizant
Negative Effekte fürchten Marktteilnehmer nunmehr durch die anhaltende Immobilien- und Hypothekenkrise in den USA. Nachdem Finanzspezialisten wie Merrill Lynch und die Citigroup Milliarden abschreiben müssen, fürchten Marktbeobachter nun eine Kürzung der IT-Investitionsausgaben der Branche.

Cognizant würde eine solche Kürzung besonders hart treffen, da der Bereich Finanz-Services zwar zuletzt um 43 Prozent wuchs, aber 47 Prozent und damit den Großteil der Gesamtumsätze beisteuert. Während das Cognizant-Management die Auswirkungen versucht herunterzuspielen - immerhin seien nur drei Prozent der Erlöse direkt mit dem Mortgage-Markt verbunden - musste der Cognizant-Kunde IndyMac Bancorp einen Quartalsverlust von 203 Mio. Dollar ausweisen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass das Ausmaß der Hypothekenkrise weit größer ist als zunächst angenommen, steigt mit jeder Hiobsbotschaft aus dem Bankensektor und damit auch das Risiko, dass Finanzinstitute und Banken bei ihrem Ausgabenmanagement vorerst einen Gang zurück schalten.

Ein solches Szenario würde Cognizant doppelt treffen, zumal das Unternehmen weiter investieren muss, um sich nicht nur personell die besten Talente zu sichern, sondern auch ein breites Produktangebot im Bereich IT-Beratung und BPO bieten muss, um den Vorsprung vor der Konkurrenz zu wahren.

Kurzportrait

Die in Teaneck/New Jersey ansässige Cognizant Technology Solutions Coporation (Cognizant) gilt als führender IT-Beratungs- und Outsourcing-Spezialist. Das Unternehmen bietet seine Dienste nicht nur Unternehmen in Europa und Nordamerika, sondern auch in Asien an.

Das Angebot erstreckt sich über strategische Beratung, der Entwicklung komplexer IT-Systeme, bis hin zu Softwareimplementierung, Data Warehousing und der Wartung und Betreuung von Anwendungen. Ergänzt wird das Serviceangebot durch Business Process Outsourcing (BPO) Services und Infrastruktur-Management. Betreut werden die Kunden vor Ort durch Management-Teams, welche durch Entwicklungscenter, die vorwiegend in Indien ansässig sind, unterstützt werden. Insgesamt ist das Unternehmen in vier Marktsegmenten tätig: Finanzservices, Gesundheitswesen, sowie Fertigung, Logistik & Handel und andere Geschäfte. Im Pharma- und Biotechnikbereich verstärkte sich Cognizant Ende 2007 durch die Übernahme des IT-Spezialisten marketRX.

Der Finanzservice-Bereich steuerte zuletzt mit rund 50 Prozent den Großteil zu den Gesamteinnahmen des Unternehmens bei. Dabei betreut das Unternehmen nicht nur Banken, sondern auch Broker und Investmentfirmen in Bereichen wie Front- und Back Office, sowie technische Broker-Lösungen. Auch in der Versicherungswirtschaft ist das Unternehmen mit entsprechenden Lösungen präsent und hilft Versicherungsunternehmen bei Administrationsaufgaben sowie bei der Abwicklung von Versicherungsfällen.

Der Healthcare-Bereich ist ein weiteres wichtiges Standbein der Gesellschaft. Das Segment steuerte zuletzt rund 20 Prozent zu den Gesamterlösen der Gesellschaft bei, wobei sieben der zehn größten Wissenschaftsorganisationen zum Kundenkreis der Gesellschaft zählen.

Auch der Bereich Herstellung, Logistik & Handel steuerte zuletzt mit mehr als 15 Prozent einen nicht unerheblichen Anteil zum Gesamtumsatz bei. Im Rahmen dieses Servicebereichs bietet Cognizant elektronische Beschaffungssysteme, Transport-Management, Warehouse- und Yard-Management, sowie ERP-Lösungen an. Diese vier Kerngeschäftsbereiche werden durch Lösungen, wie Digital Asset Management (DAM) und Digital Rights Management (DRM) ergänzt.

Zahlen

Für das zurückliegende Septemberquartal meldet Cognizant einen Umsatzanstieg auf 558,8 Mio. US-Dollar, was einem Zuwachs von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Nettogewinn kletterte auf 96,2 Mio. US-Dollar oder 32 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 61,0 Mio. Dollar oder 20 US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Analysten hatten im Vorfeld nur mit Einnahmen von 558,8 Mio. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 29 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Meldung gespeichert unter: Cognizant Technology Solutions

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