Baidu bleibt auf der Überholspur - gibt Google in China auf?

Mittwoch, 2. November 2011 13:48
Baidu Unternehmenslogo

(IT-Times) - Chinas führende Suchmaschine Baidu hat auch im vergangenen dritten Quartal mit beeindruckenden Wachstumszahlen glänzen können. Nachdem die Gewinne im dritten Quartal bereits um 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind, erwartet das Baidu-Management ähnliche Wachstumszahlen im laufenden vierten Quartal.

Hintergrund dürften nicht nur steigende Marktanteile sein, sondern auch die Tatsache, dass das vierte Quartal traditionell als Hochkonjunktur für Online-Einzelhändler gilt. Dadurch dürften die Ausgaben für Online-Werbung auch im laufenden vierten Quartal sehr hoch bleiben, glaubt beispielsweise Mirae Asset Securities Analyst Eric Wen.

Baidu-Marktanteil kletterte auf Rekordhoch
Daneben profitiert Baidu (Nasdaq: BIDU, WKN: A0F5DE) natürlich vom Teilrückzug Googles und der wachsenden Internetgemeinde in China. Inzwischen haben etwa 485 Millionen Einwohner Chinas Zugang zum Internet, eine Zahl die inzwischen die Einwohnerzahl Amerikas übersteigt. Dennoch summiert sich dadurch die Internetpenetrationsrate in China gerade einmal auf 37 Prozent, was noch genügend Wachstumspotential bietet.

Der chinesische Suchmaschinenmarkt legte im vergangenen dritten Quartal um knapp 78 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 5,51 Mrd. Yuan bzw. 866,3 Mio. US-Dollar zu, so die Marktforscher aus dem Hause iResearch. Baidu konnte dabei seinen Marktanteil auf 77,7 Prozent ausbauen, nachdem die Chinesen im März 2010 vor dem Rückzug Googles lediglich 64 Prozent der Marktanteile kontrollierten.

Gibt Google in China auf?
Im Gegenzug verlor Google weiter deutlich an Boden. Nachdem Google im März 2010 noch auf mehr als 30 Prozent der Marktanteile kam, sackte der Marktanteil der Amerikaner zuletzt auf 18,3 Prozent ab, heißt es bei iResearch. Collins Stewart Analyst Mayuresh Masurekar hält sogar einen Komplettrückzug von Google in China möglich, sollten sich die Marktanteilsverluste weiter fortsetzen. Dann hätte Baidu freie Bahn, da derzeit kein ernsthafter Wettbewerber in China in Sicht ist.

Dementsprechend optimistisch ist man bei Collins Stewart im Bezug auf den weiteren Kursverlauf von Baidu-Aktien. Collins Stewart Analyst Mayuresh Masurekar erhöht daher das Kursziel für Baidu-Papiere schon mal vorsorglich von 205 auf 215 US-Dollar.

Kurzportrait

Die im Jahre 2000 von Robin Li und Eric Xu gegründete Baidu Inc ist die führende Internet-Suchmaschine Chinas. Das Unternehmen, mit Hauptsitz in der chinesischen Hauptstadt Beijing bietet aber nicht nur Suchdienste, sondern auch Marketing-basierte Online-Services, wie Pay-for-Performance-Dienste (P4P-Services). Die Webseite, sowie Online-Werbeservices werden durch die Einheit Baidu Netcom betrieben und erbracht. Baidu sieht sich dabei als einer der ersten P4P-Servicedienstleister im Reich der Mitte, der solche Dienste anbietet. Ferner umfasst der Suchindex nach Firmenangaben mehr als eine Milliarde Webobjekte, wobei die Suchmaschine nicht nur nach Texten, sondern auch nach Fotos und Bilder, sondern auch nach MP3-Dateien fahndet.

Über die Einheit Baidu Online stellt das Unternehmen aber auch Suchtechnik und Services für Firmenkunden bereit. Mit Search Index bietet Baidu ein Tool für Medienprofis an, um Veränderungen bei häufig gesuchten Keywords zu erfassen. Ende 2009 stellte Baidu sein Werbesystem auf das neue System mit dem Namen Phoenix Nest um.

Bereits im Jahr 2004 übernahm Baidu.com mit Hao123 den weltgrößten Website-Index. Darüber hinaus bietet das Unternehmen inzwischen auch eine Desktop-Suchmaschine an.

Mit Movie Search bietet das Unternehmen einen gebührenpflichtigen Service an, welcher das Herunterladen von Filmen erlaubt, die von lizenzierten Content-Anbietern zur Verfügung gestellt werden. Mit Baidu Post Bar betreibt Baidu.com eine Community- und Message-Plattform, bestehend aus mehr als eine Diskussionsforen. Ferner betreibt Baidu.com mit Baidu Union ein Netzwerk bestehend aus Webseitenangeboten dritter Unternehmen, womit die Suchmaschine dadurch seinen Bekanntheits- und Verbreitungsgrad erhöhen will. Mit Baidu Space stieg das Unternehmen Mitte 2006 zudem in den Blogger-Markt ein. Mit Baidupedia ist das Unternehmen gleichzeitig auch mit einem Online-Lexikon am Start. Mit Baidu Favorites, Baidu Video Search und Hao123.com startete das Unternehmen drei neue Angebote. Mit Baidu Knows betreibt Baidu.com den weltweit größten Frage- und Antwortservice. In 2008 ging Baidu.com mit seiner eigenen E-Commerce Plattform Youa.com sowie mit Baidu Japan im Land der aufgehenden Sonne an den Start. Daneben erwarb Baidu.com für rund 100 Mio. RMB eine 8,3%ige Beteiligung an dem Video- und Filmspezialisten UiTV.com. Mitte 2011 wurde zudem Chinas führende Reisesuchmaschine Qunar übernommen.

Zudem schloss Baidu.com Partnerschaften mit Hewlett-Packard, MTV Networks, Microsoft, EMI Music und Rakuten (Joint Venture im E-Commerce Bereich). Gemeinsam mit Rakuten betreibt Baidu das Joint Venture Rakuten China. Neben dem Hauptsitz in Beijing unterhält Baidu.com noch weitere Niederlassungen in Schanghai und Shenzen. Firmenmitgründer und CEO Robin Li hielt zuletzt noch eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen.

Zahlen

Baidu erwirtschaftete im dritten Quartal 2011 einen Umsatz von rund 4,18 Mrd. Renminbi (RMB). Damit übertraf der Suchmaschinenanbieter die Erlöse des Vorjahreszeitraums deutlich - hier hatte man einen Wert von 2,56 Mrd. RMB einfahren können.

Mit einem operativen Ergebnis von 2,23 Mrd. RMB in diesem Jahr nach einem Wert von 1,18 Mrd. RMB im Vorjahr wuchs Baidu auch hier deutlich. Das Vorsteuerergebnis der Chinesen lag bei 2,19 Mrd. RMB (Vorjahr: 1,21 Mrd. RMB). Insgesamt konnte Baidu im dritten Quartal 2011 ein Nettoergebnis von 1,86 Mrd. RMB für sich verbuchen. Damit stieg auch das Nettoergebnis im Vergleich zum Vorjahr deutlich - hier hatte man einen Wert von 1,05 Mrd. RMB verzeichnen können.

Meldung gespeichert unter: Suchmaschinen

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