Applied Materials - Teilrückzug aus dem Solargeschäft?

Dienstag, 25. August 2009 12:19
Applied Materials

(IT-Times) - Der weltweit größte Halbleiter- und Solarausrüster Applied Materials (Nasdaq: AMAT, WKN: 865177) musste zwar im jüngsten Quartal noch einen Verlust ausweisen, erstmals seit langem sieht das Unternehmen jedoch wieder einen positiven Trend. Die Nachfrage habe sich in den letzten Monaten gebessert, heißt es.

Damit scheint der Tiefpunkt in der Halbleiterindustrie wohl erreicht. Allein im Juli verzeichneten nordamerikanische Chipausrüster ein Auftragsplus von 62 Prozent gegenüber dem Vormonat. Insgesamt verbuchte die Industrie im Juli Aufträge im Volumen von 569,7 Mio. Dollar. Hintergrund sei eine höhere Nachfrage nach Mobiltelefonen und PCs, heißt es aus der Branche.

Analysten fordern Ausstieg aus dem Dünnschicht-Geschäft
Während die Chipbranche schon wieder anzieht, stehen über der Solarbranche nach wie vor dunkle Wolken. Applied Materials hat sich in diesem Geschäftsbereich mit Anlagen zur Herstellung von Solarzellen vorgewagt, um sein Geschäft weiter zu diversifizieren. Gleichzeitig wollte Applied so von einem Wachstumsmarkt profitieren. Diese Rechnung ging bislang nicht richtig auf. Der Bereich Solarausrüstung, das in der Einheit Energy and Environmental Solutions zusammengefasst ist, musste im jüngsten Quartal einen Umsatzeinbruch von 37 Prozent auf 224 Mio. Dollar hinnehmen.

Bei der Credit Suisse fragt man sich inzwischen, ob es nicht besser wäre, aus dem Geschäft mit Dünnschicht-Anlagen wieder auszusteigen. Die Analysten verweisen dabei auf die Billig-Konkurrenz aus China, welche die Gewinnmargen drückt. Dünnschichtzellen gelten als weniger effizient als Silizium-Zellen, genossen in der Vergangenheit aber einen Preisvorteil. Dieser schmelzt aber zunehmend dahin, nachdem insbesondere auch der Preis für Polysilizium deutlich gefallen ist. Sollten die Preise für Polysilizium auf dem aktuellen Preisniveau verharren, dürfte sich kaum ein Hersteller eine neue SunFab-Anlage anschaffen, glaubt Kaufman Bros Analyst Theodore O'Neill.

Preise für Polysilizium bleiben auf niedrigem Niveau
Die Preise für Polysilizium brachen in den vergangenen 12 Monaten regelrecht ein. Wurden im letztjährigen Sommer noch rund 400 US-Dollar pro Kilo für das Material bezahlt, sind die Preise inzwischen auf bis zu 40 Dollar eingebrochen. Hintergrund sind enorme Überkapazitäten im Markt, nachdem insbesondere chinesische Hersteller ihre Kapazitäten kräftig aufgestockt haben. Die Marktforscher aus dem Hause iSuppli gehen davon aus, dass die Überkapazitäten mindestens noch bis zum Jahr 2012 bestehen bleiben.

Zudem könnte sich die Lage noch verschärfen, denn auch in Deutschland, das im laufenden Jahr zum weltweit größten Solarmarkt aufsteigen dürfte, zeichnet sich ein Ende des Booms ab. Nach Zahlen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), dürften sich die Kosten für die Subventionierung der Solarbranche hierzu Lande in den nächsten Jahren auf bis zu elf Mrd. Euro summieren. Schon fordern Branchenexperten eine deutliche Senkung der Einspeisevergütung, um den ohnehin hoch verschuldeten Bundeshaushalt nicht noch weiter zu belasten.

Sollte nach Spanien auch der deutsche Solarmarkt zusammenbrechen, wäre dies auch ein Rückschlag für Applied, sich ein neues Standbein in einem Zukunftsmarkt aufzubauen…

Kurzportrait

Die bereits im Jahre 1967 gegründete und im kalifornischen Santa Clara ansässige Applied Materials gilt als weltweit führender Anbieter von Halbleiteranlagen und Zubehör, welche zur Chipherstellung eingesetzt werden. Das Unternehmen bietet aber nicht nur Herstellungsanlagen für die Fertigung von Halbleitern an, sondern auch Software, welche die Beschichtung und die Produktion von Halbleitern überwachen. Gleichzeitig bietet das Unternehmen auch Testanlagen an, welche die gefertigten Mikrochips nicht nur auf ihre Funktionsweise hin überprüfen, sondern womit sich auch ganze Produktionsabläufe und Fertigungszyklen simulieren lassen.

Das Unternehmen, welches seit 1972 an der Börse gehandelt wird, kann auf eine erfolgreiche Unternehmensgeschichte zurückblicken. Bereits im Jahre 1977 folge die internationale Expansion nach Europa. Zwei Jahre später war der Halbleiterspezialist auch mit einer Niederlassung in Japan vertreten. Der asiatische Wirtschaftsraum stand auch in den nachfolgenden Jahren weiter im Mittelpunkt. 1984 folgte eine Niederlassung in China. Von 1989 bis 1991 wurden weitere Tochterfirmen in Korea, Taiwan und Singapur gegründet. Im asiatischen Raum erwirtschaftet Applied heute etwa 70 Prozent seiner gesamten Umsatzerlöse.

Im Jahre 1993 stieg das Unternehmen mit dem Überschreiten der Umsatzgrenze von einer Mrd. US-Dollar zum weltweiten Marktführer im Bereich der Fertigungsanlagen für Halbleiter auf. Im Jahre 1997 setzte das Unternehmen seine Expansion durch die Übernahme von Opal und Orbot Instruments fort. Ein Jahr später folgte die Übernahme von Consilium, einem führenden Softwareentwickler in der Halbleiterindustrie. Im Jahre 2000 kaufte Applied dann den Spezialisten Etec Systems. Zuletzt übernahm Applied den Halbleiterspezialisten Boxer Cross, einen Anbieter von Kontrollverfahren bei der Halbleiterfertigung. Im Jahr 2006 übernahm Applied den Halbleiter- und Solarausrüster Applied Films und den Softwarespezialisten Brooks Software. Mitte 2006 verstärkte sich Applied erneut in der Solarindustrie und übernahm den Spezialisten HCT Shaping Systems (HCT). Ende 2007 verstärkte sich Applied durch die Übernahme des italienischen Solar- und Halbleiterausrüsters Baccini S.p.A.

Heute präsentiert sich Applied Materials als weltweit führender Ausrüster für die Halbleiterindustrie, welcher ein komplexes und umfassendes Produktsortiment anbietet. Mit etwa 14.000 Mitarbeiter und über 90 Niederlassungen in 13 Ländern erwirtschaftete das Unternehmen zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als vier Mrd. US-Dollar.

Zu den größten Kunden des Unternehmens zählt unter anderem der Halbleitergigant Intel, als auch der Prozessorhersteller AMD und Motorola. Im Solarausrüstermarkt betreut das Unternehmen inzwischen ebenfalls viele Kunden wie den Spezialisten LDK Solar.

Zahlen

Für das vergangene Juliquartal meldete Applied einen Umsatzrückgang auf 1,13 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 1,85 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Dabei entstand zunächst ein Verlust von 54,9 Mio. Dollar oder vier US-Cent je Aktie, nachdem Applied im Jahr vorher noch 164,8 Mio. Dollar oder 12 US-Cent je Aktie verdiente.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen summierte sich das Minus auf 2,0 Mio. US-Dollar oder 0,00 Dollar je Aktie, womit Applied die Markterwartungen übertreffen konnte. Analysten hatten im Vorfeld nur mit Einnahmen von 958 Mio. Dollar sowie mit einem Nettoverlust von acht US-Cent je Aktie gerechnet.

Insgesamt konnte Applied im jüngsten Quartal neue Aufträge im Volumen von 1,07 Mrd. Dollar verbuchen. Der Auftragsbestand summierte sich zum Quartalsende auf 2,95 Mrd. Dollar, nach 3,16 Mrd. Dollar im Vorquartal.

Meldung gespeichert unter: Applied Materials

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