AMD greift nach den Sternen

Dienstag, 25. Juli 2006 00:00

(IT-Times) Mit der Übernahme des kanadischen Grafik-Chiphersteller ATI Technologies lehnt sich der weltweit zweitgrößte Prozessorherstellers Advanced Micro Devices (NYSE: AMD<AMD.NYS>, WKN: 863186<AMD.FSE>) weit aus dem Fenster. 4,2 Mrd. Dollar in bar sowie 57 Mio. eigene Aktien im Tausch will sich AMD den Einstieg in den Markt für Grafik-Chips kosten lassen.

Um die finanzielle Verpflichtung zu stemmen hat sich AMD 2,5 Mrd. Dollar von der US-Investmentbank Morgan Stanley geliehen, wobei AMD selbst auf Barreserven von 2,5 Mrd. Dollar zurückgreifen kann. Im Zusammenhang mit den ehrgeizigen Expansionsplänen in Dresden kommen auf AMD in den nächsten Jahren erhebliche finanzielle Belastungen zu. Schon haben die Rating-Agenturen Moody`s und S&P angekündigt, das Kredit-Rating von AMD prüfen zu wollen. Sollte eine Herabstufung erfolgen, würde dies für AMD höhere Kosten auf den Kapitalmarkt bedeuten, um seine Expansionspläne zu finanzieren.

Synergieeffekte, aber auch Risiken

Während AMD-Chef Hector Ruiz und ATI-Chef Dave Orton voll des Lobes für den Zusammenschluss sind, sieht man dies am Kapitalmarkt offenbar noch nicht so - der AMD-Aktienkurs gibt deutlich nach. Zwar soll sich die Milliardentransaktion schon im nächsten Jahr und vor allem im Jahr 2008 positiv auf die Gewinnentwicklung AMDs auswirken und zu Synergieeffekten von 75 Mio. Dollar bis Ende 2007 bzw. 125 Mio. Dollar bis 2008 führen, doch bis dahin sieht sich AMD noch zahlreichen Herausforderungen gegenüber.

Da Intel nun einen neuen Preiskampf entfacht hat, muss AMD gerade jetzt auf der Hut sein und weiter am Marktführer dranbleiben. Verzögerungen und Schwierigkeiten bei der Integration von ATI könnten den Zusammenschluss schnell gefährden, da AMD nicht nur die Mittel benötigt, sondern auch die volle Konzentration auf das Kerngeschäft braucht, um gegen den größeren Rivalen Intel langfristig bestehen zu können. Ob Intel weiterhin ATI-Technologie lizenzieren wird, gilt nachdem Zukauf ebenfalls als fraglich. Sollte Intel abspringen, wäre für ATI der Zugang zur Technologie-Roadmap von Intel eingeschränkt, was ATIs Wettbewerbsfähigkeit schwächen würde.

Ob diese Großfusion als eine der wenigen Ausnahmen ein Erfolg wird, bleibt daher abzuwarten. In der Vergangenheit waren die Ergebnisse der bisherigen Mega-Zusammenschlüsse im Technologiebereich eher ernüchternd. Sowohl bei EMC, als auch bei Symantec ging der Aktienkurs nach Großeinkäufen auf Talfahrt, wobei sich die Papiere der beiden Unternehmen bis heute nicht mehr richtig erholen konnten. Unter Unternehmensberatern gilt inzwischen die Faustformel: Umso größer die Fusionspartner, desto schwieriger und komplexer ist die erfolgreiche Umsetzung. AMD ist daher in einer Bringschuld.

Kurzportrait

Der in Sunnyvale/Kalifornien ansässige Prozessorhersteller Advanced Micro Devices (AMD) ist weltweite Nummer zwei hinter dem Halbleitergiganten Intel. In den vergangenen Jahren konnte AMD jedoch bedingt durch seine schnellen und kostengünstigen Prozessoren Duron und Athlon Marktanteile gegenüber seinen großen Konkurrenten Intel aufholen. AMD ist jedoch nicht nur für seine Prozessoren bekannt. Der Halbleiterspezialist ist auch im Flash-Speichergeschäft engagiert und nimmt dort ebenso den zweiten Rang hinter Intel ein.

Mit der neuen 64-Bit-Prozessorgeneration will sich das Unternehmen wieder Vorteile hinsichtlich Performance und Kosten erkämpfen und Intel weitere Marktanteile abnehmen. Darüber hinaus soll der AMD-Serverprozessor Opteron, welcher ebenfalls auf 64-Bit-Technologie basiert, auch im Marktsegment Serverprozessor Intel Paroli bieten. Das Geschäft mit Prozessoren, Netzwerkchips und Chipbausteine trägt nach wie vor zwei Drittel der gesamten AMD-Umsätze. Vier Fünftel der Umsätze erwirtschaftet AMD außerhalb der USA. Hewlett-Packard und Compaq Computer tragen dabei mehr als ein Zehntel des gesamten Umsatzvolumens. Zuletzt konnte AMD aber auch Dell für seine Opteron Server-Chips gewinnen.

Durch die Übernahme von Alchemy Semiconductor im Jahr 2002 war AMD verstärkt auch im Bereich Embedded Mikroprozessoren vertreten. Diesen Geschäftsbereich gab das Unternehmen aber inzwischen wieder auf. Mitte 2006 gab AMD die Übernahme des kanadischen Grafik-Chipherstellers ATI Technologies für rund 5,4 Mrd. Dollar bekannt.

Darüber hinaus ist AMD auch an dem Spezialisten für drahtlose Kommunikationstechnik Aether Systems beteiligt. Aether betreibt unter anderem gemeinsam mit 3Com das Joint Venture OmniSky, welches E-Mail und Internet-Services für Handheld-Computer anbietet. Gemeinsam mit dem japanischen Elektronikkonzern Fujitsu betreibt AMD das Flashspeicher Joint Venture Spansion, welches im Rahmen eines Börsengangs ausgegliedert werden soll. Nach 30 Jahren auf der Kommandobrücke gab AMD-Mitgründer Jerry Sanders im Jahr 2002 seine Führungsposition bei AMD an Hector de Ruiz ab.

Zahlen

Für das vergangene zweite Quartal 2006 meldet AMD einen Umsatzanstieg von 52,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1,22 Mrd. US-Dollar. Der operative Gewinn legte im selben Vergleich nur um 22,9 Prozent zu und summierte sich auf 102 Mio. Dollar. Der Nettogewinn kletterte auf 89 Mio. Dollar oder 18 US-Cent je Aktie.

Hier zeigte sich schon der Margendruck, unter dem AMD steht. Im Vergleich zwischen dem ersten und zweiten Quartal 2006 sank der Umsatz nur um 8,7 Prozent, der operative Gewinn jedoch um 60,6 Prozent. Die durchschnittlichen Verkaufspreise (ASPs) sanken wegen des Preiskampfes ebenfalls. Hinzu kam ein Rückgang beim Absatz. Die Bruttogewinnmarge schwand auf 56,8 Prozent vom Umsatz, nach 58,5 Prozent im ersten Quartal 2006.

Ausgenommen etwaiger Einmalposten blieb unter dem Strich ein Nettogewinn von 16 US-Cent je Aktie übrig, womit AMD die Analystenerwartungen verfehlte. Analysten hatten im Vorfeld mit einem Nettogewinn von 22 US-Cent je Aktie kalkuliert.

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