150 Teilnehmer beim VATM-Glasfasertag in Köln

Mittwoch, 9. Februar 2011 17:04
VATM

Zusammenarbeit zwischen Energieversorgern und TK-Unternehmen nimmt Fahrt auf – Begrenzte Zahlungsbereitschaft beim Endkunden für mehr Bandbreite

Köln, 09. Februar 2011. Der Dialog zwischen TK-Unternehmen und Energieversorgern kommt in Gang. Dafür war der VATM-Glasfasertag in Köln ein klarer Beweis. Roger Kohlmann, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), sprach zur Eröffnung vor rund 150 Teilnehmern gar von einer „Revolution“, die gerade von Energieversorgern und TK-Unternehmen betrieben würde, da die gesamte Infrastruktur angefasst werden müsste. Die einen benötigen für Smart Grid und Smart Metering mehr Intelligenz in ihren Netzen, die anderen vor allem deutlich höhere Übertragungsraten – in beiden Branchen stehen die Netze vor einem radikalen Umbau mit insgesamt Investitionskosten im dreistelligen Milliardenbereich. Synergien und Partnerschaftsmodelle bildeten daher bei der Veranstaltung „FttX gerät in Bewegung: Was tut sich im Land bei der Glasfaser“ einen Themenschwerpunkt. 16 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutierten in drei Panels zu Regulierung, Markt und Finanzierung mit den Gästen über Konzepte und Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen und möglichst flächendeckenden Glasfaserausbau in Deutschland.

So sprach Kohlmann von rund 900 potenziellen Partnern – die Netzbetreiber unter den Versorgungsunternehmen – als Ansprechpartner für die TK-Branche, wenn es um den Ausbau der Glasfasernetze in den Städten und Gemeinden insbesondere im ländlichen Bereich geht. Bei den Modernisierungsarbeiten der Stadtwerke und dem Verlegen neuer Glasfaserkabel können große Synergien erreicht werden. Der BDEW-Hauptgeschäftsführer sieht die Stadtwerke daher in einer wichtigen Rolle als Partner auch für die TK-Infrastruktur in der Smart City. Daher seien auch auf Verbandsebene Kooperationen sinnvoll, um geeignete politische Rahmenbedingungen zu schaffen. „Für unsere Mitgliedsunternehmen geht es derzeit darum, den Blick für die Besonderheiten der TK-Branche zu öffnen und die geeigneten Partner unter den Festnetz- und Mobilfunkbetreibern zu finden. Im Alleingang jedenfalls ist der Netzumbau für kein Unternehmen machbar“, resümierte er.

Der Energieversorger RWE beispielsweise baut in Deutschland seit Jahresbeginn in Kooperation mit verschiedenen kommunalen Energieversorgern und Vodafone neue Glasfaserstrecken, so Dr. Andreas Breuer, Leiter Neue Technolgien/Projekte der RWE Deutschland AG in Essen. Über die Netztrassen von RWE lassen sich per Glasfaser geeignete Kommunen anbinden. Der Schwerpunkt der ausgewählten Projekte liege dabei auf dem Land, insbesondere im Bereich so genannter weißer Flecken. Dr. Breuer: „Bei den meisten Projekten auf dem Land handelt es sich erst einmal um FTTC-Strecken, also Verbindungen bis zum nächsten Hauptverteiler der Telekom, damit überhaupt erst einmal Bandbreite da ist.“

Auch für viele Unternehmen gemeinsam wird es schwierig werden, den bis zu 100 Milliarden Euro teuren Glasfasernetzausbau bis in fast jedes Haus zu stemmen. Die Zahlungsbereitschaft der Endkunden ist äußerst gering, wie eine Studie der United Internet Media AG zeigt. 38 Prozent der Befragten sind gar nicht bereit, für größere Bandbreite (mehr als 16 Mbit/s)  mehr zu bezahlen, 31 Prozent höchstens bis zu fünf Euro. „Das ist der eigentliche Deckel für die Investitionen in die deutschen Glasfasernetze. Nicht wesentlich mehr als 30 Euro dürfte demnach ein solcher Anschluss in Deutschland kosten“, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur (BNetzA), Matthias Kurth, in der ersten Diskussionsrunde. Als Chance für die Deutsche Telekom bezeichnete Kurth in dem Zusammenhang die Entscheidung seiner Behörde, dem Ex-Monopolisten den ersten Vorschlag für den Preis für den Glasfaseranschluss selbst zu überlassen. „Wenn der Preis zu hoch ist, bestellt niemand angesichts des vielfältigen Wettbewerbs der Kabelnetzbetreiber das Produkt“, so der BNetzA-Chef. Die Regulierungsbehörde werde dennoch am Ende sehr genau hinschauen, welchen Preis die Telekom ihren Kunden anbiete im Vergleich zum Mietentgelt, das sie für das Vorprodukt den Wettbewerbern in Rechnung stelle, um Diskriminierungen auszuschließen.

Diese auferlegte nachträgliche Entgeltkontrolle ist aus Sicht des Verbandes jedoch kritisch zu sehen, so VATM-Präsident Gerd Eickers. Er verwies auf die schlechten Erfahrungen bei  VDSL und Bitstrom. Da für den Glasfaserzugang eine verbindliche Einigung des Marktes mit der Deutschen Telekom auf einen „open-access“-basierten Zugang noch nicht vorliege und dieser derzeit im NGA-Forum der BNetzA noch diskutiert werde, könne  nicht von vorneherein von einer freiwilligen marktkonformen Preisgestaltung durch die Telekom ausgegangen werden. Der VATM-Präsident rief zu weniger Aufgeregtheit in der Politik beim Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes auf und plädierte für mehr Vertrauen in den Wettbewerb. Der Wettbewerb bringe den Ausbau deutlich schneller, effizienter und preiswerter voran. 

Eickers betonte, dass nicht an den Bedürfnissen der Kunden vorbeigebaut werden dürfe. Aus Sicht der Verbraucher fehlen derzeit noch die Anwendungen für die neuen Hochgeschwindigkeitsnetze. Der Dienstewettbewerb sei als Faktor beim Breitbandausbau daher nicht zu vernachlässigen, so Philipp Metzger, Vizedirektor und Leiter der Abteilung Telecomdienste beim Schweizer Bundesamt für Kommunikation (Bakom). Vorteile für Investitionen im schweizerischen TK-Markt sieht Metzger insbesondere in Bezug auf das Preisniveau, die Kapitalkosten, die Bevölkerungsdichte und den Leerrohrbestand. Mit dem Regulierungsrahmen in der Schweiz könne aber nur das Kupferanschlussnetz reguliert werden.

Blick in die Schweiz und nach Österreich

In Österreich ist laut Dr. Kurt Reichinger, Abteilungsleiter Technik, bei der RTR GmbH, in den nächsten Jahren nicht mit einem weitgreifenden FTTH-Ausbau zu rechnen. Zwar gebe es mehrere lokale Ausbauten und Testversuche mit FTTC, FTTB und FTTH, eine ähnliche Euphorie unter den Energieversorgern, wie es sie derzeit in Deutschland gebe, könne er in dem Alpenland aktuell aber nicht ausmachen, sagte er. Was Investitionen betreffe, werde sich in Österreich nicht nur die Frage nach der optimalen Technologie für das Festnetz stellen, sondern stehe zudem der weitere Ausbau mobiler Netze auch für mobiles Breitband stark im Fokus. Nur in den Kabelnetzen (Docsis 3.0) gebe es erste Angebote mit 100 Mbit/s für 70 bis 80 Euro im Monat. „Aber die Kunden wechseln nicht in Scharen zu den hochbitratigen Produkten“, so Dr. Reichinger. Die österreichische Telekom versuche, neben den erwähnten FTTx-Pilotprojekten, die Kupferdoppelader bis zum Letzten auszureizen, und auch mobiles Internet für einen Euro pro GB werde als Substitut gut angenommen.

Die beiden folgenden Diskussionsrunden, in denen auch kleine und mittlere Unternehmen wie Avacomm, inexio, TeleMark und das Netzwerk FTTnet ihre Erfahrungen schilderten, verdeutlichten: Die Finanzierung von Breitband erfordert Kapitaleinsatz, Kooperation und kreative Köpfe. „Es gibt immer noch viel Unsicherheit im Markt. Wir müssen möglichst in der Wirtschaft selbst klare Spielregeln festlegen, damit Wettbewerb und Investitionen funktionieren. Und ein zu hoch regulierter Mietpreis für die Kupfer-TAL würde den Ausbau des Glasfasernetzes jedenfalls deutlich hemmen und nicht fördern“, unterstrich Robert Hoffmann, Mitglied des VATM-Präsidium und Vorstandssprecher der 1&1 Internet AG, in seinem Fazit.

Der VATM-Glasfasertag in Köln fand mit freundlicher Unterstützung von GasLINE, FTTnet, CMS Hasch Sigle und der Berthold Sichert GmbH statt.

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