Yahoo - weiter kein Land in Sicht

Donnerstag, 27. Januar 2011 13:15
Yahoo Unternehmenslogo

(IT-Times) - Das Internet-Portal Yahoo (Nasdaq: YHOO, WKN: 900103) und die Führungsriege rund um CEO Carol Bartz sucht weiter nach einem Ausweg aus der Wachstumsmisere. Erneut musste Yahoo im jüngsten Quartal gegenüber dem Vorjahr einen spürbaren Umsatzrückgang hinnehmen.

Die Zeit der großen Internet-Portale scheint vorbei, geht der Trend hin zu Social-Networking-Diensten wie Facebook, Twitter und Foursquare. Zwar zählt Yahoo mit 600 Millionen Internet-Nutzern nach wie vor zu den ganz Großen im Geschäft, doch die Zahl der Seitenaufrufe ging um ein Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück, merkt Credit Suisse Analyst Spencer Wang an - damit musste Yahoo im dritten Quartal in Folge einen Rückgang bei den Seitenaufrufen hinnehmen.

Suchmaschinengeschäft bleibt Sorgenkind
Auch das Suchmaschinengeschäft gibt derzeit wenig Anlass zum Optimismus. Die Partnerschaft mit Microsoft ist zwar angelaufen, doch der große Erfolg lässt auch hier noch auf sich warten. Im Rahmen der Suchmaschinenpartnerschaft wird Yahoo für jede 100 US-Dollar, die das Unternehmen mit Suchmaschinenwerbung umsetzt, 12 US-Dollar an Microsoft abführen. Da Yahoo künftig weniger in Forschung und Entwicklung investieren muss, dürften zwar die operativen Kosten weiter sinken, ob dies auch zu steigenden Marktanteilen im Suchmaschinengeschäft führen wird, bleibt fraglich.

Yahoos Marktanteil im US-Suchmaschinenmarkt sank im Dezember auf 16,0 Prozent, wobei das Unternehmen im Suchmaschinenwerbegeschäft sogar einen Rückgang von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr hinnehmen musste, weiß Williams Capital Analyst Brian Bolan. Wenig ermutigende Zahlen für die Yahoo-Aktionäre, die auf einen schnellen Turnaround durch die Partnerschaft mit Microsoft gehofft hatten.

Ein Lichtblick ist hingegen das Display-Anzeigengeschäft, welches um 16 Prozent wuchs. Auch das Suchmaschinenwerbegeschäft könnte sich im Jahresverlauf wieder erholen, wenn Microsoft Yahoo bei der Monetarisierung hilft, glaubt JP Morgan Analyst Imran Khan.

Asien-Assets vor dem Verkauf
Große Hoffnungen hegen die leidgeprüften Yahoo-Aktionäre auch im Zusammenhang mit dem Verkauf der Asien-Assets. Die Analysten bei Needham taxieren die Vermögenswerte von Yahoo in Asien auf 12 Mrd. US-Dollar. Hierzu zählen unter anderem die 34%ige Beteiligung an Yahoo Japan sowie die 40%ige Beteiligung an Chinas E-Commerce Giganten Alibaba.

Marktbeobachter gehen davon aus, dass sich Yahoo möglicherweise schon in diesem Jahr von seinen Asien-Assets trennen wird, um in andere Wachstumsbereiche zu investieren. Dieses Wachstum benötigt Yahoo dringend, will das Unternehmen nicht von Facebook & Co überrollt werden...

Kurzportrait

Das Internet-Unternehmen Yahoo wurde ursprünglich im Jahre 1994 von den Studenten Jerry Yang und David Filo als Internet-Suchmaschine gegründet. Die Suchmaschine Yahoo sollte das Navigieren im weltweiten Datennetz erleichtern und das Auffinden von Informationen vereinfachen. Heute präsentiert sich das Unternehmen als vollwertiges Internet-Portal, das seinen weltweit mehr als 600 Millionen Nutzern im Monat umfassende Services und Zusatzdienste bietet.

Der eigentliche Aufstieg der Gesellschaft begann im Jahre 1996 mit dem Börsengang an die Nasdaq. So folgten bereits zwei Jahre nachdem IPO die Übernahmen der Internet-Unternehmen WebCal, Viaweb, HyperParallel und Yoydyne Entertainment. Im Jahr 1999 wurden weitere Zukäufe getätigt und anderem die weltweit führende Online-Gemeinschaft GeoCities, als auch der Internet-Dienst broadcast.com übernommen, wobei GeoCities inzwischen wieder geschlossen wurde. Nach und nach wurden Auslandstöchter gegründet und das inhaltliche Angebot weiter ergänzt, so dass Yahoo bereits im Jahre 1998 ein umfassendes Inhaltsangebot anbieten konnte und nicht länger nur als Suchmaschine fungierte.

In den Jahren 1999 bis 2000 ergänzte das Unternehmen sein Angebot durch weitere Zukäufe. Mit der Akquisition der Online-Stellenbörse HotJobs.com konnte Yahoo den Mitbieter TMP Worldwide ausstechen, inzwischen wurde HotJobs.com an den Konkurrenten Monster abgegeben. Im Jahr 2002 übernahm Yahoo den Suchmaschinenspezialisten Inktomi, um seine Suchtechnik zu stärken. Im Jahr 2003 verstärkte sich Yahoo durch die Übernahme von Overture Services im Bereich "sponsored Links", um dem bisherigen Marktführer Google die Stirn zu bieten. Danach folgte die Übernahme des chinesischen Suchspezialisten 3721 Network Software. Anschließend übernahm Yahoo den Web-Spezialisten Musicmatch und den VoIP-Spezialisten DialPad Communications. Gleichzeitig beteiligte sich Yahoo mit insgesamt einer Mrd. Dollar mit 40 Prozent an Chinas führendem E-Commerce Unternehmen Alibaba und brachte damit seine China-Aktivitäten in das Venture mit ein. Daneben hält Yahoo noch eine 34%ige Beteiligung an Yahoo Japan.

Später übernahm Yahoo den Bookmark-Dienst Del.icio.us sowie die Musik-Community Webjay. Mit demVideo-Editor Jumpcut und den Online-Werbespezilaisten AdInterax folgten weitere Zukäufe. Anfang 2007 kaufte man die Online-Community MyBlogLog. Später übernahm Yahoo den Spezialisten Right Media vollständig. Mitte 2007 schluckte Yahoo die Webseite Rivals.com, das Werbenetzwerk BlueLithium und den Email-Spezialisten Zimbra und die Newsseite BuzzTracker. Anfang 2008 übernahm Yahoo die Videoplattform Maven Networks und den Marketing-Spezialisten IndexTools. Ende 2008 trennte sich Yahoo von seiner Preissuchmaschine Kelkoo. Im Herbst 2009 schluckte Yahoo die arabische Internet-Community Maktoob.com. Anfang 2010 trennte sich Yahoo wieder von Zimbra und verkaufte den Email-Spezialisten an VMware. Anfang 2010 wurde die indonesische Koprol übernommen.

Die Einnahmequelle Online-Werbung trägt nach wie vor die Mehrheit der gesamten Yahoo-Umsätze. Durch Kooperationen mit AT&T und BT vermarktet Yahoo! auch erfolgreich Breitbandzugangsservices. Die beiden Firmengründer David Filo und Jerry Yang halten nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an Yahoo.

Zahlen

Für das vergangene Dezemberquartal meldete Yahoo einen Umsatzrückgang um 12 Prozent auf 1,53 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 1,73 Mrd. Dollar in der Vorjahresperiode. Abzüglich Partner-Kommissionen realisierte Yahoo einen Nettoumsatz von 1,2 Mrd. Dollar.

Trotz des Umsatzrückgangs konnte Yahoo seinen Gewinn gegenüber dem Vorjahr auf 312 Mio. US-Dollar oder 24 US-Cent je Aktie verdoppeln, nach einem Profit von 153 Mio. Dollar oder elf US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen durch Stellenstreichungen konnte Yahoo einen Nettogewinn von 26 US-Cent je Aktie ausweisen und damit die Gewinnerwartungen der Analysten übertreffen. Analysten hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 1,19 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 22 US-Cent je Aktie gerechnet. Der Gewinnanstieg erklärt sich dann auch durch weitere Kostensenkungen. So hat Yahoo in den vergangenen zwei Monaten mehr als 700 Mitarbeiter entlassen, womit Yahoo das Jahr 2010 mit 13.600 Mitarbeitern beendete. Darüber hinaus kündigte Yahoo am Vortag an, weitere 100 bis 150 Stellen abbauen zu wollen, wodurch die Mitarbeiterzahl um weitere ein Prozent schrumpfen soll.

Meldung gespeichert unter: Yahoo

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