Yahoo - Turnaround lässt weiter auf sich warten

Mittwoch, 27. Oktober 2010 13:28
Yahoo Campus

(IT-Times) - Die Aktien des Internet-Portals Yahoo (Nasdaq: YHOO, WKN: 900103) präsentierten sich zuletzt weiter fester, nachdem das Unternehmen Umsatz- und Gewinnzuwächse verzeichnete und die Markterwartungen der Analysten übertreffen konnte.

Yahoo-Chefin Carol Bartz zeigte sich dann auch zufrieden mit den erreichten Ergebnissen, zumal die Erlöse aus dem traditionellen Anzeigengeschäft um 17 Prozent zulegten. Die Yahoo-Chefin spricht inzwischen von substantiellen Fortschritten im Bezug auf mehr Wachstum und eine höhere Profitabilität.

Besucher verbringen weniger Zeit auf Yahoo - Yahoo Mail verliert Nutzer
Allerdings ist dies nur die halbe Wahrheit. Im ersten Halbjahr 2010 zog der Yahoo-Umsatz gerade einmal um ein Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,2 Mrd. Dollar an. Zwar verzeichnete Yahoo auf seinen Webseiten mehr als 600 Millionen Besucher im Monat weltweit, allerdings verbringen diese Nutzer immer weniger Zeit auf Yahoo-Seiten, wie Statistiken der Marktforscher belegen. Demnach sank die Verweildauer auf Yahoo-Seiten im Monat August um neun Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Hintergrund ist der massive Wettbewerb durch Social-Networking-Seiten wie Facebook und Twitter, die immer mehr Nutzer in ihren Bann ziehen. Auch in Sachen Email-Services musste Yahoo zuletzt zusehen, wie immer mehr Nutzer zum Rivalen Google Gmail abwanderten. Im September sanken die Yahoo Mail Nutzerzahlen um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 94,6 Millionen, so die Marktforscher aus dem Hause comScore. Gmail legte dagegen um 25 Prozent auf 49 Millionen Nutzer zu.

Um den Nutzerschwund aufzuhalten, will Yahoo seinen Email-Service durch Updates verbessern. Eine neue Version von Yahoo Mail will Yahoo bereits heute präsentieren. Die neue Version soll künftig auch Posts von Twitter enthalten und noch besser vor Spam-Mails schützen, heißt es bei Yahoo.

Yahoo vor Übernahme von AOL?
In jedem Fall muss sich Yahoo etwas einfallen lassen, will das Unternehmen langfristig gegen Social-Networking-Riesen wie Facebook und Twitter bestehen. Seit Wochen halten sich daher die Gerüchte, dass Yahoo das konkurrierende Internet-Portal AOL übernehmen will. Investoren sollen bereits hinter den Kulissen entsprechende Pläne durchspielen, wie ein Merger wohl am besten vollzogen werden kann.

Eine Übernahme von AOL durch Yahoo würde durchaus Sinn machen, glauben Marktbeobachter wie TechCrunch-Experte Erik Schonfeld und Business Insider Fachmann Henry Blodget. Der erfahrene Internet-Manager und AOL-Chef Tim Armstrong könnte das Ruder bei Yahoo übernehmen, während Carol Bartz als Chairman fungieren könnte.

Auch Piper Jaffray Analyst Gene Munster sieht in dem Konzept Synergieeffekte, sollte die Yahoo den Konkurrenten AOL tatsächlich übernehmen. Allerdings glaubt man im Analystenlager bislang nicht, dass der Deal die Ziellinie überschreiten wird. Zu groß sind derzeit die Herausforderungen bei beiden Unternehmen, ihre Wachstumsprobleme in den Griff zu bekommen. Während die Umsätze bei AOL weiter sinken, kämpft Yahoo mit weiter rückläufigen Marktanteilen im Suchmaschinenmarkt…

Kurzportrait

Das Internet-Unternehmen Yahoo wurde ursprünglich im Jahre 1994 von den Studenten Jerry Yang und David Filo als Internet-Suchmaschine gegründet. Die Suchmaschine Yahoo sollte das Navigieren im weltweiten Datennetz erleichtern und das Auffinden von Informationen vereinfachen. Heute präsentiert sich das Unternehmen als vollwertiges Internet-Portal, das seinen weltweit mehr als 600 Millionen Nutzern im Monat umfassende Services und Zusatzdienste bietet.

Der eigentliche Aufstieg der Gesellschaft begann im Jahre 1996 mit dem Börsengang an die Nasdaq. So folgten bereits zwei Jahre nachdem IPO die Übernahmen der Internet-Unternehmen WebCal, Viaweb, HyperParallel und Yoydyne Entertainment. Im Jahr 1999 wurden weitere Zukäufe getätigt und anderem die weltweit führende Online-Gemeinschaft GeoCities, als auch der Internet-Dienst broadcast.com übernommen, wobei GeoCities inzwischen wieder geschlossen wurde. Mit der Akquisition von Online Anywhere, Encompass und Log-Me-On.com stillte das Unternehmen seinen Expansionsdrang. Nach und nach wurden Auslandstöchter gegründet und das inhaltliche Angebot weiter ergänzt, so dass Yahoo bereits im Jahre 1998 ein umfassendes Inhaltsangebot anbieten konnte und nicht länger nur als Suchmaschine fungierte.

In den Jahren 1999 bis 2000 ergänzte das Unternehmen sein Angebot durch weitere Special-Interest-Angebote. Im Jahr 2001 folge die Übernahme des Online-Musikdienstes Launch Media. Mit der Akquisition der Online-Stellenbörse HotJobs.com konnte Yahoo den Mitbieter TMP Worldwide ausstechen. Im Jahr 2002 übernahm Yahoo den Suchmaschinenspezialisten Inktomi, um seine Suchtechnik zu stärken. Im Jahr 2003 verstärkte sich Yahoo durch die Übernahme von Overture Services im Bereich „sponsored Links“, um dem bisherigen Marktführer Google die Stirn zu bieten. Danach folgte die Übernahme des chinesischen Suchspezialisten 3721 Network Software. Anschließend übernahm Yahoo den Web-Spezialisten Musicmatch und den VoIP-Spezialisten DialPad Communications. Gleichzeitig beteiligte sich Yahoo mit insgesamt einer Mrd. Dollar mit 40 Prozent an Chinas führendem E-Commerce Unternehmen Alibaba und brachte damit gleichzeitig seine China-Aktivitäten in das Venture mit ein.

Später übernahm Yahoo den Bookmark-Dienst Del.icio.us sowie die Musik-Community Webjay. Gleichzeitig kaufte Yahoo den Video-Editor Jumpcut. Im Herbst folgte schließlich die Akquisition des Online-Werbespezilaisten AdInterax. Ende 2006 übernahm Yahoo über seine Einheit Yahoo Kimo die taiwansche Social-Media-Plattform WRETCH. Anfang 2007 kaufte man die Online-Community MyBlogLog. Später übernahm Yahoo den Spezialisten Right Media vollständig. Mitte 2007 schluckte Yahoo die Webseite Rivals.com, das Werbenetzwerk BlueLithium sowie den Email-Spezialisten Zimbra und die Newsseite BuzzTracker. Anfang 2008 übernahm Yahoo die Videoplattform Maven Networks und den Marketing-Spezialisten IndexTools. Ende 2008 trennte sich Yahoo von seiner Preissuchmaschine Kelkoo. Mitte 2009 übernahm Yahoo den Foto-Service Xoopit. Im Herbst 2009 schluckte Yahoo die arabische Internet-Community Maktoob.com. Anfang 2010 trennte sich Yahoo wieder von Zimbra und verkaufte den Email-Spezialisten an VMware. Anfang 2010 wurde die indonesische Koprol übernommen.

Die Einnahmequelle Online-Werbung trägt nach wie vor die Mehrheit der gesamten Yahoo-Umsätze. Durch Kooperationen mit AT&T und BT vermarktet Yahoo! auch erfolgreich Breitbandzugangsservices. Die beiden Firmengründer David Filo und Jerry Yang halten nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an Yahoo.

Zahlen

Für das vergangene Septemberquartal meldet Yahoo einen Umsatzanstieg um zwei Prozent auf 1,6 Mrd. US-Dollar. Ausgenommen etwaiger Provisionen an Werbepartner summierte sich der Nettoumsatz auf 1,2 Mrd. US-Dollar. Der Nettogewinn verdoppelte sich auf 396 Mio. US-Dollar oder 29 US-Cent je Aktie, nach einem Profit von 186 Mio. Dollar oder 13 US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Yahoo im vergangenen Quartal einen Nettogewinn von 16 US-Cent je Aktie realisieren und damit die Gewinnerwartungen der Analysten um einen Cent übertreffen. Allerdings hatte man an der Wall Street zunächst mit Einnahmen von 1,3 Mrd. Dollar gerechnet.

Meldung gespeichert unter: Yahoo

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