Yahoo leidet weiter unter Altlasten

Mittwoch, 18. Juli 2007 13:14
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(IT-Times) Anleger, die auf eine schnelle Wende beim amerikanischen Internet-Portal Yahoo! (Nasdaq: YHOO, WKN: 900103) gehofft haben, wurden zuletzt enttäuscht. Abermals musste Yahoo! einen Gewinnrückgang gegenüber dem Vorjahresquartal melden, wobei das Unternehmen auch erstmals Fehler im Hinblick auf seine Strategie eingestand.

Der neue Yahoo-Chef Jerry Yang will in den nächsten 100 Tagen einen Strategieplan ausarbeiten, wie Yahoo wieder auf die Erfolgsspur zurückkehren kann. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem eine schlankere Organisation, die schneller auf Marktgegebenheiten reagieren kann. Gleichzeitig kündigt Yahoo weitere Investitionen in neue Produkte und Technologien an, wobei man zudem auch eigene Talente besser fördern will. Der Yahoo-Mitgründer stellte auch klar, dass es keine heiligen Kühe geben wird und man nunmehr schnell handeln müsse.

Web 2.0-Angebote stehlen Yahoo die Show
Auch das Hauptproblem scheint Yahoo erkannt zu haben. Obwohl Yahoo auch heute noch als das weltweit größte Web-Portal für Konsumenten gilt, schwindet der Einfluss von Yahoo zunehmend. Der Marktanteil des Internet-Portals am gesamten Web sinkt. Hintergrund ist der große Erfolg von Web 2.0 Angeboten wie YouTube, MySpace.com, Digg.com oder Facebook, die immer mehr Nutzer um sich scharen.

Vor allem den Wert von YouTube und Facebook hat man bei Yahoo völlig unterschätzt. Während man sich im Bieterkampf um YouTube von Google ausstechen ließ, agierte man auch bei Facebook zu zögerlich. So soll Yahoo laut US-Medienberichten im Herbst letzten Jahres rund eine Mrd. Dollar für Facebook geboten haben, jedoch schätzt Facebook-Aufsichtsratsmitglied Peter Thiel den Wert des Web 2.0-Angebots heute auf acht bis zehn Mrd. Dollar.

Panama lässt hoffen
Die Hoffnungen Yahoos liegen derzeit auf dem überarbeiteten Werbesystems Namens Panama. Durch die Einführung von Panama seien die Einnahmen durch Werbeklicks zweistellig gewachsen, heißt es bei Yahoo. Auch für das zweite Halbjahr 2007 stellt Yahoo in dieser Hinsicht weitere Verbesserungen in Aussicht.

Mit Panama kommt unter anderem ein neues Ranking-System zum Einsatz, welches für verbesserte Klickraten und Werbeeinnahmen sorgen soll. Nachdem das System im ersten Quartal in den USA an den Start ging, habe man nunmehr die Integration des Systems auch in Japan abgeschlossen. Auch in Europa sei man mit den Integrationsarbeiten fast fertig, wobei man den neuen Ranking-Algorithmus in wenigen Wochen in England einsetzen will. In Taiwan, Hongkong, Korea, Brasilien und in Australien soll das neue Panama-System noch bis zum Jahresende zum Einsatz kommen.

Kurzportrait

Das Internet-Unternehmen Yahoo! wurde ursprünglich im Jahre 1994 von den Studenten Jerry Yang und David Filo als Internet-Suchmaschine gegründet. Die Suchmaschine Yahoo! sollte das Navigieren im weltweiten Datennetz erleichtern und das Auffinden von Informationen vereinfachen. Heute präsentiert sich das Unternehmen als vollwertiges Internet-Portal, das seinen weltweit mehr als 400 Mio. Nutzern im Monat umfassende Services und Zusatzdienste bietet.

Der eigentliche Aufstieg der Gesellschaft begann im Jahre 1996 mit dem Börsengang an die Nasdaq. So folgten bereits zwei Jahre nach dem IPO die Übernahmen der Internet-Unternehmen WebCal, Viaweb, HyperParallel und Yoydyne Entertainment. Im Jahre 1999 nutzte das Unternehmen geschickt die hohe eigene Börsenbewertung für weitere milliardenschwere Zukäufe. So wurde unter anderem die weltweit führende Online-Gemeinschaft GeoCities, wie auch der Internet-Dienst broadcast.com übernommen. Mit der Akquisition von Online Anywhere, Encompass und Log-Me-On.com stillte das Unternehmen seinen Expansionsdrang. Nach und nach wurden Auslandstöchter gegründet und das inhaltliche Angebot weiter ergänzt, so dass Yahoo! bereits im Jahre 1998 ein umfassendes Inhaltsangebot anbieten konnte und nicht länger nur als Suchmaschine fungierte.

In den Jahren 1999 bis 2000 ergänzte das Unternehmen sein Angebot durch weitere Special-Interest-Angebote. Im Jahr 2001 folge die Übernahme des Online-Musikdienstes Launch Media. Mit der Akquisition der Online-Stellenbörse HotJobs.com konnte Yahoo! den Mitbieter TMP Worldwide ausstechen. Im Jahr 2002 übernahm das Internet-Portal den Suchmaschinenspezialisten Inktomi, um seine Suchfunktionen weiter zu stärken. Im Jahr 2003 verstärkte sich Yahoo! durch die Übernahme von Overture Services im Bereich „sponsored Links“, um dem bisherigen Marktführer Google die Stirn zu bieten. Danach folgte die Übernahme des chinesischen Suchspezialisten 3721 Network Software. Anschließend übernahm Yahoo! den Web-Spezialisten Musicmatch und den VoIP-Spezialisten DialPad Communications. Gleichzeitig beteiligte sich Yahoo! für insgesamt einer Mrd. Dollar mit 40 Prozent an Chinas führendem E-Commerce Unternehmen Alibaba.com und brachte damit gleichzeitig seine China-Aktivitäten in das Venture mit ein. Zuletzt übernahm Yahoo! den Bookmark-Dienst Del.icio.us sowie die Musik-Community Webjay. Im Juni 2006 erwarb Yahoo! zehn Prozent an dem südkoreanischen E-Commerce-Spezialisten GMarket. Gleichzeitig kaufte Yahoo! den Video-Editor Jumpcut. Im Herbst folgte schließlich die Akquisition des Online-Werbespezilaisten AdInterax. Gleichzeitig beteiligte sich Yahoo! mit 20 Prozent an der New Yorker Right Media. Ende 2006 übernahm Yahoo! über seine Einheit Yahoo! Kimo die taiwansche Social-Media-Plattform WRETCH. Anfang 2007 kaufte man die Online-Community MyBlogLog. Später übernahm Yahoo den Spezialisten Right Media vollständig. Mitte 2007 schluckte Yahoo die Webseite Rivals.com.

Die Einnahmequelle Werbeeinnahmen trägt nach wie vor die Mehrheit der gesamten Yahoo-Umsätze. Durch Kooperationen mit SBC Communications und BT vermarktet Yahoo! auch erfolgreich Breitbandzugangsservices. Die beiden Firmengründer David Filo und Jerry Yang halten nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an Yahoo!, wobei Jerry Yang in 2007 den glücklosen Terry Semel als Yahoo-CEO ablöste.

Zahlen

Für das zurückliegende Juniquartal meldete Yahoo einen Umsatzanstieg auf 1,7 Mrd. US-Dollar, ein Zuwachs von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ausgenommen etwaiger Werbekommissionen ergibt sich für das jüngste Quartal ein Nettoumsatz von 1,24 Mrd. Dollar - ein Zuwachs von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn fiel auf 160,6 Mio. Dollar oder elf US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 164,3 Mio. Dollar im Jahr vorher.

Mit den vorgelegten Zahlen konnte Yahoo zunächst die Erwartungen der Wall Street erfüllen. Analysten hatten im Vorfeld mit einem Nettoumsatz von 1,24 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von elf US-Cent je Aktie kalkuliert.

Meldung gespeichert unter: Yahoo

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