Yahoo! gerät unter Zeitdruck

Donnerstag, 20. Juli 2006 00:00

(IT-Times) Die jüngsten Zahlen des Internet-Portals Yahoo! (Nasdaq: YHOO<YHOO.NAS> WKN: 900103<YHO.FSE>) zeigen in welchem Dilemma sich das weltweit meistbesuchte Internet-Portals derzeit befindet.

Zum einen verlor Yahoo mit Microsoft einen langjährigen Werbepartner, der künftig mit seiner eigenen Suchtechnologie Fuß fassen will und in Konkurrenz zu Yahoo treten wird. Auf der anderen Seite verliert Yahoo scheinbar kontinuierlich Marktanteile an den Wettbewerber Google. Im Juni liefen 44,7 Prozent aller US-Suchanfragen über Google, während Yahoo nur noch 28,5 Prozent der Suchanfragen abwickelte. Umso schwerer wiegt Yahoos Ankündigung, dass sich die neue Online-Werbeplattform des Unternehmens um zwei bis drei Monate verzögern wird. Dabei geht es um eine Technologie, die Werbebanner noch kontextbezogener zum Inhalt der Webseite platziert. Googles Algorithmus gilt in diesem Bereich als überlegen.

Entsprechend frustriert ist man auch im Analystenlager, insbesondere da Yahoo keine wirklich gute Begründung für die Verzögerungen bei seiner Werbeplattform parat hat, meint etwa Piper Jaffray Analyst Safa Rashtchy, der Yahoo-Aktien wie auch viele andere Analysten herabstufte.

Microsoft als weißer Ritter?

Die Verzögerungen beim so genannten Project Panama führten letztendlich dazu, dass der Yahoo-Aktienkurs um knapp 22 Prozent einbrach und damit auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren sank. Damit wird das meistbesuchte Internet-Portal, dass im Juni 128 Mio. Besucher verzeichnete, mit rund 35,5 Mrd. Dollar vergleichsweise günstig bewertet.

Diese Bewertung lässt erneut Übernahmespekulationen aufkommen, die schon Ende Juni durch Merrill Lynch Analyst Justin Post gestreut wurden. Nach Meinung von Post sollte Microsoft Yahoo übernehmen, um im Portal- und Suchmaschinenmarkt stärker Fuß zu fassen. Microsoft hat den Nachteil, relativ spät in den Markt gestartet zu sein. Mit der Übernahme von Yahoo könnte sich Microsofts MSN-Portal mit einem Schlag einen Marktanteil von 41 Prozent am US-Suchmaschinenmarkt sichern, argumentiert Post. Zugleich würde ein Zusammenschluss Microsofts Position in wichtigen asiatischen Märkten deutlich stärken. Yahoo China konnte sich im Reich der Mitte durch die Kooperation mit Alibaba zuletzt an Google vorbeischieben und einen Marktanteil von 21,1 Prozent sichern, so die Marktforscher des Hauses Analysys.

Obgleich sich Yahoo für die Selbständigkeit oder für einen Zusammenschluss entscheidet, bleibt jedoch ein Problem bestehen: Jefferies & Co Analyst Youssef Squali bringt es auf den Punkt: „Yahoo braucht nicht mehr Traffic, um seinen Umsatz weiter zu steigern, sondern eine bessere Suchmaschine“.

Kurzportrait

Das Internet-Unternehmen Yahoo wurde ursprünglich im Jahre 1994 von den Studenten Jerry Yang und David Filo als Internet-Suchmaschine gegründet. Die Suchmaschine Yahoo sollte das Navigieren im weltweiten Datennetz erleichtern und das Auffinden von Informationen vereinfachen. Heute präsentiert sich das Unternehmen als vollwertiges Internet-Portal, welches seinen weltweit mehr als 250 Mio. Nutzern im Monat umfassende Services und Zusatzdienste bietet.

Der eigentliche Aufstieg der Gesellschaft begann im Jahre 1996 mit dem Börsengang von Yahoo an die Nasdaq. So folgten bereits zwei Jahre nach dem Börsengang die Übernahmen der weniger bekannten Internet-Unternehmen WebCal, Viaweb, HyperParallel und Yoydyne Entertainment. Im Jahre 1999 nutzte das Unternehmen geschickt die hohe Bewertung der Gesellschaft an der Börse für weitere milliardenschwere Zukäufe. So wurde unter anderem die weltweit führende Online-Gemeinschaft GeoCities, wie auch der Internet-Dienst broadcast.com übernommen. Mit der Akquisition von Online Anywhere, Encompass und Log-Me-On.com stillte das Unternehmen seinen Expansionsdrang. Nach und nach wurden Auslandstöchter gegründet und das inhaltliche Angebot weiter ergänzt, so dass Yahoo bereits im Jahre 1998 ein umfassendes Inhaltsangebot anbieten konnte und nicht länger nur als Suchmaschine fungierte.

In den Jahren 1999 bis 2000 ergänzte das Unternehmen sein Angebot durch weitere Special-Interest-Angebote. Im Jahre 2001 folge schließlich die Übernahme des Online-Musikdienstes Launch Media. Mit der Akquisition der Online-Stellenbörse HotJobs.com konnte Yahoo den Mitbieter TMP Worldwide ausstechen. Im Jahr 2002 übernahm das Internet-Portal den Suchmaschinenspezialisten Inktomi, um seine Suchfunktionen weiter zu stärken. Im Jahr 2003 verstärkte sich Yahoo durch die Übernahme von Overture Services für rund 1,8 Mrd. Dollar im Bereich „sponsored Links“, um dem bisherigen Marktführer Google die Stirn zu bieten. Danach folgte die Übernahme des chinesischen Suchspezialisten 3721 Network Software für 120 Mio. Dollar. Dann übernahm Yahoo die Web-Spezialisten Musicmatch und übernahm Yahoo! den VoIP-Spezialisten DialPad Communications. Gleichzeitig beteiligte sich Yahoo für insgesamt einer Mrd. Dollar mit 40 Prozent an Chinas führendem E-Commerce Unternehmen Alibaba.com. Zuletzt übernahm Yahoo den Bookmark-Dienst Del.icio.us sowie die Musik-Community Webjay. Im Juni 2006 erwarb Yahoo für 60 Mio. Dollar zehn Prozent an dem südkoreanischen E-Commerce-Spezialisten GMarket.

Die Einnahmequelle Werbeeinnahmen trägt jedoch nach wie vor die Mehrheit der gesamten Yahoo-Umsätze. Durch Kooperationen mit SBC Communications und BT vermarktet Yahoo auch erfolgreich Breitbandzugangsservices. Die beiden Firmengründer David Filo und Jerry Yang halten nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an Yahoo.

Zahlen

Für das vergangene zweite Quartal 2006 meldet Yahoo einen Anstieg des Nettoumsatzes auf 1,12 Mrd. Dollar, was einem Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dabei brach der Nettogewinn um 78 Prozent auf 164,3 Mio. Dollar oder elf US-Cent je Aktie ein, nach einem Plus von 754,7 Mio. Dollar oder 51 US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Im Vorjahr erzielte Yahoo allerdings einen Einmalertrag in Höhe von 552 Mio. Dollar aus dem Verkauf seiner restlichen Google-Beteiligung.

Mit den vorgelegten Zahlen im jüngsten Quartal konnte Yahoo die Gewinnerwartungen der Analysten erfüllen. An der Wall Street hatte man im Vorfeld allerdings mit Einnahmen von 1,14 Mrd. Dollar kalkuliert.

Insgesamt konnte Yahoo im jüngsten Quartal einen positiven Cashflow aus der operativen Geschäftstätigkeit von 420 Mio. Dollar generieren - ein Plus von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der freie Cashflow summierte sich auf 358 Mio. Dollar, ein Zuwachs von 19 Prozent.

Während das US-Geschäft um 23 Prozent auf 1,07 Mrd. Dollar kletterte, zog das internationale Geschäft um 32 Prozent auf 506 Mio. Dollar an. Die Barreserven summierten sich zum Quartalsende auf 3,97 Mrd. Dollar, nach 3,83 Mrd. Dollar im Vorquartal.

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