Yahoo!: From Dusk Till Down?

Freitag, 20. Oktober 2006 00:00

(IT-Times) Nicht nur, das Yahoo! (Nasdaq: YHOO<YHOO.NAS> WKN: 900103<YHO.FSE>) im jüngsten Quartal einen Gewinnrückgang um 38 Prozent hinnehmen musste, gleichzeitig enttäuschte das weltweit führende Internet-Portal mit einem verhaltenen Ausblick auf das laufende vierte Quartal. Der Yahoo-Aktienkurs fiel daraufhin auf ein neues Jahrestief bei unter 23 US-Dollar.

Yahoo! verliert weiter Marktanteile

Yahoo-Chef Terry Semel zeigte sich dann auch unzufrieden über die jüngste Geschäftsentwicklung und versprach Besserung. Als Erstes wolle man die Lücke zum Branchenprimus Google schließen, heißt es. Insbesondere das Projekt Panama soll dazu beitragen, Yahoo wieder auf die Gewinnerstraße zurückzubringen. Mit Panama soll ein verbessertes System für die Platzierung von Online-Anzeigen kommen, wobei das Projekt Anfang 2007 fertig sein soll. Darüber hinaus will man auch in anderen Bereichen, wie im Segment Social Media Fuß fassen.

Doch noch zeigen die Zahlen in die entgegensetzte Richtung. Auch im vergangenen Monat September hat Yahoo! wieder Marktanteile gegenüber Google verloren. Während Googles US-Marktanteil nach Angaben von comScore Media Metrix auf 45 Prozent kletterte, verlor Yahoo! weiter an Boden und kam zuletzt nur noch auf einen Marktanteil von 28 Prozent - ein Prozentpunkt weniger als im Vormonat. Auch Caris-Analyst Tim Boyd sieht die schwachen Ergebnisse von Yahoo! im Zusammenhang mit Marktanteilsverlusten. Yahoo! habe scheinbar nicht nur Marktanteile im Bereich Internet-Suche, sondern auch bei Anzeigenwerbung verloren, so der Analyst. Werbetreibende würden zunehmend mehr Wert auf Targeting legen, meint Boyd. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Nutzer, sondern die richtige Zielgruppe zu erreichen. Andere Plattformen wie MySpace und Facebook würden dagegen ein besseres Targeting bieten, führt der Caris-Analyst weiter aus.

Die Sache mit Facebook

Schon seit Wochen kursieren Gerüchte über eine bevorstehende Übernahme der Social-Networking-Seite Facebook durch Yahoo!. Nach der Übernahme von MySpace.com durch News Corp, sowie der Übernahme von YouTube durch Google, sieht sich Yahoo! unter Druck. Doch trotz monatelanger Gespräche sei ein Abkommen inzwischen in weite Ferne gerückt, heißt es aus der Branche. Zum einen sei der im Raum stehende Kaufpreis von 0,8 bis 1,0 Mrd. Dollar recht ambitioniert, zum anderen wolle sich der 22-jährige Facebook-Gründer Mark Zuckerberg derzeit nicht von seinem Unternehmen trennen, heißt es. Auch offene Fragen bezüglich der Kontrolle des Unternehmens nach der Übernahme durch Yahoo! scheinen einen schnellen Abschluss derzeit zu behindern.

Sollte die Übernahme von Facebook scheitern, ruhen die Hoffnungen vor allem auf dem Projekt Panama und den jüngsten Zukäufen im Werbesegment (AdInterax). Panama könnte damit der letzte große Trumpf Yahoos im Kampf gegen die überlegene Google-Technik sein. Caris-Analyst Boyd bringt es nach den jüngsten Google-Zahlen auf den Punkt: "Diese Jungs machen weiter einfach alles platt".

Kurzportrait

Das Internet-Unternehmen Yahoo wurde ursprünglich im Jahre 1994 von den Studenten Jerry Yang und David Filo als Internet-Suchmaschine gegründet. Die Suchmaschine Yahoo sollte das Navigieren im weltweiten Datennetz erleichtern und das Auffinden von Informationen vereinfachen. Heute präsentiert sich das Unternehmen als vollwertiges Internet-Portal, welches seinen weltweit mehr als 250 Mio. Nutzern im Monat umfassende Services und Zusatzdienste bietet.

Der eigentliche Aufstieg der Gesellschaft begann im Jahre 1996 mit dem Börsengang an die Nasdaq. So folgten bereits zwei Jahre nach dem IPO die Übernahmen der weniger bekannten Internet-Unternehmen WebCal, Viaweb, HyperParallel und Yoydyne Entertainment. Im Jahre 1999 nutzte das Unternehmen geschickt die hohe eigene Börsenbewertung für weitere milliardenschwere Zukäufe. So wurde unter anderem die weltweit führende Online-Gemeinschaft GeoCities, wie auch der Internet-Dienst broadcast.com übernommen. Mit der Akquisition von Online Anywhere, Encompass und Log-Me-On.com stillte das Unternehmen seinen Expansionsdrang. Nach und nach wurden Auslandstöchter gegründet und das inhaltliche Angebot weiter ergänzt, so dass Yahoo bereits im Jahre 1998 ein umfassendes Inhaltsangebot anbieten konnte und nicht länger nur als Suchmaschine fungierte.

In den Jahren 1999 bis 2000 ergänzte das Unternehmen sein Angebot durch weitere Special-Interest-Angebote. Im Jahre 2001 folge schließlich die Übernahme des Online-Musikdienstes Launch Media. Mit der Akquisition der Online-Stellenbörse HotJobs.com konnte Yahoo den Mitbieter TMP Worldwide ausstechen. Im Jahr 2002 übernahm das Internet-Portal den Suchmaschinenspezialisten Inktomi, um seine Suchfunktionen weiter zu stärken. Im Jahr 2003 verstärkte sich Yahoo durch die Übernahme von Overture Services für rund 1,8 Mrd. Dollar im Bereich „sponsored Links“, um dem bisherigen Marktführer Google die Stirn zu bieten. Danach folgte die Übernahme des chinesischen Suchspezialisten 3721 Network Software für 120 Mio. Dollar. Dann übernahm Yahoo den Web-Spezialisten Musicmatch und den VoIP-Spezialisten DialPad Communications. Gleichzeitig beteiligte sich Yahoo für insgesamt einer Mrd. Dollar mit 40 Prozent an Chinas führendem E-Commerce Unternehmen Alibaba.com. Zuletzt übernahm Yahoo den Bookmark-Dienst Del.icio.us sowie die Musik-Community Webjay. Im Juni 2006 erwarb Yahoo zehn Prozent an dem südkoreanischen E-Commerce-Spezialisten GMarket. Gleichzeitig kaufte Yahoo! den Video-Editor Jumpcut. Im Herbst folgte schließlich die Akquisition des Online-Werbespezilaisten AdInterax. Gleichzeitig beteiligte sich Yahoo! mit 20 Prozent an der New Yorker Right Media Inc.

Die Einnahmequelle Werbeeinnahmen trägt jedoch nach wie vor die Mehrheit der gesamten Yahoo-Umsätze. Durch Kooperationen mit SBC Communications und BT vermarktet Yahoo auch erfolgreich Breitbandzugangsservices. Die beiden Firmengründer David Filo und Jerry Yang halten nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an Yahoo.

Zahlen

Für das vergangene Septemberquartal meldet Yahoo! einen Umsatzanstieg von 19 Prozent auf 1,58 Mrd. Dollar, nach Einnahmen von 1,33 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Abzüglich Partnerprovisionen summiert sich der Umsatz im dritten Quartal auf 1,12 Mrd. Dollar, womit Yahoo! hinter den Analystenerwartungen leicht zurückbleibt. An der Wall Street hatte man im Vorfeld mit einem Nettoumsatz von 1,14 Mrd. Dollar kalkuliert.

Der Nettogewinn brach dabei um 38 Prozent auf 158,5 Mio. Dollar oder elf US-Cent je Aktie ein, nach einem Plus von 253,8 Mio. Dollar oder 17 US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Dennoch konnte Yahoo! mit diesen Gewinnzahlen die Analystenerwartungen punktgenau erfüllen.

Insgesamt beendete Yahoo! das Septemberquartal mit 215 Mio. aktiven Nutzern, was einem Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dabei wurden im Laufe des dritten Quartals nahezu vier Mrd. Webseiten aufgerufen, ein Zuwachs von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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