WOCHENEND-STORY: Die Zukunft des Festnetz war gestern

Freitag, 26. August 2005 20:15

MÜNSTER - Internettelefonie, Mobilfunk-Flatrates und das starre Produktmarketing der großen Telekommunikationskonzerne - das sind die drei Zähne, die am klassischen Festnetzgeschäft nagen. Zuerst kaum merklich, doch in letzter Zeit nimmt das Schaben spürbar zu. Spätestens in 15 Jahren wird es heißen: Exitus.

Der seidene Faden, an dem das Festnetz momentan noch hängt, ist die Koppelung mit DSL-Internetzugängen. Separat sind die Breitbandanschlüsse hierzulande noch nicht zu haben. Die Bundesnetzagentur, vormals RegTP, könnte diesen Gordischen Knoten der Telekommunikation entwirren. Realistisch ist dies jedoch erst in drei bis vier Jahren. Vereinzelt wurde sogar das Fehlen des politischen Willens in dieser Richtung unterstellt.

Die Trennung als Anfang

Doch warum ist dieser Schritt so wichtig? Entfällt die Trennung von Daten- und Sprachnetzen, dann wird die klassische Festnetztelefonie weitgehend bedeutungslos. Schließlich ist es dem Kunden hierdurch möglich, separate DSL-Anschlüsse zu erwerben und mit entsprechender Hardware problemlos über das Internet zu telefonieren: Das wäre der Durchbruch von VoIP (Voice-over-IP). Der Vorteil liegt auf der Hand und ist vornehmlich monetärer Natur. Für Gespräche innerhalb des Internets fallen keine oder kaum Gebühren an, gegen Entgelt kann in das herkömmliche Netz bzw. in Mobilfunknetze telefoniert werden.

Für Private (noch) kaum Nutzen

Für den einzelnen, privaten Nutzer lohnt sich eine Umstellung derzeitig nicht wirklich. Erst sogenannte Triple-Play-Angebote, also die Verknüpfung mit Internet und Fernsehen werden diese Services zukünftig interessant machen. Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet damit, dass bis 2010 jeder dritte Haushalt VoIP haben wird. Bis 2020 soll die klassische Festnetztelefonie bedeutungslos sein. Erste Unternehmen gehen bereits gezielt auf Privatkunden zu. Hierzu gehört Indigo Networks. Das Düsseldorfer Unternehmen bietet den VoIP-Dienst Sipgate an, wie das Handelsblatt in seiner Online-Ausgabe vom Freitag berichtet.

Registrierte Nutzer können hier ohne Zusatzkosten via Internet telefonieren. Verbindungen in das Fest- und Mobilnetz sind bei dem seit 2004 angebotenen Service ebenfalls möglich, müssen jedoch extra bezahlt werden. Momentan ist der Kundenstamm des auf Privatpersonen spezialisierten Anbieters mit 100.000 Nutzern noch recht überschaubar. Damit dürfte die Gesellschaft in Deutschland einen Marktanteil von rund 20 Prozent haben (Gesamt: 500.000 geschätzte Nutzer).

Die Geschäftsentwicklung des Vorreiters Skype zeigt das Potential dieses Marktes auf. Deren Software wird weltweit von 30 Millionen Menschen genutzt. Dies entspricht einer Steigerung von 50 Prozent gegenüber dem Jahresanfang. Auch Indigo möchte sich ein Stück von diesem Kuchen abschneiden. Thilo Salmon, Geschäftsführer bei den Düsseldorfern, will die Kundenzahl bis Ende des Jahres verdreifachen. Die Gesellschaft ist zusätzlich in Österreich und Großbritannien vertreten. Aber auch Kabelnetzbetreiber werden bei VoIP zukünftig verstärkt auf die Jagd gehen.

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