Wirecard sieht sich nach Übernahmewelle unter Zugzwang

Dienstag, 14. September 2010 13:11
Wirecard Unternehmenslogo

(IT-Times) - Die Aktien des Online-Zahlungslösungsanbieters Wirecard AG (WKN: 747206) legten seit Juli kräftig zu und erhielten Mitte August nochmals Rückenwind, nachdem der Kreditkartenanbieter Mastercard den Wirecard-Konkurrenten DataCash für rund 333 Mio. Pfund bzw. 404 Mio. Euro übernahm und damit einen Aufpreis von 50 Prozent bezahlte.

Branche auf Konsolidierungskurs - Wirecard das nächste Ziel?
Seither schießen Spekulationen ins Kraut, wonach Wirecard das nächste Übernahmeziel sein könnte. Tatsächlich ist Wirecard nach der Übernahme von CyberSource durch Visa und durch die Akquisition von DataCash durch Mastercard einer der wenigen verbliebenen unabhängigen Anbieter von Zahlungsabwicklungslösungen.

Dennoch glauben Analysten, wie SES Research Experte Jochen Reichart, nicht an eine schnelle Übernahme von Wirecard durch einen größeren Kreditkartenkonzern. Der Analyst sieht dabei gleich mehrere Gründe: Zum einen sei Wirecard mit seiner Wirecard Bank AG zu sehr im Bankbereich engagiert, während sich Kreditkartenanbieter eher Technologie ins Haus holen wollen. Zum anderen arbeitet Wirecard so eng mit Mastercard und Visa Europe zusammen, dass andere Anbieter wohl kaum Interesse an einer Übernahme haben dürften.

Wirecard erwägt weitere Zukäufe
Dennoch befindet sich die Branche zweifelsohne auf Konsolidierungskurs, wie die jüngsten Zukäufe zeigen. Diese Branchenkonsolidierung will Wirecard offenbar selbst für Zukäufe nutzen, denn der Vorstand schließt in seinem Halbjahresbericht weitere Übernahmen nicht aus. Im Mittelpunkt sollen dabei kleinere Zahlungsabwickler stehen, nachdem sich Wirecard in 2009 bereits in Asien durch die Übernahme von E-Credit Plus Pte verstärkt hatte.

Über konkrete Übernahmeziele schweigt sich das Management zwar aus, doch Wirecard sieht sich in gewisser Weise in Zugzwang, sich selbst zu verstärken, um nicht von einem größeren Anbieter übernommen zu werden. Interessant für Wirecard könnte dabei die englische Sage Pay sein, die mit 30 Prozent Marktanteil als Englands schnellst wachsender Zahlungsserviceprovider gilt. Das Unternehmen wickelt Transaktionen für mehr als 27.000 Unternehmen wie Lovefilm und EasyJet Plus! ab.

Immer wichtiger wird dagegen der Bereich der Online-Zahlungssysteme (ePayment). Immer mehr Anwender erwerben digitale Inhalte im Internet, sei es innerhalb von Online-Spielen, oder über soziale Netzwerke, wobei die Bezahlung einfach und so sicher wie möglich erfolgen soll.

Einen interessanten Ansatz verfolgt dabei die englische Ymogen, die eine digitale Plattform (Create Platform) entwickelt hat, über die digitale Inhalte sowohl über das Internet , wie auch über das Mobiltelefon bezahlt werden können. Das Unternehmen wurde bereits im vergangenen Jahr mit zahlreichen Medien-Awards für seine Lösungen ausgezeichnet und könnte auch für Wirecard eine Verstärkung im Bereich Micropayment-Zahlungen darstellen…

Kurzportrait

Die Wirecard AG mit Hauptsitz in München sieht sich als einer der führenden Anbieter von elektronischen Zahlungs- und Risikomanagementlösungen. Das Angebot der Gesellschaft erstreckt sich über die Automatisierung von Zahlungsprozessen, bis hin zu branchen- und kundenspezifischen Risikomanagementsystemen, die Forderungs- und Zahlungsausfällen vorbeugen sollen.

Stationäre Terminallösungen gehören ebenfalls zum Produktangebot wie auch Konten- und Kreditkartenleistungen für Geschäfts- und Privatkunden. In diesem Bereich ist das Unternehmen seit 2006 über seine Tochter Wirecard Bank AG am Markt vertreten. Die Wirecard Bank verfügt über eine deutsche Banklizenz und ist ferner Principal Member von VISA, MasterCard und JCB. Zudem betreibt das Unternehmen mit dem Internet-Bezahldienst „Wirecard“ einen eigenen Online-Bezahlservice für Mastercard-Kunden, der es registrierten Nutzern erlaubt, untereinander Geld zu versenden und zu empfangen.

Mit dem Produkt „Supplier and Commission Payments“ (SCP) bietet das Unternehmen einen Service für die automatische Herausgabe von virtuellen Kreditkarten an, um so elektronische Auszahlungen (Provisionen) für Partner und Zulieferer abzuwickeln. Dadurch sollen internationale Zahlungen noch sicherer und schneller abgewickelt werden können, verspricht der Anbieter.

Wirecard bietet zugeschnittene Produkte für bestimmte Branchen an. So sind spezielle Lösungspakte für die Airline- und Tourismusindustrie, aber auch für den E-Commerce-, Retail- und Spielebereich verfügbar. Im Jahr 2007 verstärkte sich Wirecard durch die Übernahme der TrustPay International AG und deren Tochtergesellschaften. Mit der Gründung der der Wirecard Asia Pacific in Manila (Philippinen) ist Wirecard seit Ende 2007 auch mit einer 100-prozentigen Tochter in Asien präsent. Ende 2009 verstärkte sich Wirecard weiter in Asien und übernahm den in Singapur ansässigen Abwickler für Online-Zahlungssysteme E-Credit Plus Pte. Ltd. Im August 2010 wurde eine umfassende Kooperation mit ICP Companies geschlossen, wodurch die Wirecard Bank AG Zugang zu über 100.000 Point-of-Sale Aufladestationen in Europa erhält.

Insgesamt betreut die Wirecard AG weltweit mehr als 10.000 Geschäftskunden im Bereich Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr, Herausgabe von Kreditkarten und Risikomanagement. Zu den Kunden der Gesellschaft gehören unter anderem der Einzelhandelsriese Lidl sowie QVC, HSE, die Metro AG, TUI Suisse, redcoon und Sony Europe.

Zahlen

Im zweiten Quartal 2010 meldete Wirecard einen Umsatz von 65,3 Mio. Euro nach 54,5 Mio. Euro im Vorjahr. Das EBITDA (operatives Ergebnis vor Abschreibungen) summierte sich auf 17,6 Mio. Euro und verbesserte sich somit um 21 Prozent. Beim EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) wurde eine Verbesserung um 18 Prozent auf 16,2 Mio. Euro erreicht. Nachsteuerlich verblieb ein Gewinn von 14,5 Mio. Euro nach elf Mio. Euro im Vorjahr. Das Ergebnis je Aktie steigerte sich von elf auf 14 Cent.

Meldung gespeichert unter: Wirecard

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