Welche Perspektiven gibt es für die Software AG?

Infrastruktur-Software

Montag, 15. September 2014 14:52
Software AG

(IT-Times) - Die Software AG konnte zuletzt wenige positive Nachrichten verbreiten. Das Geschäft entwickelt sich im laufenden Geschäftsjahr nur schwach, dementsprechend fällt der Ausblick für 2014 aus. Die Börse reagierte in den Sommermonaten mit einem Kurzssturz, bei dem die Aktien der Software AG zwischenzeitlich knapp ein Drittel ihres ursprünglichen Wertes einbüßten. Das Unternehmen reagierte auf diese Entwicklung unter anderem mit einer Personalie.

Mit dem Posten des „Chief Customer Officer“ wurde ein neues Vorstandsressort geschaffen. Erster Inhaber der einflussreichen Position ist Eric Duffaut, der auf umfangreiche Erfahrungen bei den Softwareunternehmen Oracle und SAP zurückgreifen kann. Im neuen Vorstandsressort fasst die Software AG  (WKN: 330400) alle Go-to-Market-Aktivitäten zusammen. Eric Duffaut wird somit als neuer Chief Customer Officer weltweit für die Bereiche Vertrieb, Consulting Services und Marketing des zweitgrößten deutschen Softwareunternehmens verantwortlich zeichnen. Vor seinem jüngsten Wechsel zur Software AG war er unter anderem als „Corporate Officer and President“ des globalen Partner-Ökosystems von SAP tätig.

Zwischenzeitlich gab es obendrein auch gute Nachrichten: Von einem unabhängigen Institut wurde die Software AG mit Bestnoten bewertet. Im Rahmen des Berichts "The Forrester Wave™: Big Data Streaming Analytics Platforms, Q3 2014“ zeichnet das unabhängige Marktforschungsinstitut Forrester Research die Software AG aus. Hervorgetan habe sich das Unternehmen in den Kategorien „Current Offering", "Strategy" und "Market Presence".

Besonders gelobt wurden dabei die Verarbeitung von Streaming-Daten, die Visualisierungstools und die Datenquellen der Software AG. Dies gilt speziell für das  Intelligent Business Operations (IBO) Angebot des deutschen Softwareentwicklers.

Enttäuschender Ausblick für 2014

Das jedoch ändert vorerst nichts am enttäuschenden Geschäftsausblick 2014. Die Software AG hatte schon früher in diesem Jahr den Ausblick bei seiner Sparte Business Proccess Excellence (BPE) deutlich nach unten korrigiert. Das Geschäft mit der Optimierung und Verwaltung von Geschäftsprozessen (BPE) wird in diesem Jahr voraussichtlich nur stagnieren. Zuvor hatte man noch einen Zuwachs von zwölf bis 18 Prozent in Aussicht gestellt. Für die Misere macht das Management rund um Konzernchef Karl-Heinz Streibich Verzögerungen bei Großprojekten verantwortlich.

Die Sparte ist deshalb so wichtig, da die Software AG hier inzwischen fast die Hälfte ihres Umsatzes erwirtschaftet. Zudem war die BPE-Sparte (Umsatz: 85 Mio. Euro) zuletzt der Wachstumsmotor und Hoffnungsträger im Unternehmen, nachdem sich das Datenbankgeschäft (Enterprise Transaction Systems) seit geraumer Zeit rückläufig entwickelt. Diesen Trend wird die Software AG auch in diesem Jahr nicht stoppen können, vielmehr erwartet man im Management einen weiteren Rückgang der ETS-Sparte von neun bis 16 Prozent in diesem Jahr.

Soweit liegen die Fakten auf dem Tisch. Was noch fehlt, ist eine Aussicht oder die Perspektive einer strategischen Ausrichtung, die verdeutlicht, wie die Software AG auf die Gegebenheiten im Markt in Zukunft reagieren möchte. Auch das wird eine Aufgabe von Eric Duffaut sein müssen.

Kurzportrait

Die in Darmstadt ansässige Software AG ist ein international agierender Softwareanbieter von Produkten und Dienstleistungen für IT-Infrastrukturen mit serviceorientierten Architekturen (SOA). Das Unternehmen ist schwerpunktmäßig auf zwei Geschäftsfeldern tätig und hat Produktentwicklung sowie Vertrieb in zwei Geschäftsbereiche ausgerichtet: Enterprise Transaction Systems (ETS) und Business Process Excellenice (BPE).

ETS besetzt das Feld Datenbanken und basiert vor allem auf dem Datenbankmanagementsystem Adabas sowie der Entwicklungsumgebung Natural. Das BPE-Geschäft umfasst vor allem die Optimierung von Geschäftsabläufen, wobei die übernommene webMethods und Aris die Basis für die Produkte bilden. Hierdurch können Nutzer neue Geschäftsprozesse in ihre bestehende IT-Infrastruktur integrieren. Operativ agiert das Unternehmen in den drei Regionen Zentral- und Osteuropa/Asien, Nordamerika/Nordeuropa und Süd- und Westeuropa/ Lateinamerika. Die Software AG bietet Wartung, Lizenzierung und weitere Dienstleistungen an. Das BPE-Geschäft steuert bereits rund 60 Prozent des Produktumsatzes bei.

Nach der Übernahme der US-amerikanischen webMethods schluckte die Software AG Ende 2007 die Softwaresparte von Jacada. Mitte 2009 übernahm die Software AG den Schweizer IT-Spezialisten Teconomic AG. Gleichzeitig erwarb die Software AG im Jahr 2009 Deutschlands drittgrößtes Systemhaus IDS Scheer. Im Frühjahr 2010 wurde der CEP-Spezialist RTM Realtime Monitoring GmbH übernommen. In 2011 verstärkte sich die Software AG durch die Übernahme von Metismo und Terracotta. Anfang 2012 übernahm die Software AG den britischen Technologieanbieter my-Channels. In 2013 blieb die Software AG weiter auf Einkaufstour und schluckte neben den Cloud-Spezialisten LongJump auch die Event Prozess-Plattform Apama sowie den Analyse- und Visualisierungsspezialisten JackBe. In 2013 wurden weitere fünf Firmen aufgekauft, darunter die alfabet AG. Im Frühjahr 2014 verkaufte die Software AG ihr verbliebendes SAP-Beratungsgeschäft.

Die Software AG beschäftigte zuletzt mehr als 5.500 Mitarbeiter und betreut weltweit mehr als 5.000 Kunden in über 70 Ländern. Das Unternehmen gehört zu 29 Prozent der Software AG Stiftung.

Meldung gespeichert unter: Big Data

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