Vodafone von Schuldenkrise in Europa hart getroffen

Mobilfunknetzbetreiber

Donnerstag, 15. November 2012 13:27
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(IT-Times) - Der britische Mobilfunknetzbetreiber Vodafone Group Plc sieht sich als Opfer der aktuellen Schuldenkrise in Europa. Aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise in Spanien und Italien musste Vodafone zuletzt große Teile seines Mobilfunknetzgeschäfts in den beiden Ländern abschreiben.

Insgesamt 5,9 Mrd. britische Pfund betrugen die Abschreibungen auf die Geschäfte in Italien und Spanien, wo Vodafone jeweils die Nummer zwei im Markt hinter Telefonica (Spanien) und Telecom Italia (Italien) ist. Bei Vodafone (WKN: A0J3PN) verweist man auf die steigende Arbeitslosigkeit in den betreffenden Ländern, welche die Ausgaben für Telefonservices negativ beeinträchtigten. Zudem setzen immer mehr Konsumenten auf kostenlose Internet-Telefonieservices.

Geschäft in Südeuropa bricht ein
Insgesamt fielen die Umsätze in Südeuropa im ersten Halbjahr 2012/2013 um 18,1 Prozent auf knapp unter 5,0 Mrd. Pfund. In Italien brach das Geschäft um 18,4 Prozent ein, in Spanien verzeichnete Vodafone einen Einbruch von 19,3 Prozent. Die Hälfte des Umsatzschwunds sei auf den schwachen Euro zurückzuführen, der gegenüber dem britischen Pfund nachgab, heißt es bei Vodafone.

Nicht viel besser lief es für Vodafone in Deutschland. Hier kämpfen die Briten mit der Telekom-Tochter T-Mobile um Marktanteile. Der Trend zu kostenlosen mobilen Anrufservices und Smartphone-Messaging hat Vodafone das Geschäft verhagelt. In Deutschland fielen die Erlöse um 6,5 Prozent auf 3,9 Mrd. Pfund.

Insgesamt verlor Vodafone in Europa zuletzt 0,9 Millionen Mobilfunkkunden und beendete das erste Halbjahr mit einer Kundenbasis von 146,5 Millionen Kunden. Der Lichtblick im jüngsten Halbjahr war das Geschäft in Schwellenmärkten wie in der Region Afrika, Mittleren Osten und Asien-Pazifik. Hier konnte Vodafone 40,8 Millionen Kunden hinzugewinnen und betreut in dieser Region nunmehr 260,9 Millionen Kunden. Positiv entwickelte sich insbesondere das Geschäft in Indien (Vodafone India), wo die Umsätze im ersten Halbjahr um 13,3 Prozent wuchsen.

Vodafone lotet Optionen für Verizon Wireless aus
Nachdem sich Vodafone in den vergangenen Jahren nach und nach von Beteiligungen trennte, in denen das Unternehmen nicht die Mehrheit hatte, steht nun erneut die 45%ige Beteiligung an Amerikas führendem Mobilfunknetzbetreiber Verizon Wireless zur Debatte.

Vodafone-Chef Vittorio Colao wollte gegenüber Pressevertretern einen Verkauf der Beteiligung nicht ausschließen. Ein Verkauf der Beteiligung ist nicht unproblematisch, steuerte die Verizon-Beteiligung zuletzt die Hälfte des operativen Gewinns bei. Gleichzeitig gilt Verizon Wireless nach wie vor als Wachstumsmotor, während das Geschäft in Europa lahmt. Ein kurzfristiger Verkauf scheint daher wenig wahrscheinlich.

Um sich gegen kostengünstige Internet-Telefonieangebote wie Skype zu wehren, hat sich Vodafone was Neues einfallen lassen. Mit Vodafone Red will das Unternehmen Kunden mit unbegrenzten Anrufen und Textnachrichten locken. Zudem können Kunden alle 12 Monate auf ein neues Kult-Smartphone wechseln.

Kurzportrait

Die im Jahre 1984 gegründete Vodafone Group Plc ist einer der weltweit größten Mobilfunknetzbetreiber und Anbieter von Kommunikationsdienstleistungen. Das Unternehmen bietet sowohl, Sprach- und Datenservices an ist mit seinem Serviceangebot sowohl in Europa, wie auch in Afrika, in Asien und im Mittleren Osten aktiv. Insgesamt betreute Vodafone zuletzt mehr als 400 Millionen Mobilfunkkunden.

Durch eigene Niederlassungen bzw. durch Tochterfirmen betreibt Vodafone rund 7.600 eigene Verkaufsläden weltweit, über die das Unternehmen Mobilfunkverträge samt Mobiltelefone vermarkten. In Europa ist Vodafone vor allem mit den Marken Vodafone, Arcor, Tele2 und TeleTu präsent. Neben Mobilfunkservices bietet Vodafone aber auch eine ganze Reihe von Datenservices an. PC Connectivity Services vermarktet Vodafone über seine Einheit Vodafone Mobile Broadband. Vodafone unterhält Beteiligungen an Mobilfunkbetreibern in 30 Ländern sowie Kooperationen mit 40 Partnern weltweit.

Im Frühjahr 2009 kaufte Vodafone 15 Prozent der Anteile an der afrikanischen Vodacom Group, womit Vodafone seine Beteiligung an dem Mobilfunk-Carrier auf 65 Prozent erhöhte. Vodacom ist einer der führenden Mobilfunknetzbetreiber in Südafrika.

Gleichzeitig betreibt Vodafone gemeinsam mit Verizon das Joint Venture Verizon Wireless. Während Verizon 55 Prozent der Anteile hält, kontrolliert Vodafone 45 Prozent der Anteile. Verizon Wireless gilt als der größte Mobilfunk-Carrier in den USA im Bezug auf die Kundenzahlen.

In 2007 stieg Vodafone großflächig in den indischen Markt durch die Übernahme von Hutchison Essar ein. Vodafone sicherte sich für 13,1 Mrd. Dollar 67 Prozent der Anteile. Daneben hält Vodafone noch eine 4,4%ige Beteiligung an dem indischen Mobilfunk-Carrier Bharti Airtel. Mitte Juni 2009 fusionierte Vodafone Australia mit Hutchison 3G Australia und formte damit ein 50:50 Joint Venture.

Im Frühjahr 2011 kaufte Vodafone für rund fünf Mrd. US-Dollar die restlichen 33 Prozent der Anteile an der indischen Vodafone Essar. Zudem wurde der 44%ige Anteil an der französischen SFR an Vivendi verkauft. Im November 2011 trennte sich Vodafone von seiner 24,4%igen Beteiligung an der polnischen Polkomtel. Im April 2012 kaufte die niederländische Tochter Vodafone Libertel BV den Spezialisten Telespectrum-DJ. Im Herbst 2012 wurde der Spezialist TelstraClear Limited übernommen.

Zahlen

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