Vectoring geht nicht im Alleingang der Deutschen Telekom

Verbände

Dienstag, 2. Oktober 2012 16:08
BREKO

BREKO fordert Branchenlösung zum Einsatz der neuen Technologie für schnelles Internet.

Ein gemeinsamer Feldversuch mit der Deutschen Telekom soll Potenzial der Breitbandtechnik erfassen.

Bonn, 02. Oktober 2012: Schnelles Internet flächendeckend anbieten, vor allem im ländlichen Raum. Dieses Ziel haben sich die Bundesregierung und viele Telekommunikationsanbieter auf die Fahne geschrieben. Die Herausforderung dabei: es soll kostengünstig und schnell erfolgen. Mit Vectoring scheint eine vielversprechende Technik identifiziert zu sein. Laut Angaben der Hersteller können bestehende VDSL-Infrastrukturen  von 50 Megabit pro Sekunde auf 100 Megabit pro Sekunde beschleunigt werden. Allerdings ist Vectoring aus technischen Gründen in einem Ausbaugebiet immer nur für einen Netzbetreiber sinnvoll. „Die Deutsche Telekom will allerdings ein Monopol für den Einsatz von Vectoring durchsetzen. Das wird der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) keinesfalls akzeptieren“, betont Ralf Kleint, Präsident BREKO.

Vectoring kann eine Chance sein, dort, wo sich FTTH nicht lohnt, höhere Bandbreiten wirtschaftlich zu realisieren. Für die Deutsche Telekom stehen dabei die Ballungszentren und die verbesserten Wettbewerbsmöglichkeiten gegenüber den Kabelnetzbetreibern im Mittelpunkt. Viele BREKO-Unternehmen haben gezielt in den Breitbandausbau in der Fläche investiert. Wenn sich Vectoring als tragfähige Technik erweist, muss die Bundesnetzagentur Regelungen dafür treffen, dass alle Marktteilnehmer sie gleichermaßen einsetzen können. „Zu einer Aufhebung des Zugangs zum Kunden über die einzelne Anschlussleitung darf es nicht kommen. Das wäre eine Remonopolisierung durch die Hintertür“, hebt Kleint hervor. Die Deutsche Telekom hatte gefordert, zur Nutzung der Vectoring-Technologie müsse der Zugang der Wettbewerber zur Anschlussleitung aufgehoben werden. Mitbewerber sollen nur noch ein weitgehend fertiges Vorprodukt des Bonner Unternehmens für den Weiterverkauf an Endkunden erhalten. „Es ist aber überhaupt nicht einzusehen, warum nicht auch Wettbewerber die Technologie einsetzen sollten, wenn sich diese als tragfähig erweist“, ergänzt Kleint.

Noch fehlen nennenswerte Erfahrungen, denn Vectoring lässt sich "nur" auf bestehende VDSL-Leitungen anwenden. Und dort, wo keine bestehen, kann man auch nichts beschleunigen. „Daher fordern wir als Bundesverband einen Feldversuch, gemeinsam mit der Deutschen Telekom. Wir brauchen Klarheit darüber, was die Technik leisten kann und wo Schwachstellen  liegen", so Stephan Albers, Geschäftsführer BREKO. Die Besonderheit liegt darin, dass nur ein Netzbetreiber VDSL-Vectoring in einem Leitungsbündel wirksam einsetzen kann.

Wichtig sind den über 70 im BREKO organisierten Netzbetreibern vor allem zwei Dinge, wie Albers resümiert: "Zum einen dürfen die rund zehn Millionen von den Wettbewerbern bei der Telekom angemieteten Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) durch Vectoring nicht gestört werden. Zum anderen müsse der im Telekommunikationsgesetz festgeschriebene Grundsatz des entbündelten Zugriffs auf die letzte Meile erhalten bleiben".

Über den BREKO:

Der Bundesverband Breitbandkommunikation e. V. (BREKO) repräsentiert den Großteil der Festnetzwettbewerber der Telekom Deutschland. Unsere Mitglieder vermarkten ihre Produkte vor allem auf Basis eigener Infrastruktur in Kombination mit dem entbündelten Teilnehmeranschluss (TAL) der Telekom Deutschland; vermehrt bieten sie aber auch eigene hochleistungsfähige Glasfaseranschlüsse direkt zum Kunden (FTTH/B) an.

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