VATM und Dialog Consult stellen Studie zum Telekommunikationsmarkt 2008 vor

Donnerstag, 16. Oktober 2008 15:37
VATM

Gesamtmarkt TK-Dienste rückläufig – Wettbewerber können Umsatz im Festnetz stabil halten – Branche trägt zur Marktstabilisierung in Deutschland bei – Investitionen weiterhin auf hohem Niveau – Zahl der Beschäftigten steigt bei Wettbewerbern leicht an – Erstmals gehen die meisten Handytelefonate ins jeweils eigene Netz

Köln, 16. Oktober 2008. Die Umsätze mit Telekommunikationsdiensten in Deutschland werden sich 2008 auf rund 60,6 Milliarden Euro belaufen. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Rückgang um 4,1 Prozent, der in erster Linie auf den wettbewerbsbedingten Preisverfall sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk zurückzuführen ist. Dabei verbucht der Markt der Festnetz-Wettbewerber als einziges Segment mit 13,9 Milliarden Euro keinen sinkenden Umsatz. Den Wettbewerbsunternehmen gelingt es offensichtlich, die sinkenden Endkundenpreise durch ein entsprechendes Mengenwachstum zu kompensieren. Das geht aus der heute von VATM und Dialog Consult GmbH in Berlin vorgestellten gemeinsamen Telekommunikations-Marktstudie 2008 hervor.

Mit 6,5 Milliarden Euro investiert die TK-Branche in 2008 genauso viel in Sachanlagen wie im Vorjahr. Dabei tragen die Wettbewerber mit 3,7 Milliarden 57 Prozent des Investments und bleiben Treiber von Innovationen. Während die Zahl der Mitarbeiter bei den Wettbewerbsunternehmen leicht ansteigt (+500 auf 53.500), versucht die Deutsche Telekom AG (DTAG), ihre Effizienz durch einen deutlichen Abbau bei den Beschäftigten (9.900) zu steigern.

„Die Telekommunikationsbranche bleibt ein wichtiger Motor und zugleich `Schmiermittel´ der deutschen Wirtschaft. Durch ihre Innovationskraft und sinkenden Preise setzt sie weitere Effizienzpotenziale frei. Entgegen dem allgemeinen Trend der Preissteigerungen sorgen die TK-Unternehmen für eine Entlastung der Privat- und Geschäftskunden. Das ist gerade in Zeiten wie der jetzigen Bankenkrise für den Standort Deutschland besonders wichtig“, zog VATM-Präsident Gerd Eickers Bilanz. Nicht nur bei den Kosten profitiere der Verbraucher von der Dynamik der TK-Branche, auch die Angebotsinhalte würden immer vielfältiger und qualitativ hochwertiger.

Die Studie verdeutliche aber zugleich, dass der TK-Markt weiterhin einer effizienten Regulierung bedürfe. Im deutschen Festnetzgeschäft bleibt die Telekom mit 60,3 Prozent Anteil  auch mehr als zehn Jahre nach der Marktliberalisierung weiterhin marktbeherrschend. Hinzu komme die Abhängigkeit der Wettbewerber bei den Vorproduktleistungen, die sie beim Ex-Monopolisten einkaufen müssen. „2008 müssen Wettbewerber mit eigener Infrastruktur mit 57 Cent noch einmal sechs Cent mehr pro Euro Umsatz an die Telekom als im Vorjahr überweisen, bei den Resellern sind es in diesem Jahr sogar 97 Cent", so der VATM-Präsident weiter: „Trotz seit Jahren steigender Effizienz müssen wir weiterhin im Durchschnitt mehr als drei Viertel unserer Umsätze für Vorprodukte an die Telekom durchreichen. Eine effiziente Regulierung des Netzzugangs ist daher weiterhin unabdingbar, wenn das Erfolgsmodell Wettbewerb weiter bestehen soll.“

Das Jahr 2009 berge viele Chancen, aber auch Risiken. „Damit sind wir beim Thema NGN: Der Festnetzbereich steht vor einer radikalen Umstrukturierung. Dabei ist Transparenz beim NGN-Ausbau durch die Ex-Monopolisten unerlässlich für einen fairen Wettbewerb und für die Verhinderung eines neuen Monopols. Nur so können wir alle gemeinsam effizient im Markt agieren – und das hat höchste Priorität für den Standort Deutschland", betonte der VATM-Präsident: „Es muss zudem – das hat auch die EU erkannt –,  ein  gleichberechtigter Zugang zu Leerrohren, zu Kabelverzweigern und zur unbeschalteten Glasfaser gegen ein  marktübliches auskömmliches Entgelt gewährt werden. Sonst würden Milliarden-Investitionen der Wettbewerber in ihre eigenen Netze technisch ausgebremst und zunichte gemacht.“

Mit der von der Bundesnetzagentur beabsichtigten Entlassung weiterer Märkte aus der Regulierung sei zudem die „heiße Phase“ der konzeptionell bereits in der sektorspezifischen Regulierung angelegten Deregulierung eingeläutet. Auch die aktuelle Debatte um eine Regionalisierung zähle dazu. „Die von Brüssel ausgehende Reduzierung der ehemals 18 regulierungsbedürftigen Märkte auf nunmehr gerade noch 7 darf keinesfalls eine Blaupause für den nationalen Regulierer darstellen. Die Entlassung der Märkte aus der Regulierung bedeutet eine absolut entscheidende Weichenstellung für die Zukunft des TK-Sektors und bedarf deshalb einer sorgfältigen Diskussion und Abschätzung.“

Äußerst kritisch sieht der VATM zudem den Vorschlag einer einseitigen „Regionalisierung“ beim Bitstrom in Deutschland. „Sie würde allein der Telekom Wettbewerbsvorteile verschaffen und zu dramatischen Verwerfungen im Markt führen, wenn nicht zuvor auch der TAL-Preis regionalisiert würde. Die `Zeche´ würde letztlich der Verbraucher zahlen – vor allem auf dem Land", steht für Eickers fest.

Die Ergebnisse der Marktstudie im Einzelnen:

I. Gesamtmarkt für Telekommunikationsdienste in Deutschland

Von den Gesamtumsätzen in Höhe von 60,6 Milliarden Euro, die 2008 in Deutschland mit Telekommunikationsdiensten erzielt werden, entfallen 35 Milliarden Euro auf den Festnetz- und 25,6 Milliarden Euro auf den Mobilfunkmarkt.

Die Deutsche Telekom bleibt im um gut 4,9 Prozent rückläufigen Festnetzmarkt mit 60,3 Prozent  Umsatzanteil der marktbeherrschende Anbieter. Die Wettbewerbsunternehmen können ihre Umsätze im Festnetz mit 13,9 Milliarden Euro durch ein entsprechendes Mengenwachstum stabil halten.

Die von den Wettbewerbern an die DTAG zu zahlenden Vorleistungsentgelte tragen nach wie vor erheblich zu den Umsätzen des Ex-Monopolisten bei. Das heißt, auch bei Kundenwechseln zu  Wettbewerbern verdient die Telekom weiter kräftig mit. So müssen die Wettbewerber bei einem Komplettanschluss von jedem Euro Umsatz 57 Cent (Abb. 3), bei einem Resale-Anschluss der Telekom von jedem Euro sogar 97 Cent (Abb. 4) an die Telekom zahlen. Die Wertschöpfungsquote bei den Wettbewerbern im Festnetz –l berechnet als Umsatz der Wettbewerber im Festnetz abzüglich der Umsätze Wholesale der DTAG, geteilt durch den Gesamtumsatz im Festnetz - legt in diesem Jahr mit 0,7 Prozent langsamer zu und liegt trotz aller Produktivitätsfortschritte und eigener Investitionen erst bei 26,3 Prozent.

„Aufgrund sinkender Endkundenpreise und nahezu unveränderter Vorproduktpreise nehmen die Margen für die Wettbewerbsunternehmen sowohl für TAL-basierte Produkte als auch für Resale-Produkte ab. In der Praxis gehen Wettbewerbsunternehmen deshalb dazu über, zunehmend VoIP-Anschlüsse auf DSL-Basis bzw. Anschlüsse auf Bitstrom-Basis anzubieten“, erläuterte Prof. Torsten J. Gerpott, der die Marktstudie wie in den Vorjahren mit der Dialog Consult GmbH im Auftrag des VATM durchgeführt hat.

Die Umsätze auf dem deutschen Mobilfunkmarkt sinken um 0,8 Milliarden Euro beziehungsweise auf 25,6 Milliarden Euro. Obwohl die Zahl der Mobilfunk-Verträge seit Mitte 2008 erstmals die 100-Millionen-Grenze durchbrochen hat, haben die gesunkenen Endkundenpreise auf die Umsatzzahlen durchgeschlagen.

Die Wettbewerber stemmen auch 2008 über die Hälfte der Investitionen in Telekommunikations-Sachanlagen und sichern damit auch mehr als jeden zweiten Arbeitsplatz in der Zulieferindustrie.

II. Festnetzmarkt

Bei den Sprachminuten im Festnetz setzt sich der Trend der vergangenen Jahre in abgeschwächter Form fort: Ihre Anzahl steigt weiter auf täglich 381 Millionen Minuten.  Der Zuwachs in Höhe von 17 Millionen Minuten wird überproportional durch die Zunahme bei Komplettanschlüssen getrieben. Die Sprachminuten über Call-by-Call gehen weiter zurück, bleiben aber auf hohem Niveau. Bei Preselection setzt sich der seit 2006 zu Gunsten von Komplettanschlüssen feststellbare rückläufige Trend weiter fort.

Bei den Komplettanschlüssen hat die Zahl der Voice-over-IP-Anschlüsse stark zugenommen. Mit 5,5 Millionen Anschlüssen hat sich der Anteil mit 37,4 Prozent deutlich mehr als verdreifacht (2007: 11,8 Prozent). Die Zunahme bei den PSTN-/ISDN-Anschlüssen fällt mit 27 Prozent geringer aus. „VoIP-Anschlüsse gewinnen zunehmend an Attraktivität, da  sie für die Wettbewerbsunternehmen mit geringeren Investitionen im Vergleich zu klassischen PSTN-/ISDN-Anschlüssen zu realisieren sind“, erläutert Andreas Walter, Geschäftsführer von Dialog Consult und Mitautor der Studie. Weitere 1,2 Millionen Anschlüsse werden über TV-Breitbandkabel transportiert.

Weiterhin gehen die Verbraucher in Deutschland lieber über die Telefonleitung (21,9 Millionen Nutzer) ins schnelle Internet als über TV-Breitbandkabel. Auf niedrigem Niveau verdoppelte sich die Zahl bei letzterem von einer Million Anschlüsse auf zwei Millionen. Beide Netzplattformen bieten noch erhebliche Entwicklungsmöglichkeiten zur Nutzung weiterer Dienste, da wiederum auch nur 0,7 Prozent der Telefonleitungen genutzt werden um fernzusehen.

Der Marktanteil der Deutschen Telekom bei den Festnetzanschlüssen ist auch mehr als zehn Jahre nach der Marktöffnung mit mehr als 78,3 Prozent sehr hoch.

Der Breitband-Boom in Deutschland setzt sich 2008 weiter fort: Die Zahl der direkt geschalteten Breitbandanschlüsse steigt bis zum Jahresende auf 23,9 Millionen. Dabei konnte die Telekom in absoluten Zahlen bei den Anschlüssen um 1,8 Millionen auf 10,8 Millionen zulegen. Damit hält das ehemalige Staatsunternehmen mit 57,3 Prozent mehr als die Hälfte aller Breitbandanschlüsse in ihrem Netz. Hinzu kommen 2,9 Millionen Resale-Anschlüsse (Abb. 12). Im DSL-Geschäft ist die Telekom Ende 2007 mit neun Millionen Kunden immer noch mehr als dreimal so groß wie ihr stärkster Wettbewerber. United Internet kam mit 2,7 Millionen DSL-Anschlüssen auf einen Marktanteil von 13,4, Arcor mit 2,6 Millionen auf 13,1, HanseNet mit 2,3 Millionen auf 11,7 Prozent.

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