United Internet: Mobiles Internet und Cloud-Services als Zukunftstrend

Montag, 10. Mai 2010 14:46
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(IT-Times) - Der deutsche Internet-Spezialist United Internet AG (WKN: 508903) zählt nach Angaben von Analysten aus dem Hause Citigroup zu den drei spannendsten Unternehmen im Bereich mobiles Internet innerhalb Europas. Das Unternehmen bestätigte nicht zuletzt durch die guten Geschäftszahlen 2009 diesen Ruf, es will ihn auch verteidigen, wenn nicht sogar ausbauen. Hierzu konzentriert sich das United Internet auf die Kernbereiche mobiles Internet, Cloud Computing und hofft zudem, dass der Online-Werbemarkt wieder verstärkt anziehen wird. Aktuell ist das Unternehmen daher auch auf der Suche nach Entwicklern, die die Produktpalette des Unternehmens für Cloud-Services und mobile Dienste fit machen soll.

Im Rahmen der Investitionen sind auch strategische Partnerschaften mit anderen Unternehmen geplant - zum Teil wurden sie bereits beschlossen. So wird 1&1, eine Tochter-Marke von United Internet, verstärkt mit dem Unternehmen Zoho zusammenarbeiten. Dies soll insbesondere im Bereich der Entwicklung und Markteinführung von Cloud-Applications der Fall sein. Die Zoho Corporation ist der Hersteller der gleichnamigen Online-Office-Suite für Projekt- und Geschäftsanwendungen. Ziel der beiden Unternehmen ist es, Cloud-Standard-Lösungen für den Massenmarkt der klein- und mittelständischer Unternehmen (KMU) sowie für Privatanwender anzubieten.

Ein eigenes Office-Programm von 1&1

Das erste gemeinsame Projekt ist das neue Produkt 1&1 Online Office, das noch im ersten Halbjahr 2010 in Deutschland und Großbritannien eingeführt werden soll. Diese Anwendung ist eine Office Suite mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentations-Programm. Nutzer müssen außer ihrem Internet-Browser selbst keine Software lokal installieren. 1&1-Vorstandssprecher Robert Hoffmann erklärte, dass in den kommenden Jahren steigende Nachfrage nach Cloud-Applications erwartet wird. Daher sieht 1&1 hier internationales Wachstumspotenzial.

Gemeinsame Interessen mit Vodafone durchsetzen

Gleichzeitig will 1&1 mit Vodafone Deutschland vertieft zusammenarbeiten, dabei steht der Mobilfunkmarkt im Fokus. Derzeit nutzen über  eine Millionen Kunden von 1&1 das Mobilfunknetz von Vodafone Deutschland. Nun wollen die beiden Unternehmen im Bereich des mobilen Internets kooperieren. Hierbei hilft sicherlich auch die Ansicht, einen gemeinsamen „Feind“ in Form der Deutschen Telekom zu haben. Sowohl Vodafone als auch United Internet sind als Wiederverkäufer von VDSL-Netzkapazitäten der Deutschen Telekom auf dieses Unternehmen angewiesen, stehen zugleich aber im Wettbewerb mit dem „rosa Riesen“. So basiert die Öffnung des VDSL-Netzes auch nicht auf dem Goodwill der Deutschen Telekom sondern allein auf Vorgaben, die die Bundesnetzagentur ihr macht. Während das Bonner Unternehmen auf die hohen Investitionskosten verwies und daher das Netz, jedenfalls temporär, nicht für Wettbewerber öffnen wollte, ist die Behörde um die Wahrung der Chancengleichheit auf dem Telekommunikationsmarkt bemüht. Letztendlich musste die Deutsche Telekom zustimmen, das VDSL-Netz, das Datenübertragungen mit einer Geschwindigkeit von bis 50 MBit je Sekunde ermöglicht, auch anderen Unternehmen zur Verfügung zu stellen.

Nun zahlen United Internet, bzw. 1&1, ebenso wie  Vodafone für jeden Anschluss etwa 30 Euro an die Deutsche Telekom. Trotz der Freigabe des VDSL-Netzes für Wiederverkäufer stehen Marktbeobachter diesem Schritt mithin skeptisch gegenüber. Langfristig erhalte die Deutsche Telekom ihr Monopol im VDSL-Bereich auf diese Weise, da durch die Öffnung des Netzes nun der Impuls für eigene Investitionen von Wettbewerbern fehle.

Auch bei IPTV abhängig von der Deutschen Telekom

Auch an der IPTV-Front ärgert sich United Internet mit der Deutschen Telekom herum. United Internet, bzw. 1&1, haben die Deutsche Telekom aufgefordert, die IPTV-Infrastrukturtechnik für Wettbewerber unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. United Internet will das IPTV-Backend der Telekom mitnutzen dürfen und will ein eigenes IPTV-Angebot vermarkten - ist dabei aber auf die Kooperationsbereitschaft der Deutschen Telekom angewiesen. Hintergrund: Um entsprechende IPTV-Angebote vermarkten zu können, ist der Zugriff auf das Multicast-Fernsehsignal der Deutschen Telekom erforderlich. Generell sei das Unternehmen bereit, das VDSL-Vorleistungsprodukt so weiter zu entwickeln, dass auch Wettbewerber wie 1&1  IPTV-Angebote realisieren können. Allerdings müsste United Internet dann ein eigenes Programm konzipieren bzw. Inhalte einkaufen. Hier könnte United Internet möglicherweise seine Beziehungen zum Kooperationspartner ProSiebenSat.1 und dessen Online-Videothek maxdome nutzen. Das Angebot, welches in Kooperation mit United Internet entstanden ist, gilt als größtes Pay-per-View Angebot in Europa und würde sich damit auch als IPTV-Plattform eignen.

Kurzportrait

United Internet ist ein Internet Service Provider mit Sitz in Montabaur. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt Internet-Anwendungen und technische Mehrwert-Produkten an Privatkunden und kleine oder mittelständische Unternehmen. Dabei ist United Internet in drei Geschäftsfelder gegliedert: Produkte und Online-Marketing. Die Sparte Outsourcing wurde mit dem Verkauf von twenty4help aufgelöst. Anfang 2008 gründete United Internet mit der Creative Campaigns & Crossmedia eine neue Beratungseinheit.

Die Anwendungen und technischen Mehrwerte des Unternehmens basieren auf eigenen Produkten und im eigenen Haus entwickelter Software. Das Endverbraucher-orientierte Segment Produkte ist das Kerngeschäft und erwirtschaftet die Mehrheit des Umsatzes. Hier vermarktet die Gesellschaft Internet-Mehrwertdienste und -zugänge über die Marken GMX, WEB.DE, 1&1 sowie Schlund + Partner an private und gewerbliche Kunden. Die Internetzugänge werden als Reseller-Verträge der Deutsche Telekom AG an den Mann gebracht. Im Geschäftsfeld Online-Marketing offeriert United Internet beispielsweise Domain-Marketing über Sedo und Affiliate-Marketing über affilinet. Zur Marketing-Sparte gehört auch der Werbevermarkter AdLINK.

1988 wurde United Internet unter dem Namen 1&1 gegründet. Zunächst tritt die Gesellschaft hauptsächlich als -Vermarkter von kleinen Softwareanbietern auf. 1996 hat die 1&1-Gruppe schon fünf Tochtergesellschaften, die sich auf Segmente in den Bereichen Online- und Multimedia konzentrieren. Mit der Deregulierung des Telekommunikationsmarktes und dem Aufkommen des Internets eröffnen sich neue Geschäftsmöglichkeiten. 1997 werden die ersten Internetzugänge vermarktet, ein Jahr später folgt der Börsengang. Kurze Zeit später steigt 1&1 bei dem Internetprovider Schlund & Partner ein, das Unternehmen wird später vollständig übernommen. Hierdurch kann der Geschäftskundemarkt erschlossen werden. Noch vor der Jahrtausendwende gründet 1&1 mit anderen Partnern den e-Mail-Dienst GMX.

Zudem werden kleinere Unternehmen aufgekauft. 2000 erfolgt die Umbenennung in United Internet. Nach dem Ende des Dot.com-Booms muss das Unternehmen neu ausgerichtet werden und bereinigt das Portfolio. Ab 2001 verstärkt sich United Internet wieder, die Beteiligungen an 1&1, GMX, Schlund+Partner sowie twenty4help werden auf 100 Prozent aufgestockt. Die twenthy4help AG wurde inzwischen wieder verkauft. In 2006 schluckte United Internet den britischen Web-Hoster Fasthosts Internet. Auf der Portal-Seite übernahm United Internet das Geschäft von Web.de. Darüber hinaus erwarb United Internet weitere Anteile an dem Festnetzanbieter Versatel (25,05 Prozent). Anfang 2008 beteiligte sich United Internet mit 48,65 Prozent an der Medienholding virtual minds AG (Adition). Im Mai 2009 erwarb die United Internet Tochter 1&1 das DSL-Geschäft von freenet. Im Herbst 2009 trennte sich United Internet von seiner direkten freenet-Beteiligung und verkaufte 10,79 Mio. Anteile. Trotz des Verkaufs ist United Internet weiterhin über die MSP Holding GmbH mit etwa 12,75 Millionen Aktien an freenet beteiligt.

Zahlen

Die United Internet AG konnte im Geschäftsjahr 2009 Umsatz und Ergebnis steigern und konnte es mit einem guten vierten Quartal abschließen. Das Unternehmen steigerte den Umsatz auf 434,1 Mio. Euro in den letzten drei Monaten 2009, während im vierten Quartal 2008 noch 405,2 Mio. Euro ausgewiesen worden waren. Das EBITDA ohne Sonderfaktoren lag in den letzten drei Monaten 2009 bei 87 Mio. Euro und in 2008 bei 68 Mio. Euro. Unter Berücksichtigung der Sonderfaktoren (Anteilsverkäufe) stieg der Wert für 2009 auf 97,4 Mio. Euro. Das EBIT unter Berücksichtigung der Sonderfaktoren lag in 2008 bei 48,1 Mio. Euro und in 2009 bei 80,8 Mio. Euro. Das entspricht einer Steigerung um 68 Prozent.

Meldung gespeichert unter: United Internet

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