United Internet: Internet-Fabrik gerät ins Stocken

Donnerstag, 12. Juli 2012 13:59
United Internet

(IT-Times) - Obwohl der führende deutsche Email-Serviceanbieter United Internet AG gut in das neue Jahr gestartet war und mit knapp 577 Mio. Euro Umsatz eine neue Bestmarke im ersten Quartal 2012 vermelden konnte, kommt der Aktienkurs nicht so recht in Schwung.

Der Grund: Zwar hatte das Unternehmen seinen Umsatz zweistellig steigern können, doch das EBIT ging deutlich in die Knie. Ein Ausdruck höherer Investitionen, welche die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens verbessern sollen. United Internet will in neue Märkte wie im mobilen Web und im Cloud Computing stärker Fuß fassen.

Dies ist auch notwendig, denn das Wettbewerbsumfeld hat sich in den Kernmärkten, in denen United Internet heute tätig ist, in den vergangenen Jahren spürbar verändert. United Internet sieht sich dabei nicht nur der Konkurrenz einheimischer Anbieter gegenüber, sondern vor allem ausländischer Branchengrößen, die zunehmend auch nach Europa und Deutschland drängen.

Googles Gmail läuft lokalen Anbietern den Rang ab
Im Email-Bereich ist dies vor allem der Suchmaschinengigant Google, der mit seinem Gmail-Dienst rasant Marktanteile gewinnt. Galt United Internet mit seinen Marken Web.de und GMX vor wenigen Jahren noch als unangefochtene Nummer eins bei Email-Services in Deutschland, ist inzwischen die Dominanz gewichen. Nachdem Google für Gmail im Januar 2012 bereits 350 Millionen Nutzer weltweit meldete, waren es zur Jahresmitte bereits 425 Millionen aktive Nutzer, wie das Unternehmen in seinem Blog mitteilt.

Gmail hat dabei einen unschlagbaren Vorteil auf seiner Seite: Die Integration in Android. Das Mobile-Betriebssystem ist im Smartphone-Markt die Nummer eins, zudem hat Google seine Freemail-Anwendung mit weiteren Tweaks und Updates ständig verbessert. Mit der Dominanz von Android im Rücken dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Gmail zum führenden Email-Dienst nicht nur weltweit, sondern auch in Deutschland aufrückt.

Internationaler Wettbewerb zwingt United Internet zu weiteren Investitionen
Lokale Anbieter wie United Internet haben dabei das Nachsehen. Sie müssen versuchen, durch die Expansion in andere Geschäftsbereiche neues Wachstum zu generieren. Das hat auch United Internet richtig erkannt. Chancen sieht United Internet im mobilen Web und im Bereich Cloud Computing. Doch auch hier sind die Deutschen nicht allein. Will sich das Unternehmen gegen die große internationale Konkurrenz langfristig behaupten, werden wohl weitere hohe Investitionen erforderlich sein.

Kurzportrait
United Internet mit Sitz in Montabaur ist mit rund elf Millionen kostenpflichtigen Kundenverträgen sowie über 31 Millionen werbefinanzierten Free-Accounts ein führender europäische Internet-Dienstleister. Das Unternehmen operiert dabei aus zwei Kerngeschäftsbereichen heraus: Access und Applications.

Im Geschäftsbereich Access erwirtschaftet das Unternehmen die Mehrheit seines Umsatzes. Hier vermarktet die Gesellschaft Internet-Mehrwertdienste und -zugänge über die Marken GMX, WEB.DE und 1&1 an private und gewerbliche Kunden. Im Bereich Online-Marketing offeriert United Internet Domain-Marketing über Sedo und Affiliate-Marketing über affilinet. Zur Marketing-Sparte gehört auch der Werbevermarkter AdLINK. Im Bereich Applications werden Anwendungen für die Bereiche Personal Information Management, Webhosting, Online-Werbung und Cloud-Applikationen angeboten.

Im Bereich Hosting verstärkte sich United Internet im Jahr 2006 durch die Übernahme des britischen Web-Hosters Fashosts. Im Hosting-Geschäft ist United Internet zudem mit der Marke InterNetX vertreten. InterNetX betreibt ein Reseller-Netzwerk mit über 20.000 Partnern. Mit mehr als drei Millionen verwalteter Domains und über 1.500 gehosteten Servern gehört InterNetX heute zu den führenden Anbietern von White-Label-Produkten im Hosting-Markt.

Im Geschäftsbereich Domain ist das Unternehmen mit der Domain-Handelsplattform Sedo im Markt vertreten. Zudem gehört seit 2009 auch der führende Domain-Registrar United-Domains AG zum Konzern. Bereits im Jahr 2005 wurde der GMX-Konkurrent Web.de für 330 Mio. Euro aufgekauft. Anfang 2008 beteiligte sich United Internet mit 48,65 Prozent an der Medienholding virtual minds AG (Adition). Im Mai 2009 erwarb die United Internet Tochter 1&1 das DSL-Geschäft von freenet. Im Herbst 2009 trennte sich United Internet von seiner direkten freenet-Beteiligung und verkaufte 10,79 Millionen Anteile. Trotz des Verkaufs ist United Internet weiterhin über die MSP Holding GmbH an freenet beteiligt. Im Jahr 2008 erhöhte United Internet seine Beteiligung an Versatel auf 25,05 Prozent. In 2009 übernahm United Internet-Tochter Sedo den US-Rivalen ReveueDirect. Ende 2010 übernahm die Tochter GMX den US-Dienst Mail.com.

Meldung gespeichert unter: United Internet

© IT-Times 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Folgen Sie IT-Times auf ...