Übergansphase: Die Zukunft von SAP spielt in der Cloud

Enterprise Ressource Planning (ERP) - Software

Freitag, 5. Dezember 2014 15:32
SAP

(IT-Times) - Der deutsche Softwarekonzern SAP hat so tief wie niemals zuvor in die Tasche gegriffen: Für 6,2 Mrd. Euro wurde das US-Unternehmen Concur Technologies übernommen. Der Kauf wurde in dieser Woche endgültig unter Dach und Fach gebracht, nachdem er im September 2014 bereits angekündigt worden war.

Im Zuge der Übernahme zahlt SAP 129 US-Dollar je Aktie. Concur Technologies gilt als Spezialist für das Organisieren und das Abrechnen von Dienstreisen. Die entsprechende Software wird als Cloud-Service zur Verfügung gestellt. Kunden mieten das entsprechende Programm und greifen darauf über das Internet zu. In den vergangenen Jahren hat SAP sein Cloud-Geschäft kontinuierlich ausgebaut - auch durch den Zukauf von Unternehmen, insbesondere aus den USA.

In der Zukunft sollen allerdings keine weiteren Zukäufe getätigt werden. Es scheint, als wolle SAP nun die Kräfte bündeln, um die strategischen Weichenstellungen für die Zukunft vorzunehmen. Zu Beginn des nächsten Jahres will das Unternehmen einen Sechs-Jahre-Plan vorstellen, in dem diese Weichenstellungen detailliert beschrieben werden sollen.

An der Cloud führt für SAP kein Weg vorbei

Aktuell befindet sich SAP (WKN: 716460) in einer Übergangsphase. Das Unternehmen etabliert immer weiter Cloud-basierte Dienste und muss dafür in Kauf nehmen, dass das traditionielle Softwaregeschäft immer weiter an Relevanz verliert. Das wird sich in den Einnahmen des Unternehmens wider spiegeln. Denn die Geschäftspolitik bei den Cloud-Diensten entwickelt sich dahingehend, dass das Unternehmen weniger Vorauszahlungen erhält und sich die Einnahmen auf längere Zeiträume verteilen. Das Cloud-Geschäft dürfte bis Jahresende rund zehn Prozent zum SAP-Gesamtumsatz beisteuern, mit steigender Tendenz.

Das wird auch zwingend notwendig sein, wenn SAP bei Großkunden weiterhin als Nummer eins gesetzt sein möchte. Die CIOs mehrerer Großkonzerne forderten vor wenigen Wochen die Vereinigung verschiedener Cloud-Services auf einer einzigen Plattform. SAP wird vor diesem Hintergrund einen Fahrplan für die zu erwartende Cloud-Software vorstellen, die im kommenden Jahr auf den Markt kommen soll. Bisher nutzen zwar verschiedene Softwarelösungen des deutschen Konzerns Cloud-Technologien, eine Vereinigung über eine zentrale Plattform blieb bisher jedoch aus.

Auch im Bereich Internet of Things (IoT) soll die eigene Marktposition gefestigt und ausgebaut werden. Von Facebook und Samsung soll offenbar ebenfalls Unterstützung kommen. Eine Predictive Maintenance- und Service-Lösung, verbundene Logistik-Software und eine Produktionsapplikation wurden diesebezüglich jüngst vorgestellt. Im Bereich der Enterprise Mobility arbeitet der Softwarekonzern gemeinsam mit Samsung an neuen Lösungen. Eine neue Partnerschaft mit Facebook soll außerdem bei einer klarer gerichteten Zielgruppenansprache helfen.

Der Mittelstand als Kundengruppe von SAP

SAP hat neben den Konzernen mittlerweile auch den Mittelstand stärker als Zielgruppe anvisiert. Eine Vereinfachung der Cloud-Strukturen könnte vor diesem Hintergrund besonders essentiell sein, um die Einstiegshürden auch für mittelständische Kunden weiter zu senken. Schließlich steigt in diesem Bereich der Bedarf an größere Speicherplätze in der Cloud sowie eine höhere Flexibilität. Doch viele potenzielle Kunden aus dem Segment der kleinen und mittelständischen Unternehmen sehen derzeit noch die hohen Kosten einer Implementierung von SAP Hana nicht ausreichend durch den Nutzen gerechtfertigt.

Kurzportrait

Das im Jahre 1972 ins Leben gerufene und in Walldorf ansässige Softwarehaus SAP AG stieg in den 1980er und 1990er Jahren zum weltweit führenden Anbieter im Bereich ERP-Software (Enterprise Resource Planning) auf.

Diese Unternehmenssoftware erlaubt es Firmenkunden, wichtige Daten in Bezug auf Geschäftsprozesse (Produktion, Buchhaltung, Personalverwaltung und Vertrieb) innerhalb eines Unternehmens im Auge zu behalten und Geschäftsabläufe zu optimieren. Heute setzen bereits mehr als 250.000 Unternehmen in über 180 Ländern weltweit auf SAP-Software.

Mit NetWeaver will sich SAP weitere Geschäftsmöglichkeiten im Integrationsmarkt und im Markt für Application-Server erschließen. Mit der In-Memory-Datenbank Hana will SAP das Analysieren großer Datenvolumina binnen Sekunden ermöglichen. Im Bereich elektronischer Beschaffungssysteme gründete SAP gemeinsam mit Siemens, Bosch, INA, Continental AG und ZF Friedrichshafen das Joint-Venture SupplyOn AG.

Um die einzelnen Märkte, wie IT-Services und elektronische Beschaffungssysteme effektiv bearbeiten zu können, gründete SAP bereits 1997 die Tochterfirma SAP SI. Später wurde SAP SI wieder in den Konzern rückintegriert. Im Frühjahr 2007 kaufte SAP den norwegischen Softwarehersteller MaXware sowie die finnische Wicom Communications. Im Bereich Business Intelligence verstärkte sich SAP durch die Übernahme von OutlookSoft und Pilot Software. Nach der Übernahme seines Partners SAP Arabia schluckte SAP im Herbst 2007 den französischen Analysesoftwarehersteller Business Objects. Im Frühjahr 2010 kaufte SAP den US-Softwarespezialisten Sybase hinzu. Ende 2011 übernahm SAP den Cloud-Spezialisten SucessFactors, gleichzeitig wurde die Steeb Anwendungssysteme GmbH abgestoßen. Im Herbst 2012 erwarb SAP den US-Softwarekonzern Ariba. Mitte 2013 übernahm SAP den Logistik-Management-Spezialisten Hybris AG. Zudem wurden im Cloud-Bereich mit Fieldglass und SeeWhy weitere Cloud-Spezialisten dazu gekauft. Im Herbst 2014 folgte mit Concur Technologies die bislang größte Übernahme in der SAP-Firmengeschichte.

Meldung gespeichert unter: Enterprise Resource Planning (ERP)

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