Time Warner: Strategiewechsel trägt erste Früchte

Dienstag, 17. Oktober 2006 00:00

(IT-Times) Seit Anfang September kennt der Aktienkurs des Medienkonzerns Time Warner (NYSE: TWX<TWX.NYS>, WKN: 592629<AOL.FSE>) nur eine Richtung und zwar den nach oben. Innerhalb weniger Wochen legten die Papiere um mehr als 15 Prozent zu. Hintergrund dieser Entwicklung ist der Umstand, dass immer Investoren und Analysten Gefallen an der neuen AOL-Strategie finden.

Free is beautiful

Die Entscheidung der Online-Tochter, seine Services künftig kostenlos zur Verfügung zu stellen, scheint aufzugehen. Time Warner Chief Operating Officer (COO) Jeffrey Bewkes sieht die Fortschritte im Zusammenhang mit der Umsetzung der Strategie sogar über Plan. Man gewinne deutlich mehr Nutzer, zudem würden die operativen Kosten sinken, heißt es. Interessanterweise konnte AOL viele neue Nutzer auf seine Seiten locken, die bisher keine AOL-Kunden waren. Bewkes schätzt den Anteil dieser Kundschaft auf 40 Prozent am gesamten Neukundenaufkommen.

Die Hoffnungen ruhen auf vor allem auf dem boomenden Online-Werbegeschäft, welches mit steigenden Seitenaufrufen einhergeht. Allein im jüngsten Quartal verbuchte AOL bei den Online-Werbeeinahmen ein Plus von 40 Prozent. Das rasant wachsende Werbegeschäft wird zwar die Umsatzausfälle auf Seiten der Internetzugangsgebühren kurzfristig zwar nicht kompensieren können, doch langfristig dürfte sich die Strategie auszahlen.

Rückenwind erhielt der US-Medienkonzern zuletzt auch aus dem Analystenlager. Citigroup-Experte Jason Bazinet sieht Time Warner durch seine Kostenlos-Strategie auf den richtigen Weg. Diese Strategie würde das Wachstum des Unternehmens weiter beflügeln, glaubt der Citigroup-Analyst, der Time Warner-Aktien mit einem 12-Monatskursziel von 24 Dollar zum Kauf empfiehlt. Zwar geht Bazinet davon aus, dass der AOL-Umsatz in den nächsten Jahren bis 2008 um 10 bis 20 Prozent einbrechen wird, gleichzeitig dürfte sich der Gewinn aber aufgrund der sinkenden operativen Kosten und dem Wachstum bei Werbeeinnahmen bis zum Jahr 2009 jährlich erhöhen. Im Einzelnen kalkuliert der Analyst bei der Online-Einheit mit einem Umsatzrückgang auf 4,56 Mrd. Dollar bis 2009. Dabei dürfte sich der operative Gewinn auf 2,3 Mrd. Dollar bis 2009 erhöhen, während AOL im laufenden Jahr wohl einen Gewinn von 1,89 Mrd. Dollar einfahren wird, prognostiziert der Citigroup-Analyst.

Kurzportrait

Mit mehr als 17 Mio. Kunden gilt Time Warner nicht nur als der größte Internet Service Provider in Amerika, gleichzeitig betreibt das Unternehmen mit Aol.com eines der größten Internet-Portale und ist durch die Fusion mit Time Warner auch in den Besitz von Filmstudios, Kabel-Kanäle, sowie Plattenlabels gekommen. Im Medienbereich verlegt die Gesellschaft etwa 36 Zeitschriften. Zwar muss Time Warner sein Kabelnetz auch für Konkurrenten öffnen, doch auch in Sachen Breitbandzugang nimmt die Gesellschaft eine führende Position ein. Gleichzeitig sollen künftig mehr kostenfreie Services auf den Webseiten angeboten werden, um so die Werbeumsätze zu erhöhen.

Im Jahr 2004 verkaufte Time Warner seine Einheit Warner Music und erlöste dadurch 2,6 Mrd. Dollar, um seine Nettoverschuldung weiter zu reduzieren. Anfang 2005 übernahm Time Warner über seine Tochter Time Inc den Verlag Essence Communications Partners (Suede-Magazin). Das Joint Venture MusicNet wurde im Frühjahr 2005 an eine Investorengruppe veräußert. Gleichzeitig erwarb Time Warner gemeinsam mit Comcast die insolvente US-Kabelgesellschaft Adelphia Communications. Im Herbst 2005 übernahm Time Warner über seine Online-Einheit AOL den Speicher- und Backup-Spezialisten Xdrive sowie den Mobiltechnikspezialisten Wildseed Ltd. Ferner kaufte Time Warner das mexikanische Verlagshaus Grupo Editorial Expansion. Zudem wurde über AOL der Blogging-Spezialist Weblogs aufgekauft. Anfang 2006 übernahm Time Warner den Videosuchdienst Truveo und Games.com. Zugleich wurde die Buch-Sparte (Time Warner Book Group) abgestoßen. Im Frühjahr 2006 verstärkte sich AOL erneut im Videobereich und kaufte den Werbespezialisten Lightningcast. Gleichzeitig stellte AOL seine Strategie um, wonach künftig Software- und Email-Dienste für Breitband-Kunden kostenfrei zugänglich sein sollen. Im Herbst 2006 verstärkte sich AOL im Spielebereich durch die Übernahme des Spiele-Magazins GameDaily.com, nachdem man im Vorfeld den Community-Spezialisten Userplane aufkaufte. Nachdem man zuvor AOL Deutschland für 675 Mio. Euro an die Telecom Italia verkaufte, trennte sich Time Warner dann auch von seiner französischen (AOL France) und englischen Online-Einheit (AOL UK).

In der Vergangenheit als Wachstumsmotor für den Medienbereich gedacht, erfüllte die Online-Einheit die hohen Erwartungen nach der Fusion nicht, so dass der Zusatz AOL wieder aus dem Firmennamen gestrichen wurde. Um den Bereich E-Commerce weiter zu fördern, gründete AOL gemeinsam mit 30 weiteren Unternehmen das Projekt „Liberty Alliance Project“, welches in Konkurrenz zu Microsofts Passport-Technologie steht.

Mit dem AOL Instant Messenger hat sich der Internet Service Provider eine Vormachtstellung sichern können. Die AOL-Anwendung ist das meistgenutzte Kommunikationsinstrument, wenn es um den Austausch von Kurzmitteilungen über das Internet geht.

Zahlen

Für das vergangene Juniquartal meldete Time Warner einen Umsatzanstieg auf 10,7 Mrd. Dollar, ein marginaler Zuwachs von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn kletterte dabei auf 865 Mio. Dollar oder 20 US-Cent je Aktie, nachdem im Jahr vorher noch ein Minus von 425 Mio. Dollar oder 25 US-Cent je Aktie zu Buche stand.

An der Wall Street hatte man zunächst mit Einnahmen von 10,99 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 19 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Bei der Online-Einheit AOL schwanden die Umsätze um zwei Prozent auf 2,0 Mrd. Dollar, wobei die Subscription-Erlöse um elf Prozent einbrachen. Die Werbeerlöse kletterten hingegen um 40 Prozent, so dass AOL einen operativen Gewinn von 505 Mio. Dollar erwirtschaften konnte.

Insgesamt verbuchte AOL im jüngsten Quartal durchschnittlich 113 Mio. Besucher, wobei die Anzahl der AOL-Mitglieder um weitere 976.000 auf 17,7 Mio. AOL-Nutzer sank. In Europa verlor AOL 218.000 Mitglieder gegenüber dem Vorquartal auf 5,6 Mio. Nutzer.

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