Texas Instruments vor Neuorientierung - Femto-Zell-Markt im Visier

Donnerstag, 24. Juni 2010 13:30
Texas Instruments (TI)

(IT-Times) - Der US-Mobilfunkchiphersteller Texas Instruments (NYSE: TXN, WKN: 852654) hat Anfang Juni seinen Umsatz- bzw. Gewinnausblick für das laufende zweite Quartal leicht erhöhen können. Texas Instruments (TI) profitiert als größter Produzent analoger Halbleiter von der gestiegenen Nachfrage nach Unterhaltungselektronikgeräten wie Digitalkameras und Handys.

Allerdings hatte TI zuletzt die Nachfrageerholung unterschätzt und Mühe den rasanten Order-Zuwachs zu bewältigen. Diese Situation hat sich inzwischen gebessert, wie Robert W. Baird Analyst Tristan Gerra weiß. Erstmals seit mehreren Quartalen habe TI seine Lieferprobleme erfolgreich in den Griff bekommen, so Gerra.

TI setzt stärker auf das Geschäft mit analogen Halbleitern
TI sah sich in den vergangenen Quartalen unter Druck, nachdem das Unternehmen gegen den Wettbewerber Qualcomm oft das Nachsehen hatte. Das Unternehmen will sich stattdessen vermehrt auf das Geschäft mit analogen Halbleiterlösungen konzentrieren. Einst dominierte TI den Markt für DSP-Chips, die insbesondere in Mobiltelefonen zum Einsatz kommen, allerdings verloren die Texaner hier zuletzt stetig Markanteile an Wettbewerber. Insbesondere Freescale drängt aggressiv in den DSP-Markt mit seinem SC3850 StarCore, der die doppelte Performance zum halben Preis im Vergleich zu DSP-Produkten von TI verspricht. Auch Qualcomm konnte zuletzt mit seinem SnapDragon-Prozessor punkten, der in immer mehr Android-basierten Smartphones Einzug hält.

Die Konzentration auf analoge Chipsätze soll nunmehr für mehr Effizienz und vor allem für mehr Aufträge sorgen. Hier erzielte TI im Vorjahr bereits 40 Prozent seiner gesamten Erlöse. Um wieder Fahrt in Sachen Wachstum aufzunehmen, ist jedoch die Erschließung neuer Wachstumsmärkte erforderlich.

TI erweitert Femto-Zell-Produktportfolio
Hier könnte der Markt für Femto-Zellen ein lukratives Betätigungsfeld für TI sein. Zu Wochenbeginn gab TI bekannt, neue Femtozell-Geräte auf Basis seiner neuen System-on-a-Chip (SoC) Architektur entwickeln zu wollen. Gemeinsam mit den Technikspezialisten Azcom und Nash Technologies präsentierte TI jüngst die erste 32-Nutzer Femto-Zelle im Rahmen der Fachmesse Femtocells World Summit.

Bei einer Femto-Zelle handelt sich um eine Art private Mobilfunkbasisstation für den Hausgebrauch. Damit kann Jedermann sein eigenes, privates UMTS-Netz im eigenen Haus errichten. Die Technik soll das traditionelle WLAN-Netz einmal ablösen. Der Vorteil der Femto-Zell liegt in ihrem geringen Verwaltungs- und Wartungsaufwand. Für den Privatanwender soll die Technik durch Plug & Play keinerlei Installations- oder Wartungsaufwand nach sich ziehen, versprechen die Hersteller. Daher rechnen die Marktforscher aus dem Hause ABI-Research auch mit einer schnellen Akzeptanz der neuen Technik. Bis 2012 soll die neue Geräteklasse schon zum Massenprodukt avancieren, wobei dann nicht weniger als 70 Millionen Einheiten weltweit abgesetzt werden sollen, glauben die Marktforscher…

Kurzportrait

Seit mehr als sechs Jahrzehnten ist Texas Instruments (TI) nunmehr im Markt für Elektronikkomponenten engagiert. Zunächst für seine Taschenrechner bekannt, schaffte das Unternehmen in den 90er Jahren durch seine Mobilfunkchips den Durchbruch. Aus dem Geschäft mit Digital Signal Prozessoren (DSPs), in denen TI einst Marktführer war, will sich das Unternehmen zurückziehen, um sich auf sein Kerngeschäft mit analogen Chips zu konzentrieren. Heute operiert TI von vier Geschäftsbereichen heraus: Analog, Embedded Processing, Wireless und Other. TI verkauft seine Produkte dabei an Auftrags-, OEM- und ODM-Hersteller weltweit.

Das Geschäft mit Kabelmodems und DSL-Equipment gab IT dagegen in 2007 an den Münchner Chip-Konzern Infineon ab. Der Bereich analoge Halbleiter steuerte zuletzt etwa 40 Prozent der gesamten TI-Umsätze bei, während der Geschäftsbereich Wireless etwa 25 Prozent der Gesamtumsätze trug. Der Geschäftsbereich Others, in der unter anderem das Geschäft mit DLP-Produkten zusammengefasst ist, steuerte zuletzt etwa 20 Prozent der Erlöse bei.

Im Marktsegment der analogen Halbleiter liefert sich TI einen harten Konkurrenzkampf mit Europas führenden Halbleitergiganten STMicroelectronics. Gleichzeitig bietet TI auch Logic-Chips, Mikroprozessoren und Microcontroller an. So beliefert TI unter anderem große Mobilfunkunternehmen wie Nokia und Motorola, wobei die Finnen zu den größten Kunden der Amerikaner zählen.

Neben dem Kerngeschäft mit Mobilfunkchips, analogen Halbleitern und elektronischen Komponenten, widmet sich TI auch der Unterstützung von jungen Technologiefirmen, welche sowohl Hardware als auch Software rund um den Bereich DSP und verwandte Bereiche entwickeln. Hierfür rief TI gemeinsam mit Granite Ventures im Jahre 1996 das Joint Venture TI Ventures ins Leben.

Zuletzt verstärkte sich TI selbst im WiFi- und RFID-Bereich durch die Übernahme der kalifornischen Radia Communications sowie des Chiphersteller Integrated Circuit Designs Inc. Im Herbst 2007 kaufte TI den Power-Management-Spezialisten Powerprecise Solutions. In 2008 verstärkte sich TI durch die Übernahme von Commergy Technologies und Innovative Design Solutions. Im Frühjahr 2009 verstärkte sich TI im Microcontroller-Geschäft mit der Übernahme von Luminary Micro.

Das Unternehmen unterhält neben dem Stammhaus in Dallas/Texas noch weitere Fertigungs- und Vertriebsniederlassungen in mehr als 30 Ländern weltweit.

Zahlen

Für das vergangene Märzquartal meldet Texas Instruments (TI) einen Umsatzsprung um 54 Prozent auf 3,21 Mrd. US-Dollar. Der Nettogewinn kletterte dabei auf 658 Mio. Dollar oder 52 US-Cent je Aktie, nach einem Profit von 17 Mio. Dollar oder einen Cent je Aktie in der Vorjahresperiode.

Mit den vorgelegten Zahlen konnte TI gleichzeitig auch die Markterwartungen der Analysten übertreffen, die im Vorfeld lediglich mit Einnahmen von 3,14 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 51 US-Cent je Aktie gerechnet hatten.

Meldung gespeichert unter: Texas Instruments (TI)

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