Telenor - Vorbild für die Telekom?

Mittwoch, 30. August 2006 00:00

(IT-Times) Wer zu Hause nicht mehr wachsen kann, der versucht es halt anderswo. So lautet die Devise des norwegischen Telekommunikationskonzerns Telenor (WKN: 591260<TEQ.FSE>) und der Ex-Monopolist fährt damit sehr gut. Mit fast 100 Millionen Kunden spielt das Unternehmen in einer Liga mit der Deutschen Telekom, die sich an den auswärtsstarken Norwegern ein Beispiel hätte nehmen können.

Der letzte Streich in Serbien

Telenor setzt konsequent auf Emerging Markets. Anfang des Monats vermeldete man den Gewinn der Auktion um den serbischen Mobilfunknetzbetreiber Mobi63. Für 1,5 Mrd. Euro übernahm man die serbische Nummer zwei und stach dabei unter anderem Mobilkom Austria aus, denen der Preis zu hoch wurde. Doch Telenor befand sich in einer Must-Win-Situation, wollte man die Balkan-Strategie fortführen. Schließlich ist man bereits in Ungarn und Montenegro präsent, in Österreich hält man eine Minderheitsbeteiligung an One. So wurde durch die Übernahme eine geografische Lücke geschlossen und eine Achse gebildet, die Brückenkopf für weitere Expansion in der Region sein soll. Durch die Akquisition komme man dem Ziel näher, „einen starken Hub in diesem prioritären geografischen Gebiet mit langfristigen Synergien zu errichten", so Telenor-Chef Jon Fredrik Baksaas.

Dabei hat sich Telenor mit Mobi63 zwar in keinen wirklich bedeutenden Markt eingekauft. Aber Serbien verspricht mit einer Mobilfunkpenetration von 65 Prozent weiteres Wachstum. Besonders interessant: In der Balkanrepublik gibt es ein Duopol, einziger Wettbewerber ist der staatliche Marktführer MTS, der 55 Prozent Anteil auf sich vereint. Die Marktsituation verspricht jedoch ordentliche Margen, bis 2010 sollen es auf EBITDA-Ebene 45 Prozent sein.

Schwierigkeiten in der Ukraine, Russland und Österreich

Aber auch bei Telenor läuft nicht alles rund. Gerne würden die Norweger die Mehrheit an dem österreichischen Mobilfunknetzbetreiber One übernehmen, an dem man derzeit 20 Prozent hält. Hauptaktionär E.ON ist gewillt, den 50,1prozentigen Anteil zu verkaufen, soll aber nach einer Meldung der österreichischen Zeitung Der Standard in exklusiven Verhandlungen mit der Investmentgesellschaft Carlyle Group und France Telecom stehen. Die Franzosen besitzen ebenfalls ein 20prozentiges Paket, so dass Telenor die Hoffnung auf eine Mehrheitsbeteiligung fast schon aufgegeben hat.

Auch auf einem anderen Feld in der Region CEE (Central and Eastern Europe) gibt es Probleme. Telenor ist Hauptaktionär von Kyivstar, dem zweitgrößten Anbieter der Ukraine. Das Unternehmen gewann allein im zweiten Quartal 2006 eine Million neue Kunden und kommt somit auf eine Basis von 16 Millionen. Die Norweger halten 56,5 Prozent, der Rest gehört Altimo, dem Mobilfunkzweig der russischen Alfa Group. Kyivstar soll nach dem Willen der beiden Aktionäre mit dem zweitgrößten russischen Mobilfunknetzbetreiber VimpelCom fusionieren. Das Problem ist, Telenor hält an dem Unternehmen 26,6 Prozent, die Alfa Group 32,9 Prozent - nach einer Fusion wollen beide die Oberhand haben, was zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung führte, deren Ergebnis derzeit offen scheint.

Asien treibt Wachstum, Skandinavien bringt die Butter aufs Brot

Telenor ist auch außerhalb Europas tätig. Thailand und Malaysia sind dabei schon weiter fortgeschrittene Märkte, auf denen sich der Preiskampf bemerkbar macht. Die eigentlichen Wachstumstreiber aber sind die Aktivitäten in Pakistan und Bangladesch. Marktführer GrameenPhone in Bangladesch gewann allein im zweiten Quartal 2006 zwei Millionen neue Kunden und erweiterte die Basis so auf 8,5 Millionen. Die Mobilfunkpenetration liegt bei rund zehn Prozent. Allerdings gibt der ARPU (monatlicher Umsatz pro Nutzer) deutlich nach. In Pakistan gewann man 700.000 neu Nutzer, auch hier liegt die Penetration bei gerade 22 Prozent.

Neben den stark wachstumsorientierten Aktivitäten bringt Skandinavien die Butter auf das Brot. Hier bietet Telenor das volle Spektrum der Telekommunikation an. Neben Mobilfunk, Festnetz und Internet gibt es auch eine Broadcast-Sparte. Hier ist man nach eignen Angaben der größte Anbieter der Region und nutzt drei Satelliten, um Fernsehsender und Pay-TV zu vermarkten. Neben einem terrestrischen Netz verfügt man auch stellenweise über ein Kabelnetz. In Norwegen hat man eine dominante Stellung, verlor aber im zweiten Quartal einen Prozent Marktanteil und kommt nun auf 55 Prozent. Daneben hat man die Aktivitäten in Schweden durch die Übernahme der dortigen Vodafone-Aktivitäten ausgebaut. Insgesamt wird in der Region weniger Wachstum erzielt, dafür jedoch einen Großteil von Umsatz und Gewinn.

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