Telekom beantragt mit 12,90 Euro teuerste TAL-Monatsmiete in Europa

Samstag, 22. Januar 2011 10:16
VATM

VATM: „Entgelte für Teilnehmeranschlussleitung müssen sich an der Realität und den Festlegungen der Gerichte orientieren“

Köln, 21. Januar 2011. Die Telekom Deutschland will den Mietpreis für das wichtigste Vorprodukt im deutschen Telekommunikationsmarkt, die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) um mehr als 25 Prozent erhöhen. Sie hat am gestrigen Donnerstag bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) die Anhebung von derzeit 10,20 auf 12,90 Euro beantragt. Die TAL-Monatsentgelte werden von den Wettbewerbern an die Telekom für die Bereitstellung der so genannten letzten Meile bis zum Endkunden bezahlt und von der Bundesnetzagentur festgelegt. Im März 2011 wird die Bundesnetzagentur das neue Monatsentgelt für die TAL – im üblichen Zwei-Jahres-Rhythmus  – bekannt geben.

„Es ist unglaublich, dass der Ex-Monopolist eine solch massive, am gesamten Markt vorbeigehende Erhöhung des monatlichen TAL-Mietpreises beantragt und damit versucht, ihre Einnahmen zu erhöhen“, kritisiert VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. „Das ist sachlich nicht begründbar. Die beantragten Entgelte liegen deutlich über den Kosten der effizienten Leistungsbereitstellung. Ihren Aktionären gegenüber verweist die Telekom auf Effizienzsteigerungen und Einsparungen, bei den Entgelten, die die Wettbewerber zahlen sollen, argumentiert sie mit gestiegenen Kosten.“

Es dürfe keinesfalls dazu kommen, dass der Preis für die „Mutter aller Vorprodukte“ weiterhin künstlich hoch gehalten werde. Schon jetzt müssen die Wettbewerber in Deutschland das vierthöchste TAL-Entgelt in der EU-27 an den Ex-Monopolisten überweisen – mit 12,90 Euro wäre Deutschland das Land mit dem höchsten TAL-Preis in der gesamten EU-27. In den vergangenen Jahren ist das Entgelt nur minimal gesenkt worden – um lediglich 45 Cent in sechs Jahren (2005: 10,65 Euro).

„Wir müssen auf einen guten europäischen Durchschnittspreis kommen – gerade auch aufgrund unserer Mengenvorteile im größten europäischen Markt. Der Durchschnitt der zehn EU-Länder mit den preisgünstigsten Mietpreisen für die so genannte letzte Meile liegt laut Cullen International derzeit bei 6,67 Euro“, betont Grützner. Bei schätzungsweise rund 9,5 Millionen vermieteten TAL bedeutet das derzeitige Entgelt Einnahmen in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro für die Telekom allein in diesem Jahr – aus Sicht der Wettbewerber also rund 300 Millionen Euro zu viel.

„Während in diesem hart umkämpften Markt die Endkundenpreise zugunsten des Verbrauchers so niedrig sind wie noch nie, will die Telekom die Vorproduktpreise erhöhen, um die Wettbewerbsfähigkeit der hiervon abhängigen Unternehmen zu schwächen, insbesondere auch gegenüber den Kabelnetzbetreibern, die nicht auf die Telekom-Vorprodukte angewiesen sind. Hinzu kommen  die Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit zum Beispiel auch im Vergleich zu den Kabelnetzbetreibern. Den Wettbewerbern gehen Millionen von Euro verloren, die dann nicht für Investitionen etwa in den Glasfaserausbau zur Verfügung stehen. Es besteht die Gefahr, dass der Ausbau neuer Netze verzögert wird“, so Grützner. Seit Jahren tragen die Wettbewerber in der TK-Branche mehr als die Hälfte des Investments, 2010 mit rund 3,7 Milliarden Euro fast 60 Prozent. Insgesamt haben sie seit der Marktliberalisierung rund 48,5 Milliarden Euro investiert.

„Obwohl das über Jahrzehnte mit öffentlichen Mitteln errichtete alten Kupfernetz der Telekom weitesgehend abgeschrieben ist und eben nicht mehr neu gebaut oder ersetzt wird, führt die Telekom den gestiegenen Kupferpreis als Argument an“, sagt Grützner mit Blick auf die Begründung der Telekom. Hinzu kommt: „Das Berechnungsmodell der Bundesnetzagentur muss laut mehrerer Gerichte geändert werden. Es dürfen nicht länger nur die Wiederbeschaffungskosten veranschlagt werden, sondern es müssen vielmehr auch die historischen Kosten und die Nutzungsdauer des Netzes einbezogen werden. Auch bei der Berücksichtigung der Eigenkapitalverzinsung muss nachgebessert und das seit Jahren sinkende Zinsniveau berücksichtigt werden", unterstreicht Grützner.

So sprechen die eindeutigen Vorgaben des Europäischen Gerichtshofes (2008) und des Verwaltungsgerichts Köln (2010) für eine deutliche Absenkung. Das bestätigt auch ein aktuelles Gutachten von Prof. Dr. Jürgen Kühling, Universität Regensburg, von Dezember 2010, das im Auftrag des VATM erstellt wurde.

„Von einem richtigen, realistischen TAL-Preis würden beide Seiten profitieren – und Wettbewerb und Investitionen möglichst vieler TK-Unternehmen wären gesichert“, unterstreicht der VATM-Geschäftsführer.

Stichwort:

Teilnehmeranschlussleitung (TAL)

Die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) – auch letzte Meile genannt – stellt innerhalb des Telefonnetzes die Verbindung zwischen der Ortsvermittlungsstelle (Hauptverteiler) des Netzbetreibers und dem Netzabschluss (TAE) beim Teilnehmer dar. Überwiegend wird die Verbindung vom Hauptverteiler über den Kabelverzweiger (KVz), den Schaltkasten am Gehwegrand, zu den Anschlussdosen (TAE) beim Teilnehmer geschaltet. In den meisten Fällen besteht die TAL aus einer Kupfer-Doppelader (CuDa) und ist somit DSL-fähig. Die Kupfer-TAL muss teilweise Entfernungen von fünf Kilometern und mehr überbrücken und ist dann aus physikalischen Gründen praktisch nicht mehr für breitbandige Anwendungen nutzbar. Im Zuge des Glasfaserausbaus (VDSL, FTTB, FTTH) wird die Kupferleitung mittel- und langfristig zunehmend durch Glasfaserstrecken ersetzt werden. Die Wettbewerber mieten die Kupfer-TAL zu einem von der Bundesnetzagentur regulierten Preis vom Ex-Monopolisten, der Telekom Deutschland GmbH.

Informationen / Rückfragen:

Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e.V.

VATM-Geschäftsstelle

Meldung gespeichert unter: VATM

© IT-Times 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Folgen Sie IT-Times auf ...