STMicroelectronics übt den Befreiungsschlag

Mittwoch, 12. Dezember 2007 12:51
STMicroelectronics.gif

(IT-Times) Der Aktienkurs von Europas führendem Halbleiterkonzern, der Schweizer STMicroelectronics (NYSE: STM, WKN: 897710), kannte im vergangenen Halbjahr nur eine Richtung: den nach unten.

Mit der Übernahme von Genesis Microchip will sich ST vor allem technisches Know-how im Bereich Display-Controller ins Haus holen, um seine Marktstellung gegenüber Wettbewerbern wie Pixelworks und Silicon Image zu stärken. Gleichzeitig will ST damit seine Position im Unterhaltungselektronikmarkt insgesamt verbessern. Analysten wie Sanford Bernstein Experte Scott Geels kritisierten ST in der Vergangenheit wegen seiner eher technologisch schwachen Position am Markt. Die hohe Nachfrage nach Halbleiterprodukten hat diese Schwäche bislang kaschiert.

Technik ist Trumpf
Rund 336 Mio. Dollar ließ sich ST nun diese technische Verstärkung kosten, welche die ST-Ergebnisse zunächst belasten dürfte. Zwar zählt Genesis namhafte Technologiegrößen wie Samsung Electronics, Philips, BenQ, LG Electronics sowie Sony zu seinen Kunden, allerdings schrieb der US-Chipspezialist zuletzt aber tiefrote Zahlen. Auch die Umsätze werden bei Genesis im laufenden Jahr wohl hinter dem Niveau des Vorjahres (214 Mio. Dollar) zurückbleiben. Ferner rechneten Analysten auch im Fiskaljahr 2009 mit roten Zahlen bei Genesis.

Dennoch könnte sich der Zukauf für ST auf lange Sicht durchaus lohnen. Zum einen dürfte es ST gelingen durch die Integration, die im ersten Quartal 2008 abgeschlossen sein soll, weitere Synergieeffekte zu lösen. Damit könnte der Break-Even bei Genesis schneller erreicht werden. Zum anderen zeigt der Umsatztrend bei Genesis wieder nach oben. Im dritten Quartal 2007 konnte man die Erlöse von 44,0 auf 57,5 Mio. Dollar steigern.

Zudem könnte Genesis vom Boom im Bereich digitales Fernsehen profitieren. Flachbild-Fernseher und HD-kompatible Geräte werden immer beliebter. Im jüngsten Quartal konnte Genesis 3,9 Mio. Flachbild-TV-Controller zur Auslieferung bringen, zudem wurden 10,9 Mio. LCD-Monitoreinheiten ausgeliefert. Die neue Douglas HDTV-Lösung soll noch Ende Dezember in die Massenproduktion gehen, wobei weitere OEM-Partner in China in den nächsten Quartalen die Produktion aufnehmen sollen. Doch noch müssen sich ST-Aktionäre in Geduld üben: Die Übernahme dürfte sich frühestens im zweiten Halbjahr 2008 positiv in der ST-Bilanz niederschlagen.

Kurzportrait

Die im Jahre 1987 aus der Fusion von SGS Microelecttronica (Italien) und Thomson Semiconducteurs (Frankreich) hervorgegangene STMicroelectronics (ST) gilt als einer der größten Halbleiterkonzerne Europas. Der in Genf/Schweiz beheimatete Chiphersteller bietet eine breite Produktpalette von Halbleitern an. Die Produktpalette erstreckt sich von Speicherchips, über ASICs, bis hin zu Chips für analoge und digitale Anwendungen.

Das Unternehmen bedient mit seinen Produkten nicht nur die Telekom-, sondern auch die Automobil-, und Unterhaltungselektronikindustrie. Insgesamt operiert STMicroelectronics aus drei Kerngeschäftsbereichen heraus: Application Specific Product Group (ASG), Memory Products Group (MPG) und der Micro, Power, Analog Product Group (MPA). Die ASG-Einheit besteht wiederum aus drei Produktlinien: Home, Personal and Communication (HPC), Computer Peripherals Products (CPG) und Automotive Product (APG).

Die MPG-Division entwickelt verschiedene Speicher- und Smartcard-Produkte, während die MPGA-Einheit sich auf die Entwicklung von linearen und logischen ICs sowie RFID-Chips spezialisiert hat. Zu den Kunden der Schweizer zählen namhafte Technologiegrößen wie Alcatel-Lucent, Hewlett-Packard (HP) und insbesondere Nokia. Die Finnen zeichnen zuletzt fast für rund ein Fünftel der STMicroelectronics-Umsätze verantwortlich.

STMicroelectronics ist mit zahlreichen Niederlassungen in Europa, aber auch in den USA und im asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraum präsent. Gleichzeitig unterhält das Unternehmen verschiedene Kooperationsabkommen mit anderen Technologiefirmen. Im Jahr 2007 gab ST eine Kooperation mit Intel bekannt. Im Rahmen eines Joint Ventures werden die Flashspeicher-Aktivitäten beider Firmen zusammengelegt. ST wird 48,6 Prozent an dem neuen Unternehmen Numonyx halten, welches seinen Hauptsitz in der Schweiz haben wird. Ende 2007 übernahm ST den US-Spezialisten für Display Image-Prozessoren Genesis Microchip. Die beiden Staaten Frankreich und Italien sind nach wie vor mit einer Minderheitsbeteiligung an ST beteiligt.

Zahlen

Im dritten Quartal 2007 erzielte STMicroelectronics einen Umsatz von 2,565 Mrd. US-Dollar, der sich somit gegenüber dem Vorjahr um 2,1 Prozent verbesserte. Ohne die in FMG transferierten Einheiten lag der Umsatz bei 2,213 Mrd. Dollar und wuchs so um 3,7 Prozent.

Der Bruttogewinn von STMicroelectronics inklusive FMG lag bei 902 Mio. US-Dollar bei einer Bruttomarge von 35,2 Prozent. Ohne den Bereich FMG wurde eine Bruttogewinn von 865 Mio. Dollar ausgewiesen bei einer Marge von 39,1 Prozent. Es wurde ein operativer Gewinn von 181 Mio. Dollar erwirtschaftet (2006: 194 Mio. Dollar).

Der Nettogewinn wurde mit 187 Mio. Dollar angegeben, nach 207 Mio. Dollar in 2006. Entsprechend sank der Gewinn je Aktie durch die Ausgliederung von FMG von 22 Cent auf 20 Cent. Dennoch konnte ST damit die Analystenerwartungen übertreffen. An der Wall Street hatte man im Vorfeld mit einem Nettogewinn von nur 18 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Meldung gespeichert unter: Chips

© IT-Times 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Folgen Sie IT-Times auf ...