Sony: Japans Elektronikgigant gerät ins Wanken - Datenklau-Skandal weitet sich aus

Mittwoch, 4. Mai 2011 13:39
Sony

(IT-Times) - Der japanische Elektronikkonzern Sony Corp (NYSE: SNE, WKN: 853687) droht immer tiefer in die Krise zu schlittern. Erst in der Vorwoche musste Sony eingestehen, dass durch einen Hacker-Angriff auf das PlayStation Network und den Musik-Dienst Qriocity Daten von 77 Millionen Nutzerkonten gestohlen wurden. Wenige Tage später musste Sony einräumen, dass auch die Online-Spieledivision Sony Online Entertainment (SOE) betroffen war. Knapp 25 Millionen Datensätze sollen von den Angreifern entwendet worden sein.

Daten-Diebstahl betrifft inzwischen über 100 Millionen Nutzer
Gestohlen wurden bei dem Cyber-Angriff nicht nur Adress-, sondern offenbar auch Bankdaten von über 20.000 Kunden außerhalb der USA, davon 10.700 aus Deutschland, wie Der Spiegel berichtet. Bislang dementierte Sony stets Berichte, wonach Kreditkarten- und Bankdaten im großen Stil entwendet wurden. Damit erreicht der Datenklau eine ganz neue Dimension, die den Konzern in seinen Grundfesten erschüttern könnte.

Der entstandene Image-Schaden durch den Daten-Diebstahl ist noch gar nicht abzusehen. Sollten tatsächlich Kreditkartendaten von Millionen von Nutzern entwendet worden sein, kämen dreistellige Millionenkosten auf Sony zu. Werden die gestohlenen Kreditkartendaten missbräuchlich für Anschaffungen genutzt, könnte Sony in Regress genommen werden. Der finanzielle Schaden durch das Desaster könnte sich so sehr schnell ausweiten.

Datenskandal konterkariert Android-Strategie
Zudem kommt der Vorfall für Sony zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Ende April hatte der japanische Konzern seine Strategie für den Tablet PC Markt präsentiert. Schon im Herbst will Sony gegen den iPad von Apple antreten und mit dem S1 und S2 zwei Android-basierte Tablet PCs ins Rennen schicken.

Dabei haben sich die Japaner ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Bis 2012 wolle man zum weltweit größten Anbieter von Android-basierten Tablet PCs aufsteigen, tönte Sony PC Chef Kunimasa Suzuki. Ein Erfolg wäre für die Japaner wichtig, ist Sony bislang nur der neuntgrößte Hersteller von Laptops mit einem Marktanteil von 4,2 Prozent, so die Marktforscher aus dem Hause IDC.

Rückschlag im Online-Spielemarkt - EverQuest und Free Realms offline
Auch für die Ambitionen von Sony im Online-Spielebereich kommt der Daten-Supergau höchst ungelegen. Nicht nur das Microsoft mit seinem Kinect Motion-Controller sehr gut im Rennen um die Gunst der Kunden liegt, auch hatte Sony mit "Free Realms" ein viel versprechendes Online-Spiel am Start. Anfang April verzeichnete Free Realms 17 Millionen Spieler weltweit, wobei SOE Präsident John Smedley das MMORPG bei 100 Millionen registrierten Spielern eines Tages sieht. Zum Vergleich: "World of Warcraft" zählt etwa 12 Millionen Abonnenten weltweit.

Anders als in "World of Warcraft" ist jedoch "Free Realms" kostenfrei zugänglich und finanziert sich über den Verkauf von Zusatzservices rund um das Spiel. Sollten tatsächlich hinterlegte Kreditkartendaten von Spielern entwendet worden sein, dürfte die Bereitschaft der Spieler ihre Kreditkarte zu zücken, künftig deutlich zurückgehen. Eine fatale Entwicklung für die Japaner, denn der MMORPG-Markt dürfte bis 2014 auf weltweit acht Mrd. US-Dollar wachsen - mit oder ohne Sony.

Kurzportrait
Sony wurde 1946 ursprünglich als Tokyo Tsushin Kogyo K.K. (Tokyo Telecommunications Engineering Corporation) gegründet. Drei Jahre später entwickelte man das erste Magnettonband. Erst 1955 folgte die Umbenennung in Sony. In den Folgejahren wurden Fernseher, Videorekorder und Halbleiter produziert, aber auch der Einstieg in das Unterhaltungsgeschäft gelang durch ein Joint Venture mit der US-amerikanischen CBS. Parallel hierzu erfolgte die internationale Expansion. 1979 präsentierte Sony mit dem Walkman einen Bestseller, drei Jahre später wurde die CD entwickelt. Kurze Zeit später folgte die erste Videokamera. Mit seiner PlayStation legte das Unternehmen zudem den Grundstein für den späteren Erfolg im Bereich Spielekonsolen. Inzwischen hat das Unternehmen mit der PlayStation 3 (PS3) bereits die dritte Generation seiner erfolgreichen Spielekonsole auf den Markt gebracht.

Heute ist Sony einer der größten Elektronikkonzerne der Welt. Das Unternehmen ist in fünf Sparten unterteilt: Financial (Versicherungen, Kreditfinanzierung, Leasing), Pictures (Filmproduktionen, u.a. MGM), Games (Konsolen und dazugehörige Software/Spiele) und Others (Dienstleistungen, Werbeagenturen etc.). Sony Pictures Entertainment hält unter anderem eine 7,5%ige Beteiligung an den Revolution Studios.

Das mit Abstand größte Segment ist Electronics. Hier werden unter anderem Audio- und Videoausrüstung (Fotoapparate, Kameras, DVD-/CD-/MP3-Player etc.), Batterien, Fernseher und Datenträger entwickelt, hergestellt sowie abgesetzt. Zu der Sparte gehört auch SonyEricsson, ein Joint Venture mit dem schwedischen Ericsson-Konzern, das Mobiltelefone herstellt. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Tokio und beschäftigt rund 150.000 Mitarbeiter weltweit. Ende 2007 verkaufte Sony sein Computerchip-Geschäft an die japanische Toshiba. Gleichzeitig brachte Sony auch seine Finanzeinheit Sony Financial Holdings an die Tokioter Börse, womit sich Sonys Beteiligung an der Tochter von 100 auf 60 Prozent reduzierte.

Zahlen
Sony setzte im vergangenen dritten Quartal des Geschäftsjahres 2010/2011 rund 2,2 Billionen Yen um. Im Vorjahreszeitraum hatte dieser bei 2,23 Billionen Yen gelegen. Das operative Ergebnis betrug 137,5 Mrd. Yen (Vorjahr: 146,1 Mrd. Yen). Die Japaner wiesen ein leicht gestiegenes EBT (Ergebnis vor Steuern) aus.

Meldung gespeichert unter: Sony

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