Sony am Abgrund: Massiver Job-Abbau und Neuausrichtung sollen die Wende bringen

Freitag, 13. April 2012 14:37
Sony

(IT-Times) - Japans bekannteste Marke steckt tief in der Krise. Für das zu Ende gegangene Fiskaljahr 2012 muss das Unternehmen voraussichtlich einen Riesenverlust von 520 Mrd. Yen oder 6,4 Mrd. US-Dollar ausweisen - es ist das vierte Jahr in Folge, indem Sony am Jahresende einen Verlust ausweisen muss.

Analysten rechnen mit weiteren Entlassungsrunden
Nunmehr zieht der neue Sony CEO Kazuo Hirai die Notbremse. Im laufenden Fiskaljahr sollen rund 10.000 Arbeitsplätze abgebaut werden, um die Kosten zu drücken. Vor allem das TV-Geschäft gilt als Hauptsorgenkind im Unternehmen. Die TV-Division schreibt seit acht Jahren rote Zahlen.

Dies soll künftig anders werden. Sony will das TV-Geschäft umkrempeln und spätestens im Fiskaljahr 2014 wieder schwarze Zahlen schreiben. Wie dies im Detail geschehen soll, hüllt sich das Sony-Management noch in Schweigen. Analysten wie Nomura-Experte Shiro Mikoshiba rechnen damit, dass Sony in den nächsten Jahren weitere 20.000 bis 30.000 Stellen abbauen muss, um sich gesund zu schrumpfen.

Sony hinkt hinter Apple und Samsung hinterher - Konzentration auf Games, Mobile und Digital Imaging
Hintergrund der Misere bei den Japanern ist die fehlende Wettbewerbsfähigkeit zu Konkurrenten wie Apple und Samsung Electronics, die Sony im Unterhaltungselektronikbereich zunehmend den Rang ablaufen. Sony (NYSE: SNE, WKN: 853687) hat es bisher nicht geschafft, "must have" Produkte zu produzieren, bringt es Fitch Rating Experte Nitin Soni gegenüber Bloomberg TV auf den Punkt.

Die neue Strategie sieht vor, dass sich Sony vor allem auf drei Kernbereiche konzentrieren wird. In die drei Bereiche Games, Mobile und Digital Imaging soll künftig das meiste Geld fließen. Die drei Kernbereiche sollen im Fiskaljahr 2014 rund 70 Prozent des Sony-Umsatzes und 85 Prozent des operativen Gewinns erwirtschaften.

Gaming-Sparte soll über 12 Mrd. Dollar zum Umatz beisteuern
Der ehemalige PlayStation-Chef Kaz Hirai gilt aus ausgesprochener Gaming-Experte, womit die Spieledivision künftig eine größere Rolle im Unternehmen spielen dürfte. So will Sony künftig sein Download-Spieleangebot für die PS3 und PS Vista kräftig erweitern, das Spieleangebot soll ferner auch leichter über andere Sony-Geräte wie Sony Tablets und Sony Vaio Notebooks zugänglich sein. Insgesamt soll das Sony Online-Spielenetzwerk weiter ausgebaut werden, wodurch alle Sony-Geräte integriert werden sollen.

Die bislang drei betriebenen Online Content Plattformen sollen zu einer Plattform verschmolzen werden. Ziel ist es, im Spielebereich im Fiskaljahr 2014 einen Umsatz von einer Billion Yen bzw. 12,4 Mrd. US-Dollar zu erreichen. Dabei machte Sony zuletzt keinen Hehl daraus, dass man mit der kommenden PlayStation-Generation (PS4) noch vor der nächsten Microsoft-Konsole auf den Markt kommen will.

Kurzportrait
Sony wurde 1946 ursprünglich als Tokyo Tsushin Kogyo K.K. (Tokyo Telecommunications Engineering Corporation) gegründet. Drei Jahre später entwickelte man das erste Magnettonband. Erst 1955 folgte die Umbenennung in Sony. In den Folgejahren wurden Fernseher, Videorekorder und Halbleiter produziert, aber auch der Einstieg in das Unterhaltungsgeschäft gelang durch ein Joint Venture mit der US-amerikanischen CBS. Parallel hierzu erfolgte die internationale Expansion. 1979 präsentierte Sony mit dem Walkman einen Bestseller, drei Jahre später wurde die CD entwickelt. Kurze Zeit später folgte die erste Videokamera. Mit seiner PlayStation legte das Unternehmen zudem den Grundstein für den späteren Erfolg im Bereich Spielekonsolen. Inzwischen hat das Unternehmen mit der PlayStation 3 (PS3) bereits die dritte Generation seiner erfolgreichen Spielekonsole auf den Markt gebracht.

Heute ist Sony einer der größten Elektronikkonzerne der Welt. Das Unternehmen ist in fünf Sparten unterteilt: Financial (Versicherungen, Kreditfinanzierung, Leasing), Pictures (Filmproduktionen, u.a. MGM), Games (Konsolen und dazugehörige Software/Spiele) und Others (Dienstleistungen, Werbeagenturen etc.). Sony Pictures Entertainment hält unter anderem eine 7,5%ige Beteiligung an den Revolution Studios.

Das mit Abstand größte Segment ist Electronics. Hier werden unter anderem Audio- und Videoausrüstung (Fotoapparate, Kameras, DVD-/CD-/MP3-Player etc.), Batterien, Fernseher und Datenträger entwickelt, hergestellt sowie abgesetzt. Zu der Sparte gehört auch SonyEricsson, ein Joint Venture mit dem schwedischen Ericsson-Konzern, das Mobiltelefone herstellt. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Tokio und beschäftigt rund 150.000 Mitarbeiter weltweit. Ende 2007 verkaufte Sony sein Computerchip-Geschäft an die japanische Toshiba. Gleichzeitig brachte Sony auch seine Finanzeinheit Sony Financial Holdings an die Tokioter Börse, womit sich Sonys Beteiligung an der Tochter von 100 auf 60 Prozent reduzierte. In 2011 gab Sony bekannt, dass Mobilfunk-Venture Sony Ericsson künftig allein führen zu wollen und zahlt hierfür 1,05 Mrd. Euro an Ericsson.

Zahlen
Sony hat im dritten Quartal 2011/2012 Verluste eingefahren. So gab der Umsatz von Sony gegenüber dem dritten Quartal des Vorjahres von 2,21 Billionen auf 1,82 Billionen Yen nach.

Meldung gespeichert unter: Sony

© IT-Times 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Folgen Sie IT-Times auf ...