SolarWorld - vom Marktführer zum Übernahmekandidaten

Mittwoch, 15. Oktober 2008 12:54
SolarWorld

(IT-Times) Die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten haben auch Solar-Werte in Mitleidenschaft gezogen. Branchengrößen wie Q-Cells oder SolarWorld (WKN: 510840) mussten kräftig Federn lassen. Insbesondere die Papiere von SolarWorld gerieten zuletzt unter die Räder und markierten ein neues Jahrestief bei knapp 20 Euro.

Analysten und Marktbeobachter sind sich bislang uneinig, in welcher Weise die jetzige Finanz- und Konjunkturkrise die Solarbranche treffen wird. Einerseits wollen staatliche Regierungen wie die USA und Deutschland die Solartechnik weiter fördern, auf der anderen Seite werden Großprojekte durch die Finanzkrise schwieriger finanzierbar. Noch viel schwerwiegender dürfte sich aber die ungezügelte Expansion der Hersteller in neue Produktionsanlagen auswirken.

Überkapazitäten könnten Preise deutlich drücken
Hersteller wie SunPower erwarten im nächsten Jahr bedingt durch Überkapazitäten am Markt einen Preisverfall bei Solarmodule von 10 bis 20 Prozent. Ein erstes Indiz für mögliche Überkapazitäten am Markt zeigte sich bereits Anfang Oktober. Der SolarWorld-Rivale BP Solar hat Pläne zum Bau einer neuen Produktionsfabrik in Maryland für 97 Mio. Dollar verworfen. Dabei verzichtet BP Solar auf den Erwerb von Solar-Equipment von 67 Mio. Dollar. Stattdessen sollen anstatt der Solar-Fabrik Büroflächen entstehen, heißt es bei BP Solar. BP Solar Sprecher Tom Mueller begründet den Rückzug mit dem intensiven Wettbewerb in der Branche.

Das Jahr 2009 dürfte die Spreu vom Weizen in der Solarbranche trennen, glaubt auch Lazard Capital Analyst Sanjay Shrestha. Unternehmen, die nur mit einer „me-too“ Strategie mitspielen wollen, räumt der Analyst keine großen Chancen ein. Auch Thomas Weisel Analyst Jeff Osborne schlägt ins gleiche Horn und rät Anlegern vor allem auf Werte zu setzen, die mit einem Alleinstellungsmerkmal aufwarten können. Für Osborne zählen im nächsten Jahr insbesondere die chinesische Suntech aufgrund des hohen Volumens und der niedrigen Kosten zu den Gewinnern. Auch der amerikanischen SunPower räumt der Analyst aufgrund der vertikalen Integration und der guten Performance Chancen ein. Auch First Solar dürfte aufgrund der niedrigen Kosten und des hohen Volumens zu den Gewinnern der Krise gehören, glaubt Osborne.

SolarWorld zum Übernahmekandidaten degradiert
Deutschlands führendes Solar-Haus SolarWorld sehen nur wenige Marktbeobachter vorne. Insbesondere die Analysten bei der Credit Suisse monieren, dass SolarWorld bislang noch keine großen Anstrengungen unternommen habe, um seine Produktionskosten stärker zu senken. Schon wird das Unternehmen als Übernahmekandidat gehandelt. Erste Gerüchte über Verkaufsabsichten dementierte zwar SolarWorld-Chef Frank Asbeck im August, schon machen jedoch neue Gerüchte die Runde, wonach der Investor-Guru Warren Buffet bei SolarWorld einsteigen will…

Kurzportrait
Die SolarWorld AG mit Sitz in Bonn gilt als ein weltweit führender Spezialist für Solarstromtechnik und bietet Produkte beginnend mit dem Rohstoff über das Modul bis hin zum individuellen System. Diese Produktionstiefe verfolgt das Unternehmen mit dem Ziel, die Entwicklung der Technologie auf allen Produktionsstufen zu bestimmen und optimieren zu können. SolarWorld gibt dabei an, dass laut Konzernstrategie alle Wertschöpfungsbereiche für sich profitabel arbeiten. Diese rein auf Solarenergie ausgerichtete Strategie wird in dem Unternehmen seit 1999 verfolgt. Gegründet wurde SolarWorld allerdings bereits im Jahr 1988, seinerzeit als Ingenieurbüro für Industrieanlagen. Bereits im Jahr 1999 erfolgte der Gang an die Börse. Seit Dezember 2004 sind die Anteile des Unternehmens im TecDax notiert.

Mit seinen Sunkits-Bausätzen will das Unternehmen individuell auf den Kunden zugeschnittene Lösungen bieten, wobei SolarWorld bei seinen Solarmodulen auf hohe Qualität, Haltbarkeit und Stabilität Wert legt. Im Marktbereich Solarmodule ist das Unternehmen mit seinem Produkt Sunmodule Plus am Start, das einen hohen Wirkungsgrad bei gleichzeitig hoher Qualität und Sicherheit verspricht.

Mit dem Energiedach bietet SolarWorld auch eine Dacheindeckung mit Solarlaminaten an, wobei der Kunde die Auswahl zwischen einem Komplettdach und einer Indach-Lösung hat. Neben kleineren Projekten offeriert SolarWorld aber auch Lösungen zur Realisierung von Großanlagen. In diesem Bereich ist das Unternehmen nicht nur Deutschland, sondern verstärkt auch im Ausland aktiv.

Ein weiteres wichtiges Standbein bei der Beschaffung von Silizium ist die Recyclingfähigkeit der Module bzw. Zellen. Hier ist das Unternehmen über die 100prozentige Tochtergesellschaft Deutsche Solar AG aktiv. Um sich den langfristigen Zugriff auf Solarsilizium zu sichern, gründete SolarWorld im Jahr 2002 das Joint Venture Joint Solar Silicon. Während die Degussa AG 51 Prozent der Anteile an diesem Venture hält, ist SolarWorld mit 49 Prozent beteiligt. Im Jahr 2006 wurde ein weiteres Joint Venture mit der niederländischen Scheuten Solarholding B.V. gegründet. Sowohl Scheuten Solarholding als auch SolarWorld halten jeweils 50 Prozent an dem Joint Venture SolarWorld Solizium GmbH. Daneben hält SolarWorld noch 35 Prozent der Anteile an dem schwedischem Solarmodulehersteller Gälllivare PhotoVoltaic (AB). Bereits im Jahr 2006 verstärkte sich die SolarWorld durch die Übernahme der kristallinen Solaraktivitäten der Shell Solar.

Die Tochtergesellschaft Deutsche Solar AG fertigt multi- und monokristalline Solarsilizium-Wafer, die sowohl durch SolarWorld selbst weiterverarbeitet als auch weltweit an Industriekunden verkauft werden. In den USA gilt SolarWorld im Bereich der monokristallinen Solarwafer als technologisch führend. Die Tochtergesellschaften Deutsche Cell GmbH und der in der SolarWorld Industries America LP angesiedelte Geschäftsbereich „Zelle" produziert aus dem Vorprodukt der Solarsiliziumwafer Solarzellen, um aus Sonnenlicht Strom zu produzieren. Im Geschäftsbereich „Module“ fertigt SolarWorld aus Solarzellen zusammengefügte Module, das eigentliche Endprodukt, bereit zur Stromerzeugung und dessen Einspeisung. Die Modulfertigung erfolgt durch die Tochtergesellschaften Solar Factory GmbH in Freiberg, der Gällivare Photovoltaic AB (GPV) in Schweden sowie bei der SolarWorld Industries America LP in Camarillo.

Zahlen
SolarWorld erwirtschaftete im zweiten Quartal 2008 einen Umsatz in Höhe von 259,6 Mio. Euro. Das entspricht einer Steigerung um 46,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im zweiten Quartal 2007 waren rund 177,1 Mio. Euro erwirtschaftet worden. Das operative Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) belief sich im zweiten Quartal 2008 auf 75,7 Mio. Euro. Das ist ein Wachstum von 54,5 Prozent, denn im entsprechenden Zeitraum 2007 waren 49 Mio. Euro ausgewiesen worden. SolarWorld konnte den Konzerngewinn aus fortgeführten Aktivitäten um 96,2 Prozent auf 51,8 Mio. Euro in 2008 steigern. Im zweiten Quartal 2007 waren dies 26,4 Mio. Euro gewesen.

Meldung gespeichert unter: SolarWorld

© IT-Times 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Folgen Sie IT-Times auf ...