SolarWorld übt den Befreiungsschlag

Bonner Solarkonzern versucht sich aus der Krise zu befreien

Montag, 9. Dezember 2013 14:11
SolarWorld

(IT-Times) - Deutschlands führender Solarkonzern SolarWorld kämpft verzweifelt um seine Zukunft. Mit der Übernahme der Produktionsmaschinen und Assets der Bosch Solar Energy AG will SolarWorld seine Kosten senken und an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen. Fragen und Zweifel bleiben.

Ende November hatte sich die SolarWorld AG (WKN: 510840) praktisch zum Nulltarif die gestrauchelte Solarsparte von Bosch gesichert. Der Automobilzulieferer wollte das defizitäre Geschäft und den Standort Arnstadt loswerden, nachdem Bosch insgesamt 2,4 Mrd. Euro mit dem Abenteuer Solar verbrannt hatte.

Bosch Solar soll bei der Kostensenkung helfen
Geht es nach dem Willen von SolarWorld-Chef Frank Asbeck soll die Transaktion im Februar 2014 abgeschlossen werden. Doch noch ist der Deal nicht in trockenen Tüchern, Anleger und Investoren machen mit Klagen weiter Druck auf den Bonner Solarkonzern. Wie die FAZ berichtet, könnten die anhaltenden Streitigkeiten die für Februar geplante Übernahme doch noch verhindern.

Bei SolarWorld gibt man sich gelassen. Ganz unabhängig vom Ausgang der Rechtsstreitigkeiten will das Unternehmen in 2014 den Grundstein für einen erfolgreichen Turnaround legen. Helfen sollen dabei die modernen Produktionsanlagen von Bosch Solar und der SolarWorld-Anlagen in Freiberg, die technologisch einem höheren Standard entsprechen, als die der chinesischen Konkurrenz. Mit Qualität Made in Germany und niedrigeren Transportkosten will SolarWorld-Chef Asbeck Aktionäre und Kunden überzeugen.

Zukunft von SolarWorld nach wie vor unsicher
Was der SolarWorld-Chef dabei vergisst: Der Großteil der Solar-Nachfrage kommt inzwischen aus Ländern wie Japan, China und aus den USA. Chinesische Anbieter haben nicht nur einen Vorteil bei den Produktionskosten, sondern sitzen sich auch in puncto Logistik in der Pole Position, wenn es um die Lieferung von Solarmodulen für chinesische und japanische PV-Projekte geht.

Darüber hinaus schreiben die ersten chinesischen Solarspezialisten wie JinkoSolar schon wieder schwarze Zahlen und bauen ihre Produktion bereits wieder aus.

Aktienverkauf lässt Zweifel aufkommen
Auch SolarWorld-Chef Asbeck selbst scheint nicht vollkommen vom erfolgreichen Turnaround überzeugt. Ende November machte der SolarWorld-Vorstand weiter Kasse und verkaufte über die mit ihm verbundene Eifelstrom GmbH und Solar Holding rund 2,2 Millionen SolarWorld-Aktien zu 80 Cent pro Stück - 100%ige Überzeugung sieht anders aus.

Kurzportrait
Die SolarWorld AG mit Sitz in Bonn gilt als ein führender Spezialist für Solarstromtechnik und bietet Produkte beginnend mit dem Rohstoff über das Modul bis hin zum individuellen System. Gegründet wurde SolarWorld bereits im Jahr 1988, seinerzeit als Ingenieurbüro für Industrieanlagen. Im Jahr 1999 folgte der Gang an die Börse. Nachdem SolarWorld in der Vergangenheit den Großteil seiner Umsätze in Deutschland erzielte, wuchs der Auslandsanteil am Gesamtumsatz inzwischen auf weit über 50 Prozent.

Mit seinen Sunkits-Bausätzen bietet das Unternehmen individuell auf den Kunden zugeschnittene Lösungen, wobei SolarWorld bei seinen Solarmodulen auf hohe Qualität, Haltbarkeit und Stabilität Wert legt. Mit dem Energiedach bietet SolarWorld auch eine Dacheindeckung mit Solarlaminaten an, wobei der Kunde die Auswahl zwischen einem Komplettdach und einer Indach-Lösung hat. Neben kleineren Projekten offeriert SolarWorld aber auch Lösungen zur Realisierung von Großanlagen. In diesem Bereich ist das Unternehmen nicht nur Deutschland, sondern verstärkt auch im Ausland aktiv.

Ein weiteres wichtiges Standbein bei der Beschaffung von Silizium ist die Recyclingfähigkeit der Module bzw. Zellen. Hier ist das Unternehmen über die 100prozentige Tochtergesellschaft Deutsche Solar AG aktiv. Um sich den langfristigen Zugriff auf Solarsilizium zu sichern, gründete SolarWorld im Jahr 2002 das Joint Venture Joint Solar Silicon.

Im Jahr 2006 wurde ein weiteres Joint Venture mit der niederländischen Scheuten Solarholding B.V. gegründet. Sowohl Scheuten Solarholding als auch SolarWorld halten jeweils 50 Prozent an dem Joint Venture SolarWorld Solizium GmbH. Daneben hält SolarWorld noch 35 Prozent der Anteile an dem schwedischem Solarmodulehersteller Gälllivare PhotoVoltaic (AB). Bereits im Jahr 2006 verstärkte sich die SolarWorld durch die Übernahme der kristallinen Solaraktivitäten der Shell Solar. Anfang 2010 gründete SolarWorld das Joint Venture Qatar Solar Technologies (QST), an welchem das Unternehmen 29 Prozent der Anteile hält. Ende 2010 gab SolarWorld die Übernahme der Solarparc AG bekannt. Mitte 2011 trennte sich SolarWorld von seinem südkoreanischen Fertigungs Joint Venture. Mitte 2013 schloss SolarWorld im Zuge der Restrukturierungsmaßnahmen seine Silizium-Waferproduktion am US-Standort in Hillsboro. Ende 2013 kaufte SolarWorld einen Teil der Solarsparte der Robert Bosch GmbH und übernahm den Standort in Arnstadt. Gleichzeitig wurde die Tochter Solarworld Industries-Thüringen GmbH gegründet.

Meldung gespeichert unter: SolarWorld

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