SolarWorld: Neue Hoffnung trotz roter Zahlen?

Solarmodule

Donnerstag, 2. Oktober 2014 12:40
SolarWorld

MÜNSTER (IT-Times) - Ein Silberstreif am Horizont? Steht die Solarbranche vor einem neuen Aufschwung? Für SolarWorld scheinen die schwersten Krisenzeiten vorerst vorbei zu sein. Im Juli 2014 konnte man so viele Solarmodule verkaufen wie nie zuvor. Und CEO Frank Asbeck zeigte sich zuletzt optimistisch und prognostizierte, dass man die Verkaufszahlen auch in den kommenden 18 Monaten auf einem ähnlichen Level halten könne. Die Preise für Solarmodule scheinen sich in den ersten zwei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres weitgehend stabilisiert zu haben, nachdem Dumping-Preise in China dem deutschen Solarunternehmen schwer zu schaffen machten und viele andere Wettbewerber in die Insolvenz trieben. Allerdings: Noch schreibt man keine schwarzen Zahlen; das ist frühestens für 2015 angepeilt.

Anlass zur Hoffnung gibt es für die gesamte Solarbranche in Schwellenmärkten wie Südamerika. Dort könnte der Photovoltaik-Markt wieder Aufwind erhalten. Südamerika, die Karibik, Asien, der Mittlere Osten und Afrika sind die Zukunft der Photovoltaik-Industrie. Hier steigt die Nachfrage nach Solartechnik in den nächsten Jahren am stärksten, wie Marktforscher von Solarbuzz antizipieren. Dennoch verändere sich die Art der Projekte: Der Fokus liege nun noch stärker auf Nachhaltigkeit und Langlebigkeit sowie Installationen, die ohne Zuschüsse auskommen müssen.

Umstrukturierungen in Deutschland, Probleme in den USA

In Deutschland hat die SolarWorld AG (WKN: A1YCMM) in diesem Sommer Gesellschaften zusammen gelegt und hat die Aktivitäten an einem Standort gebündelt. Die einzelnen Gesellschaften Deutsche Solar GmbH, Deutsche Cell GmbH und Solar Factory GmbH wurden zur SolarWorld Industries Sachsen GmbH zusammen geschlossen. Die Wafer-, Solarzellen- und Solarmodulproduktion, die bislang von den drei Tochtergesellschaften jeweils getrennt durchgeführt wurden, geschieht damit in Zukunft aus einer Hand. Ziel sind Einsparungen durch vereinfachte Prozessabläufe. Der Standort Freiberg passt sich damit denen in Arnstadt und Hillsboro an, die beide ebenfalls in nur einer Gesellschaft organisiert sind.

In den USA kam es jüngst zu Problemen mit bereits ausgelieferten Solar-Panel-Systemen. Millionen dieser Komponenten mussten im August 2014 zurückgerufen werden. Dies betrifft Systeme mit unbekleideten Kupfer-Anschlussklemmen („Bare-Copper Grounding Lugs“), die nach dem ersten Juni 2010 ausgeliefert wurden. SolarWorld ruft insgesamt 1,3 Millionen solcher Systeme in den USA sowie 210.000 Systeme in Kanada zurück. Grund sind Korrosions-Probleme bei den genannten Anschlussklemmen, so die U.S. Consumer Product Safety Commission. Diese Fehler können wiederum zu Stromschlag oder Feuer führen.

Erst vor wenigen Monaten begann bei SolarWorld die Produktionsaufnahme von neuen Solarmodulen mit 280 Watt Nennleistung am US-Standort in Oregon. Durch eine höhere Leistung im Vergleich zu anderen Modulen hofft das deutsche Solartechnikunternehmen im zweiten Halbjahr auf mehr Aufträge aus den USA.

Ein Etappensieg in Asien

Bereits in den Sonnenmonaten konnte die SolarWorld AG in Asien einen Etappensieg erringen: In die USA importierte chinesische Solarprodukte werden mit Strafzöllen von bis zu 35 Prozent belegt - ein Rückschlag für die chinesische Billig-Konkurrenz. Profiteure der Regelung sind insbesondere US-Solarkonzerne wie SunPower, First Solar und SolarCity, die sich über die unerwartete Schützenhilfe aus Deutschland freuen, wird die chinesische Billig-Konkurrenz dadurch doch ausgebremst. Auch Taiwans größter Solarmodulhersteller Winaico dürfte sich über die Strafzölle der chinesischen Mitbewerber freuen, produziert das Unternehmen doch vor allem in Taiwan.

Kurzportrait

Die SolarWorld AG mit Sitz in Bonn gilt als ein führender Spezialist für Solarstromtechnik und entwickelt Solarmodule beginnend mit dem Rohstoff über das Modul bis hin zum individuellen System im eigenen Haus. Gegründet wurde SolarWorld bereits im Jahr 1988, seinerzeit als Ingenieurbüro für Industrieanlagen. Im Jahr 1999 folgte der Gang an die Börse. Nachdem SolarWorld in der Vergangenheit den Großteil seiner Umsätze in Deutschland erzielte, wuchs der Auslandsanteil am Gesamtumsatz inzwischen auf weit über 50 Prozent.

SolarWorld setzt bei bei den eigenen Solarmodulen auf hohe Qualität, Haltbarkeit und Stabilität und das Prädikat „Made in Germany“. Neben Dachanlagen und Angeboten zur Produktion von Eigenstrom offeriert SolarWorld aber auch Lösungen zur Realisierung von Großanlagen. In diesem Bereich ist das Unternehmen nicht nur in Deutschland, sondern verstärkt auch im Ausland aktiv.

Ein weiteres wichtiges Standbein bei der Beschaffung von Silizium ist die Recyclingfähigkeit der Module bzw. Zellen. Hier ist das Unternehmen über die 100prozentige Tochtergesellschaft Deutsche Solar AG aktiv. Um sich den langfristigen Zugriff auf Solarsilizium zu sichern, gründete SolarWorld bereits im Jahr 2002 das Joint Venture Joint Solar Silicon.

Im Jahr 2006 wurde zudem ein weiteres Joint Venture mit der niederländischen Scheuten Solarholding B.V. gegründet. Im gleichen Jahr verstärkte sich die SolarWorld durch die Übernahme der kristallinen Solaraktivitäten der Shell Solar. Anfang 2010 gründete SolarWorld das Joint Venture Qatar Solar Technologies (QST), an welchem das Unternehmen 29 Prozent der Anteile hält. Ende 2010 gab SolarWorld die Übernahme der Solarparc AG bekannt. Ende 2013 kaufte SolarWorld einen Teil der Solarsparte der Robert Bosch GmbH und übernahm den Standort in Arnstadt. Gleichzeitig wurde die Tochtergesellschaft Solarworld Industries-Thüringen GmbH gegründet. Ende 2013 sicherte sich die Qatar Solar Technologies (QSTec) 29 Prozent der Anteile an SolarWorld. In den USA am Standort Hillsboro in Oregon betreibt der Konzern die erste vollständig integrierte Photovoltaik-Produktion Amerikas für monokristalline Hocheffizienz-Solarprodukte.

Die Modulfertigung erfolgt durch die Tochtergesellschaften Solar Factory GmbH in Freiberg, der Gällivare Photovoltaic AB (GPV) in Schweden sowie bei der SolarWorld Industries America LP. Firmengründer Frank Asbeck hielt zuletzt weiterhin eine Minderheitsbeteiligung an SolarWorld. Konzernweit beschäftigte SolarWorld zuletzt 3.200 Mitarbeiter an den Standorten in Deutschland, Spanien, Frankreich, Südafrika, Asien und in den USA. Im Geschäftsjahr 2014 erwirtschaftete SolarWorld  bisher mehr als 80 Prozent des Unternehmensumsatzes außerhalb Deutschlands.

Zahlen

Meldung gespeichert unter: Solarindustrie

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