SolarWorld in der Existenzkrise? Preise für Solarmodule im freien Fall

Montag, 5. September 2011 13:48
SolarWorld

(IT-Times) - Die Krise in der Solarindustrie hat nunmehr auch den Bonner Solarkonzern SolarWorld AG erreicht. Am vergangenen Freitag gab das Unternehmen bekannt, seine Fertigung in den USA straffen zu wollen.

Die Fertigung im kalifornischen Camarillo soll geschlossen werden, während das künftig allein am US-Standort Hillsboro/Oregon produzieren werden soll. In diesem Zusammenhang sollen 170 Mitarbeiter entlassen werden, am deutschen Standort Freiberg werden durch den Einsatz modernen Maschinen 250 Leiharbeiter überflüssig.

Hintergrund der jüngsten Sparmaßnahmen ist die aktuell schwierige Lage in der Solarindustrie. Bislang konnte sich SolarWorld (WKN: 510840) trotz des Wettbewerbs aus China noch vergleichsweise gut am Markt behaupten, wurden trotz des anhaltenden Preisdrucks noch Gewinne geschrieben.

Preise für Solarmodule im freien Fall - Marktforscher sehen Preise bei 1,00 Dollar pro Watt Anfang 2012
Damit könnte bald Schluss sein, denn die Preise für Solarmodule befinden sich seit Wochen mehr oder weniger im freien Fall. Wurden Solarmodule auf der Intersolar Messe in München zur Jahresmitte noch bei 1,49 Dollar je Watt gehandelt, brachen die Preise am Spot-Markt zuletzt auf rund 1,20 Dollar pro Watt ein.

Analysten und Marktforscher gehen nicht davon aus, dass sich die Preise in den nächsten Monaten spürbar erholen werden. Im Gegenteil: Marktforscher aus dem Hause IHS iSuppli rechnen damit, dass die Preise für kristalline Solarmodule schon Anfang 2012 auf 1,00 Dollar je Watt fallen werden.

Der jüngste Preisverfall hat sich sogar noch weiter beschleunigt, nachdem Top-Player aus der ersten Reihe dazu übergegangen sind, ihre Preise zu senken, um auf Kosten der Wettbewerber Marktanteile zu gewinnen, so IHS iSuppli-Analyst Henning Wicht. Der Abschwung in der Industrie könnte sich daher bis ins nächste Jahr hinein weiter fortsetzen, glaubt Wicht.

Erste Solarhersteller sind insolvent
Der massive Preisverfall in der Industrie hat bereits erste Opfer gefordert. Nachdem der US-Solarspezialist Evergreen Solar bereits in die Insolvenz gegangenen war, hat auch der US-Solarzellenhersteller Solyndra Gläubigerschutz nach US-Konkursgesetz Chapter 11 beantragt und 1.100 Mitarbeiter entlassen.

Marktbeobachter und Analysten sehen in den jüngsten Pleitemeldungen nur den Anfang einer längeren Konsolidierungsphase, der insbesondere mittlere und kleinere Solarkonzerne zum Opfer fallen werden. Ob SolarWorld diese Krise überlebt, hängt vor allem davon ab, wie schnell das Unternehmen in der Lage ist, seine Kosten zu senken und neue Absatzmärkte wie in den USA zu erschließen.

Kurzportrait
Die SolarWorld AG mit Sitz in Bonn gilt als ein führender Spezialist für Solarstromtechnik und bietet Produkte beginnend mit dem Rohstoff über das Modul bis hin zum individuellen System. Diese Produktionstiefe verfolgt das Unternehmen mit dem Ziel, die Entwicklung der Technologie auf allen Produktionsstufen zu bestimmen und weiter zu optimieren. SolarWorld gibt dabei an, dass laut Konzernstrategie alle Wertschöpfungsbereiche für sich profitabel arbeiten. Diese rein auf Solarenergie ausgerichtete Strategie wird in dem Unternehmen seit 1999 verfolgt. Gegründet wurde SolarWorld allerdings bereits im Jahr 1988, seinerzeit als Ingenieurbüro für Industrieanlagen. Bereits im Jahr 1999 erfolgte der Gang an die Börse. Nachdem SolarWorld in der Vergangenheit den Großteil seiner Umsätze in Deutschland erzielte, wuchs der Auslandsanteil am Gesamtumsatz inzwischen auf 60 Prozent.

Mit seinen Sunkits-Bausätzen will das Unternehmen individuell auf den Kunden zugeschnittene Lösungen bieten, wobei SolarWorld bei seinen Solarmodulen auf hohe Qualität, Haltbarkeit und Stabilität Wert legt. Im Marktbereich Solarmodule ist das Unternehmen mit seinem Produkt Sunmodule Plus am Start, das einen hohen Wirkungsgrad bei gleichzeitig hoher Qualität und Sicherheit verspricht.

Mit dem Energiedach bietet SolarWorld auch eine Dacheindeckung mit Solarlaminaten an, wobei der Kunde die Auswahl zwischen einem Komplettdach und einer Indach-Lösung hat. Neben kleineren Projekten offeriert SolarWorld aber auch Lösungen zur Realisierung von Großanlagen. In diesem Bereich ist das Unternehmen nicht nur Deutschland, sondern verstärkt auch im Ausland aktiv.

Ein weiteres wichtiges Standbein bei der Beschaffung von Silizium ist die Recyclingfähigkeit der Module bzw. Zellen. Hier ist das Unternehmen über die 100prozentige Tochtergesellschaft Deutsche Solar AG aktiv. Um sich den langfristigen Zugriff auf Solarsilizium zu sichern, gründete SolarWorld im Jahr 2002 das Joint Venture Joint Solar Silicon. Während die Degussa AG 51 Prozent der Anteile an diesem Venture hält, ist SolarWorld mit 49 Prozent beteiligt.

Im Jahr 2006 wurde ein weiteres Joint Venture mit der niederländischen Scheuten Solarholding B.V. gegründet. Sowohl Scheuten Solarholding als auch SolarWorld halten jeweils 50 Prozent an dem Joint Venture SolarWorld Solizium GmbH. Daneben hält SolarWorld noch 35 Prozent der Anteile an dem schwedischem Solarmodulehersteller Gälllivare PhotoVoltaic (AB). Bereits im Jahr 2006 verstärkte sich die SolarWorld durch die Übernahme der kristallinen Solaraktivitäten der Shell Solar. Anfang 2010 gründete SolarWorld das Joint Venture Qatar Solar Technologies (QST), an welchem das Unternehmen 29 Prozent der Anteile hält. Ende 2010 gab SolarWorld die Übernahme der Solarparc AG bekannt. Mitte 2011 trennte sich SolarWorld von seinem südkoreanischen Fertigungs Joint Venture.

Die Tochtergesellschaft Deutsche Solar AG fertigt multi- und monokristalline Solarsilizium-Wafer, die sowohl durch SolarWorld selbst weiterverarbeitet als auch weltweit an Industriekunden verkauft werden. In den USA gilt SolarWorld im Bereich der monokristallinen Solarwafer als technologisch führend. Die Tochtergesellschaften Deutsche Cell GmbH und der in der SolarWorld Industries America LP angesiedelte Geschäftsbereich "Zelle" produziert aus dem Vorprodukt der Solarsiliziumwafer Solarzellen, um aus Sonnenlicht Strom zu produzieren. Im Geschäftsbereich "Module" fertigt SolarWorld aus Solarzellen zusammengefügte Module, das eigentliche Endprodukt, bereit zur Stromerzeugung und dessen Einspeisung. Die Modulfertigung erfolgt durch die Tochtergesellschaften Solar Factory GmbH in Freiberg, der Gällivare Photovoltaic AB (GPV) in Schweden sowie bei der SolarWorld Industries America LP. Firmengründer Frank Asbeck hielt zuletzt weiterhin ein Viertel der Anteile an SolarWorld.

Zahlen
So gab der Umsatz der SolarWorld AG gegenüber dem Vergleichsquartal 2010 um 21,1 Prozent nach und sank somit von 382,81 Mio. auf 302,05 Mio. Euro. Vor Zinsen und Steuern lag das Ergebnis dabei mit 40,24 Mio. Euro deutlich unter dem Vorjahreswert von 57,87 Mio. Euro. Entsprechend gab die EBIT-Marge von 15,1 auf 13,3 Prozent nach. Gleich um zwei Drittel reduzierte sich das Nettoergebnis im zweiten Quartal 2011. Gegenüber dem Vorjahr sackte es von 29,49 Mio. auf 9,86 Mio. Euro.

Meldung gespeichert unter: SolarWorld

© IT-Times 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Folgen Sie IT-Times auf ...