SolarWorld hadert mit der Konkurrenz aus China

Mittwoch, 26. August 2009 12:56
SolarWorld

(IT-Times) - Nachdem chinesische Hersteller aufgrund ihrer Kosten- und Preisvorteile immer mehr Marktanteile zu Lasten deutscher Hersteller gewinnen, gehen einheimische Solarspezialisten wie der Bonner Solarkonzern SolarWorld (WKN: 510840) auf die Barrikaden.

Branche fordert „Buy European“ und Schutzzölle
Gegenüber dem Handelsblatt forderte SolarWorld-Chef Frank Asbeck die Einführung einer „Buy European“ Regelung, um einheimische Hersteller vor der Billig-Konkurrenz aus China zu schützen. Asbeck wirft den chinesischen Herstellern vor, mit Hilfe aus Peking Solarmodule zu Dumpingpreisen am Markt anzubieten.

Ganz Unrecht hat Asbeck mit seinen Vorwürfen nicht. Suntech-Chef Shi Zhengrong räumte jüngst gegenüber der New York Times ein, dass man zumindest in den USA derzeit seine Solarmodule unter den Material- und Herstellungskosten anbiete, um Marktanteile zu gewinnen. Ob Suntech mit der gleichen Strategie auch in Europa punkten will, blieb zunächst offen.

Auch für Conergy-Chef Dieter Ammer steht der Schuldige längst fest. Der Conergy-Manager fordert aufgrund der chinesischen Billig-Importe Schutzzölle, um die einheimischen Hersteller zu schützen. In Berlin und in der EU lehnt man derlei Maßnahmen bislang ab, laufen diese auf Protektionismus hinaus. Auch andere Energie-Experten wie Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucher halten derlei mittelalterliche Forderungen nicht für zeitgerecht.

Einspeisevergütungen in Deutschland könnten stärker sinken
Es könnte sogar noch schlimmer für die einheimischen Hersteller kommen. Deutschland dürfte zwar im laufenden Jahr Spanien als weltgrößten Solarmarkt ablösen, schon melden sich erste Kritiker zu Wort, die lautstark eine Senkung der üppigen Einspeisevergütungen in Deutschland fordern. Hintergrund ist der rasante Preisverfall bei Solarmodulen, der Häuslebauer und Solarinvestoren Renditen von rund zehn Prozent ermöglicht.

Doch wie auch immer der Streit um Einspeisevergütungen und Schutzzöllen ausgeht, einheimische Hersteller werden langfristig nicht umhinkommen, ihre Kosten zu senken und ihre Produktion an billigere Standorte zu verlagern. Bislang setzten die deutschen Hersteller auf die Qualität ihrer Module. Doch inzwischen haben chinesische Anbieter nachgezogen, so dass dieser Wettbewerbsvorteil erst einmal dahin ist.

Einzige Hoffnung der deutschen Anbieter bleiben spezielle Verfahren und Patente wie etwa die Konzentratortechnik, um sich von den chinesischen Anbietern stärker abzugrenzen. Mit standardisierten Produkten dürfte sich in Zukunft kaum mehr Geld verdienen lassen…

Kurzportrait
Die SolarWorld AG mit Sitz in Bonn gilt als ein weltweit führender Spezialist für Solarstromtechnik und bietet Produkte beginnend mit dem Rohstoff über das Modul bis hin zum individuellen System. Diese Produktionstiefe verfolgt das Unternehmen mit dem Ziel, die Entwicklung der Technologie auf allen Produktionsstufen zu bestimmen und optimieren zu können. SolarWorld gibt dabei an, dass laut Konzernstrategie alle Wertschöpfungsbereiche für sich profitabel arbeiten. Diese rein auf Solarenergie ausgerichtete Strategie wird in dem Unternehmen seit 1999 verfolgt. Gegründet wurde SolarWorld allerdings bereits im Jahr 1988, seinerzeit als Ingenieurbüro für Industrieanlagen. Bereits im Jahr 1999 erfolgte der Gang an die Börse. Seit Dezember 2004 sind die Anteile des Unternehmens im TecDax notiert.

Mit seinen Sunkits-Bausätzen will das Unternehmen individuell auf den Kunden zugeschnittene Lösungen bieten, wobei SolarWorld bei seinen Solarmodulen auf hohe Qualität, Haltbarkeit und Stabilität Wert legt. Im Marktbereich Solarmodule ist das Unternehmen mit seinem Produkt Sunmodule Plus am Start, das einen hohen Wirkungsgrad bei gleichzeitig hoher Qualität und Sicherheit verspricht.

Mit dem Energiedach bietet SolarWorld auch eine Dacheindeckung mit Solarlaminaten an, wobei der Kunde die Auswahl zwischen einem Komplettdach und einer Indach-Lösung hat. Neben kleineren Projekten offeriert SolarWorld aber auch Lösungen zur Realisierung von Großanlagen. In diesem Bereich ist das Unternehmen nicht nur Deutschland, sondern verstärkt auch im Ausland aktiv.

Ein weiteres wichtiges Standbein bei der Beschaffung von Silizium ist die Recyclingfähigkeit der Module bzw. Zellen. Hier ist das Unternehmen über die 100prozentige Tochtergesellschaft Deutsche Solar AG aktiv. Um sich den langfristigen Zugriff auf Solarsilizium zu sichern, gründete SolarWorld im Jahr 2002 das Joint Venture Joint Solar Silicon. Während die Degussa AG 51 Prozent der Anteile an diesem Venture hält, ist SolarWorld mit 49 Prozent beteiligt. Im Jahr 2006 wurde ein weiteres Joint Venture mit der niederländischen Scheuten Solarholding B.V. gegründet. Sowohl Scheuten Solarholding als auch SolarWorld halten jeweils 50 Prozent an dem Joint Venture SolarWorld Solizium GmbH. Daneben hält SolarWorld noch 35 Prozent der Anteile an dem schwedischem Solarmodulehersteller Gälllivare PhotoVoltaic (AB). Bereits im Jahr 2006 verstärkte sich die SolarWorld durch die Übernahme der kristallinen Solaraktivitäten der Shell Solar.

Die Tochtergesellschaft Deutsche Solar AG fertigt multi- und monokristalline Solarsilizium-Wafer, die sowohl durch SolarWorld selbst weiterverarbeitet als auch weltweit an Industriekunden verkauft werden. In den USA gilt SolarWorld im Bereich der monokristallinen Solarwafer als technologisch führend. Die Tochtergesellschaften Deutsche Cell GmbH und der in der SolarWorld Industries America LP angesiedelte Geschäftsbereich „Zelle" produziert aus dem Vorprodukt der Solarsiliziumwafer Solarzellen, um aus Sonnenlicht Strom zu produzieren. Im Geschäftsbereich „Module“ fertigt SolarWorld aus Solarzellen zusammengefügte Module, das eigentliche Endprodukt, bereit zur Stromerzeugung und dessen Einspeisung. Die Modulfertigung erfolgt durch die Tochtergesellschaften Solar Factory GmbH in Freiberg, der Gällivare Photovoltaic AB (GPV) in Schweden sowie bei der SolarWorld Industries America LP in Camarillo.

Zahlen
So ging der Umsatz der SolarWorld AG im zweiten Quartal 2009 gegenüber dem Vorjahresquartal von 259,6 Mio. Euro auf 225 Mio. Euro zurück. Beim operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern verbuchte SolarWorld einen Rückgang von 75,7 Mio. Euro auf 44,1 Mio. Euro. SolarWorld nannte für das zweite Quartal 2009 23,8 Mio. Euro als Nachsteuergewinn. Im Vergleichsquartal des Vorjahres hatte das Solarunternehmen einen Nettogewinn in Höhe von 52,4 Mio. Euro ausgewiesen.

Auch der Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung der SolarWorld AG im ersten Halbjahr 2009 offenbart rückläufige Umsätze. Verglichen mit den ersten sechs Monaten des Vorjahres ging der Umsatz um 5,9 Prozent von 427 Mio. Euro auf 402 Mio. Euro zurück. Die konzernweite Absatzmenge stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum jedoch um 26 Prozent auf 239 MW im ersten Halbjahr 2009. SolarWorld wies in der heutigen Mitteilung in diesem Zusammenhang auf die in der Zwischenzeit deutlich gesunkenen Weltmarktpreise hin.

Meldung gespeichert unter: SolarWorld

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