SolarWorld gefangen in der Abwärtsspirale

Montag, 1. März 2010 13:44
SolarWorld

(IT-Times) - Der Bonner Solarkonzern SolarWorld AG (WKN: 510840) wurde im vergangenen Jahr von der Krise im Solarmarkt zwar nicht so stark getroffen, wie etwa die Konkurrenz in Form von Q-Cells und Solon, dennoch hinterließ der im vergangenen Jahr eingesetzte Preisfall in der Industrie auch deutliche Spuren in der Bilanz von SolarWorld.

Zwar konnte das Unternehmen im Vorjahr die Umsatzmarke von einer Mrd. Euro überschreiten, dennoch zeigten sich viele Analysten und Marktbeobachter enttäuscht über das Zahlenwerk. Besonders beunruhigend ist dabei der Verfall der Gewinnmargen. Allein im vierten Quartal 2009 halbierte sich die EBIT-Marge nahezu von 14,5 Prozent auf nur noch neun Prozent, monieren die Analysten der Société Générale.

SolarWorld kündigt Sparmaßnahmen an
SolarWorld will nunmehr mit Sparmaßnahmen dagegen steuern. Wie diese im Detail aussehen sollen, ließ SolarWorld-Chef Frank Asbeck zunächst offen. Ziel sei es, die jährlichen Kosten um vier bis fünf Prozent zu senken, so der Manager gegenüber dem Handelsblatt. Daneben soll ein neues Joint Venture (Qatar Solar Technologies) im Emirat Katar für Entlastung sorgen.

Ob diese Schritte ausreichen werden, gilt unter Marktbeobachtern als fraglich. Hintergrund ist die bevorstehende deutliche Senkung der Einspeisevergütung in Deutschland, die zum 1. Juli in Kraft treten soll. Allein dadurch werden die Vergütungen für den eingespeisten Solarstrom um bis zu 16 Prozent sinken. Bei SolarWorld hofft man nunmehr darauf, dass diese Senkung nicht vollständig an die Hersteller durchgereicht wird. Vielmehr soll sich die Degression auf Produzenten, Handwerker und Endkunden verteilen, hofft Asbeck.

Chinesische Hersteller weiter auf dem Vormarsch
Dabei könnte sich der SolarWorld-Manager verrechnen, denn ob die chinesischen Hersteller bei diesem Preispoker mitspielen wie gewünscht, wird bezweifelt. Die chinesischen Anbieter verfügen nach wie vor über einen großen Wettbewerbsvorteil, was die Produktionskosten angeht. Dieser wird von Analysten auf bis zu 30 Prozent gegenüber deutschen Herstellern taxiert. Daneben arbeiten chinesische Hersteller wie Yingli Green mit Hochdruck daran, ihre Kosten ebenfalls weiter zu senken und den Wirkungsgrad ihrer Solarprodukte weiter zu erhöhen, massiver Produktionsausbau inklusive.

Marktbeobachter rechnen damit, dass insbesondere chinesische Hersteller die Marktentwicklung für eine neue Offensive in Deutschland nutzen und mit Dumping-Preisen versuchen werden, um weiter Marktanteile zu Lasten der deutschen Hersteller zu gewinnen…

Kurzportrait
Die SolarWorld AG mit Sitz in Bonn gilt als ein weltweit führender Spezialist für Solarstromtechnik und bietet Produkte beginnend mit dem Rohstoff über das Modul bis hin zum individuellen System. Diese Produktionstiefe verfolgt das Unternehmen mit dem Ziel, die Entwicklung der Technologie auf allen Produktionsstufen zu bestimmen und optimieren zu können. SolarWorld gibt dabei an, dass laut Konzernstrategie alle Wertschöpfungsbereiche für sich profitabel arbeiten. Diese rein auf Solarenergie ausgerichtete Strategie wird in dem Unternehmen seit 1999 verfolgt. Gegründet wurde SolarWorld allerdings bereits im Jahr 1988, seinerzeit als Ingenieurbüro für Industrieanlagen. Bereits im Jahr 1999 erfolgte der Gang an die Börse. Seit Dezember 2004 sind die Anteile des Unternehmens im TecDax notiert.

Mit seinen Sunkits-Bausätzen will das Unternehmen individuell auf den Kunden zugeschnittene Lösungen bieten, wobei SolarWorld bei seinen Solarmodulen auf hohe Qualität, Haltbarkeit und Stabilität Wert legt. Im Marktbereich Solarmodule ist das Unternehmen mit seinem Produkt Sunmodule Plus am Start, das einen hohen Wirkungsgrad bei gleichzeitig hoher Qualität und Sicherheit verspricht.

Mit dem Energiedach bietet SolarWorld auch eine Dacheindeckung mit Solarlaminaten an, wobei der Kunde die Auswahl zwischen einem Komplettdach und einer Indach-Lösung hat. Neben kleineren Projekten offeriert SolarWorld aber auch Lösungen zur Realisierung von Großanlagen. In diesem Bereich ist das Unternehmen nicht nur Deutschland, sondern verstärkt auch im Ausland aktiv.

Ein weiteres wichtiges Standbein bei der Beschaffung von Silizium ist die Recyclingfähigkeit der Module bzw. Zellen. Hier ist das Unternehmen über die 100prozentige Tochtergesellschaft Deutsche Solar AG aktiv. Um sich den langfristigen Zugriff auf Solarsilizium zu sichern, gründete SolarWorld im Jahr 2002 das Joint Venture Joint Solar Silicon. Während die Degussa AG 51 Prozent der Anteile an diesem Venture hält, ist SolarWorld mit 49 Prozent beteiligt. Im Jahr 2006 wurde ein weiteres Joint Venture mit der niederländischen Scheuten Solarholding B.V. gegründet. Sowohl Scheuten Solarholding als auch SolarWorld halten jeweils 50 Prozent an dem Joint Venture SolarWorld Solizium GmbH. Daneben hält SolarWorld noch 35 Prozent der Anteile an dem schwedischem Solarmodulehersteller Gälllivare PhotoVoltaic (AB). Bereits im Jahr 2006 verstärkte sich die SolarWorld durch die Übernahme der kristallinen Solaraktivitäten der Shell Solar. Anfang 2010 gründete SolarWorld das Joint Venture Qatar Solar Technologies (QST), an welchem das Unternehmen 29 Prozent der Anteile hält.

Die Tochtergesellschaft Deutsche Solar AG fertigt multi- und monokristalline Solarsilizium-Wafer, die sowohl durch SolarWorld selbst weiterverarbeitet als auch weltweit an Industriekunden verkauft werden. In den USA gilt SolarWorld im Bereich der monokristallinen Solarwafer als technologisch führend. Die Tochtergesellschaften Deutsche Cell GmbH und der in der SolarWorld Industries America LP angesiedelte Geschäftsbereich „Zelle" produziert aus dem Vorprodukt der Solarsiliziumwafer Solarzellen, um aus Sonnenlicht Strom zu produzieren. Im Geschäftsbereich „Module“ fertigt SolarWorld aus Solarzellen zusammengefügte Module, das eigentliche Endprodukt, bereit zur Stromerzeugung und dessen Einspeisung. Die Modulfertigung erfolgt durch die Tochtergesellschaften Solar Factory GmbH in Freiberg, der Gällivare Photovoltaic AB (GPV) in Schweden sowie bei der SolarWorld Industries America LP in Camarillo.

Zahlen
Für das vergangene Jahr 2009 verbuchte SolarWorld einen Jahresumsatz von 1,01 Mrd. Euro nach 900,3 Mio. Euro in 2008. Damit habe man, so das Unternehmen, die eigene Prognose von einer Mrd. Euro als Umsatzziel übertreffen können. Nach Angaben von SolarWorld sei die Umsatzentwicklung in 2009 von Preissenkungen um ein Drittel beeinträchtigt worden. Allerdings habe man dies durch eine Absatzmengensteigerung um 38 Prozent kompensieren können.

Das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) lag mit 151,8 Mio. Euro indessen unter dem Vorjahreswert von 263,3 Mio. Euro. Den Ergebnisrückgang führte SolarWorld auf rückläufige Modulpreise zurück, diese seien in 2009 nur zum Teil über die Kostenseite kompensiert worden. SolarWorld meldete einen Gewinn von 59 Mio. Euro nach 148,7 Mio. Euro im Vorjahr. Hier seien, so das Unternehmen, neben den oben genannten Effekten noch die Bereinigung der Bilanz um latente Steuern von 32,4 Mio. Euro als negativer Sondereffekt hinzu gekommen.

Meldung gespeichert unter: SolarWorld

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