SolarWorld bleibt in der Defensive - keine Entspannung an der Preisfront in Sicht

Dienstag, 15. Mai 2012 14:20
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(IT-Times) - Die Freude über die verschobenen Kürzungen bei der Solarförderung in Deutschland wähnte nur kurz. Nach einem kurzen Kursfeuerwerk setzte sich die Talfahrt bei Solar-Aktien in den letzten beiden Tagen weiter fort.

Der Bundesrat hatte sich zuletzt quer gestellt und die EEG-Reform abgelehnt. Damit können die beschlossenen Kürzungen von bis zu 30 Prozent rückwirkend zum 1. April vorerst nicht in Kraft treten. Die Hoffnung der Solarbranche ist, dass der Vermittlungsschuss Abmilderungen durchsetzt, wodurch die Förderkürzungen nicht ganz so drastisch ausfallen. Gänzlich wird aber auch der Bundesrat die Fördersenkungen nicht aufhalten können, zu groß sind einfach die Summen, die der Förderwahnsinn inzwischen jährlich dem Verbraucher kosten.

Preisverfall bei Solarmodulen setzt sich fort
Hersteller wie die deutsche SolarWorld (WKN: 510840) sind daher gezwungen, sich im Ausland nach neuen Wachstumsmöglichkeiten umzusehen. Doch die Eroberung neuer Märkte gestaltet sich schwieriger als gedacht. Nach wie vor tobt ein unerbittlicher Preiskampf auf den Märkten, ausgelöst durch chinesische Anbieter. Hatten sich die Preise zum Jahreswechsel auf den Spot-Märkten zunächst stabilisiert, setzte sich der Abwärtstrend in den vergangenen Monaten weiter fort. Seit Jahresbeginn fielen die Preise für Solarmodule um weitere zehn Prozent auf 0,80 bis 0,85 US-Dollar bzw. 0,59 Euro pro Watt, nachdem die Preise im Vorjahr bereits um 50 Prozent einbrachen.

Eine Trendwende scheint vorerst nicht in Sicht, rechnen Analysten und Marktforscher im zweiten Halbjahr 2012 mit weiteren Förderkürzungen, insbesondere auf den europäischen Märkten. Zudem haben chinesische Modulhersteller in den vergangenen 18 Monaten erhebliche Überkapazitäten aufgebaut, nachdem die weltweite Nachfrage nach Solarmodulen im Jahr 2011 noch um 40 Prozent gestiegen war.

Solar-Nachfrage soll in 2012 stagnieren - reine Solarfirmen vor dem Aus?
Diese Überkapazitäten haben Hersteller wie Suntech, Yingli, Trina Solar und SunPower dazu gezwungen, Preise zu senken, um ihre Produkte loszuschlagen und hohe Abschreibungen auf Lagerbestände zu vermeiden. Die Analysten aus dem Hause Cowen & Co schätzen, dass die weltweite Nachfrage in diesem Jahr bei etwa 27 Gigawatt in etwa auf Vorjahresniveau stagnieren wird. Die schwierige Marktlage wird noch mehrere Quartale andauern, glaubt Cowen-Experte Rob Stone.

Das Wachstum der Solarindustrie in den vergangenen Jahren hat auch viele Konglomerate wie Kyocera in Japan oder die koreanische Hanwha Group angezogen. So stieg Hanwha beispielsweise durch die Übernahme von Solarfun in 2010 in den Markt ein.

Hanwha SolarOne President Hee Cheul Kim glaubt dann auch, dass letztlich nur die Konglomerate überleben werden, alleinstehende Gesellschaften räumt der Manager aufgrund der begrenzten finanziellen Ressourcen langfristig nur wenig Chancen ein. Dies zeigte sich zuletzt auch in der Bilanz von SolarWorld. Trotz der hohen Nachfrage im ersten Quartal musste SolarWorld im ersten Vierteljahr bereits einen negativen Cashflow von 11,5 Mio. Euro ausweisen. Sollte die Durststrecke in der Solarindustrie länger andauern, wird auch SolarWorld nicht umhinkommen, sich einen starken Partner zu suchen.

Kurzportrait
Die SolarWorld AG mit Sitz in Bonn gilt als ein führender Spezialist für Solarstromtechnik und bietet Produkte beginnend mit dem Rohstoff über das Modul bis hin zum individuellen System. Diese Produktionstiefe verfolgt das Unternehmen mit dem Ziel, die Entwicklung der Technologie auf allen Produktionsstufen zu bestimmen und weiter zu optimieren. SolarWorld gibt dabei an, dass laut Konzernstrategie alle Wertschöpfungsbereiche für sich profitabel arbeiten. Diese rein auf Solarenergie ausgerichtete Strategie wird in dem Unternehmen seit 1999 verfolgt. Gegründet wurde SolarWorld allerdings bereits im Jahr 1988, seinerzeit als Ingenieurbüro für Industrieanlagen. Bereits im Jahr 1999 erfolgte der Gang an die Börse. Nachdem SolarWorld in der Vergangenheit den Großteil seiner Umsätze in Deutschland erzielte, wuchs der Auslandsanteil am Gesamtumsatz inzwischen auf 60 Prozent.

Mit seinen Sunkits-Bausätzen will das Unternehmen individuell auf den Kunden zugeschnittene Lösungen bieten, wobei SolarWorld bei seinen Solarmodulen auf hohe Qualität, Haltbarkeit und Stabilität Wert legt. Im Marktbereich Solarmodule ist das Unternehmen mit seinem Produkt Sunmodule Plus am Start, das einen hohen Wirkungsgrad bei gleichzeitig hoher Qualität und Sicherheit verspricht.

Mit dem Energiedach bietet SolarWorld auch eine Dacheindeckung mit Solarlaminaten an, wobei der Kunde die Auswahl zwischen einem Komplettdach und einer Indach-Lösung hat. Neben kleineren Projekten offeriert SolarWorld aber auch Lösungen zur Realisierung von Großanlagen. In diesem Bereich ist das Unternehmen nicht nur Deutschland, sondern verstärkt auch im Ausland aktiv.

Ein weiteres wichtiges Standbein bei der Beschaffung von Silizium ist die Recyclingfähigkeit der Module bzw. Zellen. Hier ist das Unternehmen über die 100prozentige Tochtergesellschaft Deutsche Solar AG aktiv. Um sich den langfristigen Zugriff auf Solarsilizium zu sichern, gründete SolarWorld im Jahr 2002 das Joint Venture Joint Solar Silicon. Während die Degussa AG 51 Prozent der Anteile an diesem Venture hält, ist SolarWorld mit 49 Prozent beteiligt.

Im Jahr 2006 wurde ein weiteres Joint Venture mit der niederländischen Scheuten Solarholding B.V. gegründet. Sowohl Scheuten Solarholding als auch SolarWorld halten jeweils 50 Prozent an dem Joint Venture SolarWorld Solizium GmbH. Daneben hält SolarWorld noch 35 Prozent der Anteile an dem schwedischem Solarmodulehersteller Gälllivare PhotoVoltaic (AB). Bereits im Jahr 2006 verstärkte sich die SolarWorld durch die Übernahme der kristallinen Solaraktivitäten der Shell Solar. Anfang 2010 gründete SolarWorld das Joint Venture Qatar Solar Technologies (QST), an welchem das Unternehmen 29 Prozent der Anteile hält. Ende 2010 gab SolarWorld die Übernahme der Solarparc AG bekannt. Mitte 2011 trennte sich SolarWorld von seinem südkoreanischen Fertigungs Joint Venture.

Die Tochtergesellschaft Deutsche Solar AG fertigt multi- und monokristalline Solarsilizium-Wafer, die sowohl durch SolarWorld selbst weiterverarbeitet als auch weltweit an Industriekunden verkauft werden. In den USA gilt SolarWorld im Bereich der monokristallinen Solarwafer als technologisch führend. Die Tochtergesellschaften Deutsche Cell GmbH und der in der SolarWorld Industries America LP angesiedelte Geschäftsbereich "Zelle" produziert aus dem Vorprodukt der Solarsiliziumwafer Solarzellen, um aus Sonnenlicht Strom zu produzieren. Im Geschäftsbereich "Module" fertigt SolarWorld aus Solarzellen zusammengefügte Module, das eigentliche Endprodukt, bereit zur Stromerzeugung und dessen Einspeisung. Die Modulfertigung erfolgt durch die Tochtergesellschaften Solar Factory GmbH in Freiberg, der Gällivare Photovoltaic AB (GPV) in Schweden sowie bei der SolarWorld Industries America LP. Firmengründer Frank Asbeck hielt zuletzt weiterhin ein Viertel der Anteile an SolarWorld.

Meldung gespeichert unter: SolarWorld

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