Solar Millennium: Claassen-Rücktritt wirft lange Schatten voraus

Mittwoch, 17. März 2010 13:42
Solar Millennium

(IT-Times) - Der Erlanger Projektierer für Parabolrinnen-Kraftwerke, Solar Millennium AG (WKN: 721840), ist seit gestern eines der Hauptgesprächsthemen in den Anleger-Foren. Nachdem überraschenden Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Utz Claassen brach der Aktienkurs des Unternehmens zeitweise um mehr als ein Drittel ein.

Inzwischen haben sich die Papiere zwar wieder etwas erholt, doch die Unsicherheit bleibt, nachdem Claassen erst zu Jahresbeginn seinen Posten angetreten und nach nicht einmal drei Monaten seinen Rücktritt eingereicht hatte. Nachdem sich Claassen nur vage über die Gründe für seinen Rücktritt geäußert hatte, schießen nunmehr die Spekulationen ins Kraut, wonach doch etwas an den Gerüchten im Bezug auf mögliche Bilanzmanipulationen dran sei.

Gerüchte über Bilanzmanipulationen erhalten neue Nahrung
Zuvor hatte die Wirtschaftswoche berichtet, dass sich Solar Millennium einer kreativen Buchführung bediene und sich ausschließlich aus einer Unternehmensanleihe finanziere. Bei Solar Millennium wies man zwar die Vorwürfe zurück, dennoch bleiben weiter Fragen offen.

Zum einen ist die Nachfolge von Claassen ungeklärt, die jedoch nach Aussagen des Managements zeitnah gelöst werden soll. Zum anderen sollte das Unternehmen in einer Presseerklärung Klarheit über die Rücktrittshintergründe von Claassen offen legen, um die Spekulationen auszuräumen. Aus dem Umfeld von Claassen hieß es, dass es weder ein Todesfall in der Familie, als auch keine atmosphärische Störungen im Management gegeben habe, wie die Süddeutsche berichtet.

Im April wollte Claassen Details zur künftigen Strategie des Unternehmens präsentieren, wobei der Manager Solar Millennium zu einem Weltmarktführer aufbauen wollte - daraus wird nun nichts. Vielmehr bleibt die Frage offen, wie Solar Millennium die Finanzierung für geplante Mega-Kraftwerke in den USA stemmen will.

Finanzierung von Riesenkraftwerken in den USA ungewiss
Der Bau eines solchen Parabolrinnen-Riesenkraftwerks erfordert eine Investitionssumme von mehr als eine Mrd. Euro. Um diese Mittel zusammen zu bekommen, hatte Solar Millennium erst am Dienstag ein Vertriebsunternehmen zusammen mit dem Bankexperten Wolfgang Gerke gegründet. Solar Millennium steht dabei unter Zeitdruck, denn das Unternehmen kann beim Bau des Kraftwerks nur dann mit lukrativen Fördersummen rechnen, wenn es noch in diesem Jahr losgeht. Der Rücktritt von Claassen dürfte daher auch ein Rückschlag für die Finanzierungsbemühungen des Unternehmens sein.

Daneben könnte sich auch das Blatt in Spanien gegen Solar Millennium wenden. Der Bau des Solarprojektes Ibersol sollte eigentlich im Sommer 2009 anlaufen, wurde aber auf Anfang 2010 verschoben. Nach der Streichung des Art. 4 des Gesetzes real decreto 06/2009, ist allerdings ungewiss, ob Ibersol die bisherige Einspeisevergütung für sich beanspruchen kann…

Kurzportrait

Die in Erlangen ansässige Solar Millenium AG wurde ursprünglich im Jahre 1998 gegründet. Im Jahre 1999 folgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Das Unternehmen hat sich dabei vor allem auf Technologien rund um Parabolrinnen-Kraftwerke spezialisiert. Daneben will das Unternehmen sogenannte Aufwind-Kraftwerke zur Marktreife entwickeln.

Mit Hilfe der Sonneneinstrahlung wird bei Parabolrinnen-Kraftwerken Strom mit einer Dampfturbine erzeugt, die ein angeschlossener Generator erzeugt. Der Dampf wird dabei durch die Sonnenenergie erzeugt, die zuvor durch viele Parabolspiegel gebündelt wurden.

Daneben setzt die Solar Millennium AG auf solarthermische Anlagen, um Sonneneinstrahlung in Wärme zu nutzen. Wie auch herkömmliche Sonnenkollektoren gewinnen solarthermische Anlagen durch die Absorbierung von Sonnenlicht Wärmeenergie.

Um seine Technologie weiter zu entwickeln und Projekte zu realisieren, unterhält die Solar Millennium eine Reihe von Tochterfirmen und Beteiligungen. Die Technikfirmen Flagsol GmbH und Smagsol GmbH gehören zu 100 Prozent zum Unternehmen, wobei die Tochter Flagsol inzwischen in MAN Solar Millennium eingebracht wurde. Dadurch hält Solar Millennium nunmehr 74,9 Prozent der Anteile an MAN Solar Millennium. Daneben betreibt die Solar Millennium AG ein gemeinsames Joint Venture mit Inner Mongolia Lvneng New Energy Co Ltd. Beide Firmen halten jeweils 50 Prozent der Anteile an dem Venture Inner Mongolia STP Development Co Ltd mit Sitz in Hohhot, dessen Ziel es ist, Parabolrinnen-Kraftwerke in China zu entwickeln. Ferner ist die Solar Millennium an einer Reihe von Projektgesellschaften in Spanien beteiligt. Unter anderem halten die Erlanger 100 Prozent der Anteile an der spanischen Milenio Solar Desarrollo de Proyectos. Zudem soll Solar Millennium an dem Mammut-Projekt Desertec mitwirken. Ende Oktober 2009 verkaufte Solar Millennium seine Beteiligung an der Ibersol-Projektgesellschaft Ibersol Electricidad Solar Ibérica S.L an die MAN Ferrostaal AG in Essen und an die Ibersol Kraftwerks GmbH.

Das Produktangebot der Solar Millennium AG umfasst sowohl die Projektentwicklung, wie auch die Projektfinanzierung und die Umsetzung (Kraftwerksbau). Ferner fungiert das Unternehmen aber auch als Technologiegeber beim Bau von Solar-Kraftwerken. Minderheitsbeteiligungen an Projekt- und Kraftwerksgesellschaften rund das Geschäftsmodell des Unternehmens ab.

Zahlen

Meldung gespeichert unter: Solar Millennium

© IT-Times 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Folgen Sie IT-Times auf ...