Software AG - heißer Übernahmekandidat

Freitag, 11. Juni 2010 12:50
Software AG

MÜNSTER (IT-Times) - Was für eine turbulente Woche für die Software AG (WKN: 330400). Und wenn man es so will, dann komplett ohne eigenes Zutun. Zunächst hat das Unternehmen ein Übernahmeangebot erhalten, ohne dass der Bieter genannt wurde. Bei der Software AG nahm man von der Offerte durchaus angetan Notiz. Weniger erfreulich sind indessen Ermittlungen bezügliches eines möglichen Insiderhandels im Rahmen der IDS Scheer-Übernahme.

Zunächst aber zu den Akquisitions-Gerüchten: So seien Unternehmen immer wieder an dem Portfolio der Software AG interessiert. Das Unternehmen gehört zu 29 Prozent der Software AG Stiftung, welche bei einem angemessen Preis einem Verkauf grundsätzlich nicht abgeneigt wäre. Gerüchte, dass es sich bei dem Interessenten um den größeren Wettbewerber SAP handele, wurden von der Software AG als unwahrscheinlich abgetan. Indes: SAP wäre durchaus ein geeignetes Unternehmen, da die Portfolios von SAP und von der Software AG gut aufeinander abgestimmt werden könnten. Da SAP aktuell ohnehin auf Beutezug ist und auch vor größeren Übernahmen nicht zurückschreckt (Stichwort: Sybase), liegt die Vermutung, die zu den Gerüchten führt, durchaus nahe. Über die Höhe des aktuellen Kaufangebotes für die Software AG wurde zunächst einmal nichts bekannt.

Vorwurf des Insiderhandels

Die weitere Nachricht der Woche, die die Software AG betrifft, und die das Unternehmen weniger erfreut aufnehmen dürfte: Die Software AG steht im Verdacht, im Rahmen der Übernahme von IDS Scheer Insiderhandel betrieben zu haben. Wie die Saarbrücker Zeitung meldete, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachtes des Insiderhandels gegen Mitarbeiter der Software AG sowie der Saarbrücker IDS Scheer AG. Ein Sprecher der Saarbrücker Staatsanwaltschaft hatte auf Nachfrage einen entsprechenden Artikel des Saarbrücker Blattes bestätigt. Auslöser der Ermittlungen, so die Saarbrücker Zeitung, sei eine Strafanzeige der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gewesen. Sowohl Mitarbeiter der Software AG als auch der IDS Scheer AG seien wegen auffälliger Handelsaktivitäten mit Aktien in den Blick der staatlichen Behörden geraten.  Im Juli 2009 hatte die Software AG Pläne zur Übernahme der IDS Scheer AG bekannt gegeben. Im Februar dieses Jahres war nach erfolgter Übernahme der Aktienmehrheit die Verschmelzung beider Unternehmen durch die amtliche Registrierung eines  Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag rechtswirksam geworden.

Positive Effekte durch schwachen Euro

Und noch einen Aspekt gibt es, der das Unternehmen jüngst in die Presse brachte, der aber kaum von der Software AG selbst verantwortet werden kann: Das Unternehmen rechnet beim Gesamtjahresergebnis mit positiven Wechselkurseinflüssen. Die Software AG profitiert schon heute von einem schwachen Euro. Im zweiten Quartal sei ein gewisser Einfluss der Wechselkursbedingungen festzustellen gewesen, richtig durchschlagen soll die Euro-Abwertung aber mit Blick auf das Gesamtjahr 2010. Für das deutsche Softwareunternehmen  dürfte der Ausblick somit positiv ausfallen. Bereits jetzt geht das Unternehmen für das Gesamtjahr 2010 von einem währungsbereinigten Umsatzwachstum zwischen 25 und 30 Prozent aus. 15 Prozent davon sollen durch vermehrten Produktumsatz generiert werden. Der Nettogewinn 2010 soll um acht bis zwölf Prozent zulegen.

Investitionen in kleinere Übernahmen und Forschung

Ansonsten äußerte das Unternehmen, dass kleinere Übernahmen auch in Zukunft nicht ausgeschlossen seien. Einen großen Fisch wie IDS Scheer will sich die Software AG aber zunächst nicht wieder angeln. Erst stehe die vollständige Integration von IDS Scheer an, hieß es. Durch die Fusion beider Unternehmen wolle man die Marktführerschaft im Bereich Business-Process Engineering (BPE) erreichen, Umsatz und Ergebnis sollen dann alle fünf bis sechs Jahre verdoppelt werden können. Die Software AG setzt zudem auf Forschung und Entwicklung made in Leipzig. In diesem Jahr sollen am Forschungsstandort itCampus Mitarbeiterzahl und Investitionssumme erhöht werden. Bei itCampus handelt es sich um ein Tochterunternehmen der Software AG, bislang befanden sich 51 Prozent der Anteile in Unternehmensbesitz, nun soll diese Zahl auf 100 Prozent erhöht werden. Gleichzeitig plane man auch die Einstellung von neuen Mitarbeitern.

Kurzportrait

Die in Darmstadt ansässige Software AG ist ein weltweit agierender Anbieter von Produkten und Dienstleistungen für IT-Infrastrukturen mit serviceorientierten Architekturen (SOA). Das Unternehmen ist auf zwei Geschäftsfeldern tätig und hat Produktentwicklung sowie Vertrieb in zwei Geschäftsbereiche ausgerichtet: Enterprise Transaction Systems (ETS) und Crossvision.

ETS besetzt das Feld Datenbanken und basiert vor allem auf dem Datenbankmanagementsystem Adabas sowie der Entwicklungsumgebung Natural. Crossvision ist eine SOA-Suite, die XML (Extended Markup Language ist eine universale Datenbeschreibungssprache; Tamino XML Server ist eines der Hauptprodukte in diesem Bereich) und Prozessintegrationstechnologien (EntireX, ApplinX) miteinander kombiniert. Hierdurch können Nutzer neue Geschäftsprozesse in ihre bestehende IT-Infrastruktur integrieren. Operativ agiert das Unternehmen in den drei Regionen Zentral- und Osteuropa/Asien, Nordamerika/Nordeuropa und Süd- und Westeuropa/ Lateinamerika. Die Software AG bietet Wartung, Lizenzierung und weitere Dienstleistungen an. Inzwischen wird ein Drittel des Umsatzes über Lizenzen erwirtschaftet. Im Frühjahr 2007 verstärkte sich das Unternehmen im Bereich Web Services und SOA-Lösungen durch die Übernahme der amerikanischen webMethods. Bereits zuvor übernahm das Softwarehaus mehrheitlich die israelische SPL Software. Ende 2007 schluckte die Software AG die Softwaresparte von Jacada. Mitte 2009 übernahm die Software AG den Schweizer IT-Spezialisten Teconomic AG. Gleichzeitig übernahm die Software AG im Jahr 2009 Deutschlands drittgrößtes Software IDS Scheer. Im Frühjahr 2010 wurde der CEP-Spezialist RTM Realtime Monitoring GmbH übernommen.

Sechs Mitarbeiter des Beratungshauses AIV (Institut für Angewandte Informationsverarbeitung) gründeten das Unternehmen 1969 in Darmstadt. Adabas ist eines der ersten Produkte, schnell folgte die Internationalisierung mit dem Markteintritt in den USA. Seit 2008 vermarktet die Software AG seine Produkte direkt in Brasilien. Am 26. April 1999 ging die Software AG an die Börse und notiert heute im TecDAX. Die Software beschäftigte zuletzt rund 6.000 Mitarbeiter und betreut weltweit mehr als 4.000 Kunden in über 70 Ländern.

Zahlen

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