Sina zahlt hohen Preis für Wachstum - starker Kostenanstieg sorgt für Verunsicherung

Donnerstag, 10. November 2011 14:01
Sina

(IT-Times) - Die Aktien von Chinas führendes Internet-Portal Sina gaben zuletzt kräftig nach und gehörten mit einem Kursminus von knapp elf Prozent zu den Hauptverlierern an der New Yorker Nasdaq. Investoren und Anleger trennten sich im großem Stil von dem Wert, nachdem Sina leicht hinter den Umsatzschätzungen der Analysten zurückblieb.

Zudem sah sich das Unternehmen nach Investments in die Immobilienplattform China Real Estate Information und dem Videoportal Tudou höheren Kosten gegenüber. Die Sonderbelastungen aus Goodwill-Abschreibungen summierten sich im jüngsten auf 350,1 Mio. Dollar. Ausgenommen dieser Faktoren hat Sina einen Nettogewinn von 26 US-Cent je Aktie realisiert und damit die Analystenerwartungen um drei Cent je Aktie übertroffen.

Insgesamt verdoppelten sich die operativen Kosten auf 60,4 Mio. US-Dollar. Zwar wächst die Microblogging-Plattform Sina Weibo nach wie vor in einem atemberaubenden Tempo, jedoch stiegen auch die Kosten im Zusammenhang mit der Seite. So investierte Sina allein im jüngsten Quartal 30 Mio. US-Dollar in Weibo. Die Produktentwicklungskosten kletterten entsprechend um 124 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Sina Weibo erreicht 250 Millionen registrierte Nutzer
Marktbeobachter gehen davon aus, dass sich die Investitionen in Weibo in der Zukunft auszahlen werden. Aktuell verzeichnet Sina Weibo 250 Millionen registrierte Nutzer, ein Zuwachs von 25 Prozent gegenüber dem Vorquartal - damit nutzen gleichzeitig mehr als die Hälfte der chinesischen Online-Nutzer Sina Weibo. Allerdings erzielt Sina (Nasdaq: SINA, WKN: 929917) bislang noch keinen Umsatz geschweige denn einen Profit mit der Plattform.

Bislang hielt sich Sina mit seiner Strategie bezüglich einer möglichen Monetarisierung von Sina Weibo bedeckt. Analysten wie Susquehanna International Experte Zhao Chunming gehen davon aus, dass Weibo den Börsenwert von Sina in den nächsten Jahren kräftig heben wird und Sina in drei Jahren 12 Mrd. US-Dollar bzw. über 200 US-Dollar an der Börse wert sein wird.

An der Wall Street drückt man dagegen auf die Euphoriebremse. Die ersten Analysten haben ihre Kursziele bereits nach unten korrigiert. Sina müsse erst beweisen, dass die Investitionen in Sina Weibo gerechtfertigt sind, so der allgemeine Tenor...

Kurzportrait

Die im Jahre 1997 gegründete und in Schanghai ansässige Sina betreibt mehrere große Web-Portale in China, Hongkong, Taiwan, sowie in den USA. Mit mehr als 300 Millionen registrierten Nutzern gilt Sina als eines der größten Internet-Portale in China. Zuletzt erzielten die Nachrichten-Seiten des Unternehmens durchschnittlich mehr als 200 Mio. Seitenaufrufe täglich. Insgesamt operiert Sina heute aus fünf Kerngeschäftsbereiche heraus: Sina.com, Sina Mobile, Sina Community (Web 2.0 basierte Services und Spiele), Sina.net (Such- und Firmenkundenservices) und Sina E-Commerce (Online-Shopping).

Mit Sina.com betreibt das Unternehmen eine Online-Plattform bestehend aus über 15 lokalen Web-Seiten, welche neben Nachrichten auch Spiele anbieten. Gleichzeitig haben Nutzer kostenlosen Zugriff auf 30 verschiedene Themen-Rubriken. Die Inhalte auf den Online-Seiten werden durch Partnerschaften mit 600 nationalen und internationalen Content-Providern gefüllt. Der kostenlose Email-Service Sinas gilt hinter Hotmail, Netease Mail, Yahoo Mail und AOL als einer der weltgrößten Freemailer. Aufgrund der starken Nutzerbasis dominiert Sina auch den Online-Werbemarkt. So kann das Unternehmen mehr als 700 Firmenkunden vorweisen, welche auf den Online-Seiten der Gesellschaft Werbung schalten.

Über Sina Mobile bietet das Unternehmen insbesondere mobile Mehrwertservices wie Klingeltöne und Spiele an. Durch die Übernahme von Memestar im Januar 2003 baute das Unternehmen sein SMS-Angebot erheblich aus. Mit der im Februar 2002 gegründeten Sina.net will das chinesische Portal verstärkt kleine und mittelständische Firmenkunden ansprechen. Sina.net bietet den inzwischen mehr als 300.000 registrierten Geschäftskunden Verzeichnisdienste, Email-Services, Marketing- und E-Commerce-Dienste an.

Im Januar 2003 gründete Sina gemeinsam mit der koreanischen NCsoft ein Joint Venture im Online-Spielbereich. Mit dem Online-Portal iGame will das Unternehmen im Bereich Online-Spiele stärker Fuß fassen. Im Februar 2004 kaufte Sina dann den Online-Reisespezialisten Bravado Investments. Einen Monat später akquirierte Sina den SMS-Diensteanbieter Crillion. Anschließend kaufte Sina den Instant Messaging-Anbieter Davidhill Capital. Im Jahr 2007 schloss Sina eine Partnerschaft mit Google im Bereich Suchdienste. Anfang 2008 gründete Sina ein Joint Venture mit dem Immobilienspezialisten E-House, um ein neues Immobilienportal zu errichten. Im Frühjahr 2008 startete Sina dann auch seine beiden Web 2.0 Dienste Sina Space und Sina TV. Mitte 2009 brachte Sina sein Online-Immobiliengeschäft in die China Online Housing Technology Corporation (CRIC) ein und sicherte sich im Gegenzug 39 Prozent der Anteile an CRIC. Inzwischen ist CRIC börsennotiert, wodurch Sina nunmehr eine 33%ige Beteiligung an dem Unternehmen hält. In 2009 ging Sina mit Weibo mit einem eigenen Microblogging-Angebot an den Start. Gemeinsam mit China Dongxiang erwarb Sina zuletzt 29 Prozent an dem Online-Einzelhändler Mecox Lane. In 2011 stieg Sina bei China Real Estate Information Corp sowie beim Videoportal Toudou (9,05 Prozent) ein.

Zahlen

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