Shanda Games droht den Anschluss zu verlieren

Freitag, 10. September 2010 12:08
ShandaDragonNest.gif

(IT-Times) - Chinas zweitgrößter Online-Spielentwickler Shanda Games (Nasdaq: GAME, WKN: A0YA15) steckt in der Krise. Das Unternehmen verlor in den vergangenen Quartalen stetig Marktanteile an die Konkurrenz und musste bereits das Internet-Portal Tencent vorbeiziehen lassen.

Inzwischen bedrängt auch die bisherige Nummer drei im Markt, NetEase.com, das Unternehmen und ist drauf und dran Shanda Games von Platz zwei zu verdrängen - „World of Warcraft“ und „Wrath of the Lich King“ machen es möglich. Bislang hatte Shanda Games der Konkurrenz nur wenig entgegen zu setzen. Das Spiele-Portfolio gilt als obsolet, neue potentielle Hit-Spiele scheinen aktuell nicht in Sicht.

Shanda Games holt sich Entwickler-Know-how ins Boot

Mit dem jüngsten Schachzug, der Übernahme des südkoreanischen Entwicklerstudios Eyedentity Games hofft Shanda Games auf einen Befreiungsschlag. Eyedentity hat zwar bislang nur ein Online-Spiel entwickelt, das MMORPG „Dragon Nest“ erfreut sich allerdings in Asien bereits großer Beliebtheit. Stolze 95 Mio. Dollar lässt sich Shanda Games die Verstärkung kosten und holt sich damit gleichzeitig 100 Entwickler ins Haus.

Mit der Übernahme will Shanda Games gleichzeitig seine Strategie verwirklichen, jeden Monat bzw. alle zwei Monate eine neue Erweiterung für „Dragon Nest“ auf die Server aufzuspielen. „Dragon Nest“ sorgte nicht nur in Südkorea und Japan für Furore, sondern gilt mit mehr als 400.000 Peak Concurrent User (PCU) auch in China als Spielehit.

Ehemaliger Umsatzmotor wird zu Ballast

Auf einen Hit ist Shanda Games auch dringend angewiesen, ist der bisherige Hit und Umsatzträger „Mir II“ bereits mehr als sieben Jahre in China am Start. Eine veraltete Grafikoberfläche und ein ebenso veraltetes Spielesystem haben dafür gesorgt, dass die Spielerzahlen bei „Mir II“ in den vergangenen Monaten weiter zurückgegangen sind. Marktbeobachter sehen den Lebenszyklus des Spiels bereits als überschritten an.

Umso wichtiger ist die künftige Game-Pipeline des Unternehmens. Mit dem 3D MMORG „Magic World Online II“, „Legend of Immortals“, „Bubble Fighter“ und „Hades Realm II“ will Shanda Games die Marktanteilsverluste stoppen und neue und alte Spieler zurückgewinnen.

Shanda Games formt Joint Venture mit CNTV

Helfen soll Shanda Games auch das neue Joint Venture mit China Network Television (CNTV). Gemseinsam mit CNTV will Shanda Games einen neuen Online-Game Channel einrichten und sich somit einen neuen Vertriebskanal für seine Spiele schaffen…

Kurzportrait

Shanda Games, ansässig in Shanghai, gilt als einer der führenden Online-Spieleentwickler in China. Shanda entwickelt seine Spiele nicht nur in seinen eigenen Studios, sondern lizenziert auch Spiele von Drittanbietern.

Shanda Games sich dabei vor allem auf die Vermarktung von so genannten Multiplayer Online-Role-Playing-Games (MMORPGs) spezialsiert. Zu den populärsten Shanda-Spielen gehören das von Actoz lizenzierte Online-Rollenspiel „The Legend of Mir II“ und das im eigenen Haus entwickelte Online-Spiel „World of Legend“ (Wool). Neben Adventures und Online-Rollenspiele bietet Shanda Games auch Action, Brett- und Arcade-Spiele an, die auch von der breiten Masse der Kunden angenommen werden. Insgesamt verzeichnet Shanda nach eigenen Angaben mehr als sechs Mio. aktive Spieler. Daneben hat Shanda mit „ArchLord“, „Dungeons and Dragons Online“, „LaTale“, „Chungchun“, „Thales Runner“, „AION: Tower of Eternity“, „Dragon Nest“, „Atrix“ und „Lazeska“ weitere Online-Rollenspiele lizenziert. Insgesamt betrieb Shanda Games zuletzt mehr als 18 MMORPGs und elf Casual Games für Gelegenheitsspieler.

In den vergangenen Jahren verstärkte sich Shanda vor allem durch Firmenzukäufe. Nachdem das Unternehmen zunächst die Mehrheit beim chinesischen Spieleentwickler Shenzhen Fenglin Haoshan übernahm, beteiligte sich Shanda mit 35 Prozent an dem in Beijing ansässigen Spieleentwickler Digital-Red. Ende Juli 2004 übernahm Shanda dann die Mehrheit bei Haofang Online Information Technology, dem größten chinesischen PC-Spielenetzwerk. Im August folgte dann die Übernahme des Online-Spielespezialisten Hangzhou Bianfeng Software Technology. Biafeng hat sich insbesondere auf die Entwicklung von Schach- und Brettspielen spezialisiert. Anschließend übernahm Shanda die restlichen Anteile an Digital-Red Mobile Software, einem der führenden Entwickler von Handy-Spielen. Ende 2004 erwarb Shanda Interactive 29 Prozent der Anteile an dem südkoreanischen Rivalen Actoz Soft. Inzwischen hat Shanda seine Beteiligung an den Südkoreanern auf über 50 Prozent ausgebaut und kontrolliert den Aufsichtsrat. Mitte 2007 folgte die Übernahme des Spieleanbieters Aurora Technology Development. Mitte 2009 kaufte Shanda Games den Online-Spielespezialisten Chengdu Simo Technology. Anfang 2010 schluckte Shanda den chinesischen Online-Spielentwickler Goldcool Games. Zudem kaufte Shanda das amerikanische Online-Spielenetzwerk Mochi Media. Im Herbst 2010 wurde das südkoreanische Entwicklerstudio Eyedentity Games (Draogon Nest) übernommen. Gleichzeitig wurde ein Joint Venture mit der chinesischen CNTV geschlossen.

In 2008 gründete Shanda ein Joint Venture mit dem südkoreanischen Online-Spielentwickler NCsoft, um Online-Spiele in China zu vermarkten. Später folgte ein Joint Venture mit dem chinesischen Online-Spielentwickler Kingsoft. Im Herbst 2009 wagte Shanda Games den Gang an die Nasdaq. Mit einem Emissionsvolumen von einer Mrd. US-Dollar gilt der Börsengang von Shanda Games als das größte IPO einer chinesischen Gesellschaft an der Technologiebörse Nasdaq.

Zahlen

Für das vergangene zweite Quartal 2010 meldet Shanda Games einen Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahresquartal von 1,16 Mrd. Renminbi auf 1,11 Mrd. Renminbi (163,9 Mio. US-Dollar). Mit Erlösen in Höhe von 1,102 Mrd. Renminbi blieben die sogenannten „Massively Multi-Player Online Role-Playing Games“ (MMORPG) Hauptumsatzträger von Shanda Games, büßten gegenüber den 1,08 Mrd. Renminbi des Vorjahresquartals aber an Umsatz ein.

Meldung gespeichert unter: Shanda Games

© IT-Times 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Folgen Sie IT-Times auf ...